Ausbildung während der Corona-Krise

Welche Förderung können Ausbildungsbetriebe in Anspruch nehmen?

Folgende Programme sind derzeit verfügbar:

  • Ausbildungsplätze sichern: Die Bundesregierung hat ein 500 Millionen Euro schweres Hilfsprogramm für kleine und mittelgroße Ausbildungsbetriebe auf den Weg gebracht, um durch die Corona-Pandemie bedrohte Ausbildungsplätze zu sichern. Anträge können ab jetzt gestellt werden. Mehr Infos.
  • Bis zu 3.000 Euro für KMU: Ausbildungsbetriebe, die Azubis temporär von anderen Betrieben übernehmen, erhalten ab jetzt eine zusätzliche Förderung des Bundes. Mehr Infos.

Müssen Azubis in den Ausbildungsbetrieb, wenn die Berufsschule geschlossen hat und was passiert mit dem Lernstoff?

Ja, denn Auszubildende sind gemäß § 9 Abs. 1 des Jugendarbeitsschutzgesetzes (JArbSchG) bzw. § 15 Abs. 1 des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) nur für die Teilnahme am Berufsschulunterricht von der Ausbildung freigestellt. Die Freistellung der Auszubildenden durch ihre Ausbildenden endet jedoch, wenn ein Besuch der Berufsschule unterbleiben muss. Auch wenn die Berufsschule als Ersatz einen Online-Unterricht anbietet, dürfen Auszubildende nicht einfach zu Hause bleiben. Die Entscheidung darüber, ob Auszubildende am Online-Unterricht im Betrieb oder an anderer Stelle teilnehmen, trifft der Betrieb. Im Idealfall natürlich in Abstimmung mit den Auszubildenden.

Fällt die Berufsschule aus, müssen die Betriebe den für die Berufsausbildung wesentlichen theoretischen Lehrstoff selbst vermitteln oder sich einen Bildungsträger suchen, der dies für sie übernimmt.

Der Betrieb sollte die ausgefallene Berufsschulzeit dazu nutzen, seinen Auszubildenden Gelegenheit zu geben, sich mit Hilfe von Lehrbüchern, Arbeitsblättern, Lernplattformen, Cloud-Lösungen oder anderen Medien den anstehenden Lernstoff anzueignen, bzw. sich auf die schriftlichen Prüfungen vorzubereiten.

Der Ausbildungsbetrieb muss den Auszubildenden zur Aneignung der theoretischen Inhalte des Ausbildungsberufes die Zeit zur Verfügung stellen, welche die Auszubildenden normalerweise für berufsrelevante Fächer in der Berufsschule verbracht hätten. Der Betrieb kann also die Zeit für die allgemein bildenden Schulfächer abziehen (z. B. Religion oder Sport), da die Betriebe den Auszubildenden die berufliche Handlungsfähigkeit vermitteln müssen.

Dazu gehören die nach der Ausbildungsordnung für die einzelnen Berufe erforderlichen Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten. Die zu vermittelnden „Kenntnisse“ beziehen sich dabei auf die Theorie. Die Vermittlung der theoretischen Ausbildungsinhalte wird den Betrieben in der Regel durch die Berufsschule weitestgehend abgenommen.

Ideal ist es, wenn der Betrieb es ermöglichen kann, dass die von den Schulen/Lehrern bereitgestellten Lerninhalte in für das Lernen geeigneten betrieblichen Räumen bearbeitet werden können. Dann kann der betriebliche Ausbilder bei auftretenden Fragen diese beantworten oder den Auszubildenden Hilfestellungen und Hinweise geben. Ansonsten kann im Ausnahmefall Ausbildung im Homeoffice in Frage kommen.

Dürfen Auszubildende im Homeoffice arbeiten?

Grundsätzlich sollten Auszubildende nicht im Homeoffice arbeiten. Aus § 14 Abs.1 Nr.2 BBiG ergibt sich, dass der Ausbildende die Auszubildenden selbst auszubilden hat oder einen Ausbilder oder eine Ausbilderin ausdrücklich damit zu beauftragen hat. Der Ausbilder muss überwiegend in der Ausbildungsstätte anwesend sein, damit er die Auszubildenden ordnungsgemäß anleiten und ihre Arbeitsergebnisse kontrollieren kann. Dies ist in der Regel jedoch dann nicht möglich, wenn Auszubildende im Homeoffice arbeiten.

Aufgrund der derzeitigen Umstände ist es jedoch vertretbar, dass Auszubildende im Homeoffice arbeiten, wenn dies betrieblich ermöglicht werden kann. Auch im Homeoffice sind Auszubildende aber auszubilden und anzuleiten. Ausbilder müssen ihnen als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Es wird deshalb empfohlen, Kontakt mit den Auszubildenden zu halten, konkrete Arbeitsaufträge zu erteilen und miteinander zu kommunizieren, insbesondere darüber, wie sich die Ausbildungsfortschritte gestalten.

Es gibt kaum Aufträge - können Auszubildende ihre Arbeitszeit reduzieren?

Es wird empfohlen, dass Ausbildende mit den Auszubildenden über die Situation sprechen. Es gibt die Möglichkeit, mit den Auszubildenden durch eine Änderung des Ausbildungsvertrages eine Teilzeitberufsausbildung nach § 7a BBiG zu vereinbaren und dadurch die tägliche oder wöchentliche Ausbildungszeit um bis zu 50 Prozent zu reduzieren. Die Ausbildungsvergütung kann entsprechend gekürzt werden (§ 17 Abs. 5 BBiG). Allerdings verlängert sich dann die vertraglich vereinbarte Ausbildungsdauer entsprechend.

Nähere Auskünfte zur Vertragsänderung in Bezug auf die Teilzeit erteilen Ihnen gerne unsere Ausbildungsberater/-innen.

Der Ausbildungsbetrieb wird durch die Behörden geschlossen. Wie soll jetzt ausgebildet werden?

Sollte der Betrieb komplett geschlossen und eine Umsetzung in eine andere Abteilung nicht möglich sein, können den Auszubildenden Ausbildungsinhalte für die Erarbeitung zu Hause gegeben werden. Allerdings darf dies keine ausbildungsfremde Tätigkeit sein. Auch zusätzliche Lernzeit für die Berufsschule ist eine Möglichkeit, die Zeit jetzt sinnvoll zu nutzen.

Darf ein Betrieb seine Auszubildenden freistellen?

Eine Freistellung von Auszubildenden widerspricht grundsätzlich der vertraglichen und gesetzlichen Verpflichtung des Ausbildenden, Auszubildenden die berufliche Handlungsfähigkeit zu vermitteln. Sie kommt deshalb nur im Ausnahmefall in Betracht. Das ist der Fall wenn der Arbeitgeber bei einer konkreten Gefährdung aufgrund seiner Fürsorgepflicht verpflichtet ist, seine Auszubildenden von der Arbeit freizustellen oder bei gesetzlich vorgeschriebenen Freistellungen für den Besuch der Berufsschule, die Teilnahme an Ausbildungsmaßnahmen außerhalb der Ausbildungsstätte und die Teilnahme an Prüfungen gem. § 15 Abs. 1 BBiG bzw. § 9 Jugendarbeitsschutzgesetz.

Die Pflicht zur Fortzahlung der Ausbildungsvergütung besteht bei Freistellungen weiter. Stellen Ausbildende Auszubildende von der Ausbildung frei und entstehen diesen dadurch Nachteile oder Lücken in der Ausbildung, welche zur Nichtzulassung zur Abschlussprüfung oder zum Nichtbestehen der Abschlussprüfung führen, sind Ausbildende im Einzelfall schadenersatzpflichtig.

Können Auszubildende in den (Zwangs-)Urlaub geschickt werden, bzw. kann Betriebsurlaub angeordnet werden?

Auszubildende können nicht pauschal in “Zwangsurlaub” geschickt werden. Den Urlaub müssen Auszubildende beantragen und er kann nicht gegen ihren Willen einfach angeordnet werden. Die Auszubildenden selbst oder auch der Betriebsrat können eine Vereinbarung mit der Unternehmensleitung treffen. Hier zählt der Einzelfall.

Betriebsurlaub kann vom Ausbildenden im Rahmen seines Direktionsrechtes nach den Grundsätzen der höchstrichterlichen Rechtsprechung (BAG, Urt. v. 28.07.81, Az. 1 ABR 79/79) angeordnet werden. Es muss sich dann um eine generelle Regelung für den gesamten Ausbildungsbetrieb oder zumindest für organisatorisch klar abgegrenzte Betriebsteile handeln, auf die sich die betriebliche Sondersituation auswirkt.

Was bedeutet eine Insolvenz für das Ausbildungsverhältnis?

Weder eine drohende Insolvenz des Ausbildungsbetriebes noch die Eröffnung des Insolvenzverfahrens haben direkte Auswirkungen auf den Ausbildungsvertrag. Sollte ein Insolvenzverfahren eröffnet werden, tritt allerdings in der Regel der Insolvenzverwalter an die Stelle des Ausbildenden. Alle aus dem Ausbildungsvertrag bestehenden Ansprüche sind an ihn zu richten.

Der Ausbildende bzw. der Insolvenzverwalter sind dazu verpflichtet, die aus dem Ausbildungsverhältnis resultierenden Pflichten weiter zu erfüllen. Hierzu zählt insbesondere die Zahlung der vereinbarten Ausbildungsvergütung. Ausbildender und Auszubildender können sich auf eine Kürzung der Ausbildungsvergütung einigen. Die Ausbildungsvergütung muss jedoch weiterhin angemessen und höher als die gezahlte Vergütung des vorhergehenden Jahres sein (§ 17 Abs. 1 BBiG). Wird im Zuge des Insolvenzverfahrens das Unternehmen, zum Beispiel durch Kauf, vollständig auf eine andere Person übertragen, tritt diese in die Rechte und Pflichten aus dem Berufsausbildungsverhältnis ein.

Gewusst?
Das Wirtschaftsministerium fördert mit seinem Förderprogramm: Ausbildung sichern Betriebe mit einer Prämie in Höhe von 1.200 Euro, wenn sie einen Auszubildenden nach Insolvenz des bisherigen Ausbildungsbetriebs während seiner Ausbildung übernehmen.

Kann für Auszubildende Kurzarbeit angeordnet werden?

Grundsätzlich kann der Ausbildungsbetrieb Auszubildenden gegenüber keine Kurzarbeit anordnen. Der Ausbildungsbetrieb ist zunächst dazu verpflichtet, alle Mittel auszuschöpfen, um die Ausbildung weiter zu gewährleisten. Hierbei hat er beispielsweise folgende Möglichkeiten:

  • Umstellung des Ausbildungsplans durch Vorziehen anderer Lerninhalte
  • Versetzung in eine andere Abteilung
  • Rückversetzung in die Lehrwerkstatt
  • Durchführung von Projektarbeiten
  • Nutzung diverser Lernplattformen
  • Durchführung besonderer Ausbildungsveranstaltungen (Durchführung von Projektarbeiten, Nutzung von Lernplattformen, Ausarbeitungen von Handouts/Anleitungen (z. B. für Office-Anwendungen, Handling von speziellen Warengruppen etc.)

Erst wenn alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind, kann Kurzarbeit auch für Azubis in Frage kommen. Diese Option ist allerdings nur beschränkt zu handhaben. Wenn die Unterbrechung der Ausbildung unvermeidlich ist – das dürfte bei einer Corona-bedingten Schließung der Fall sein – können auch Auszubildende in Kurzarbeit einbezogen werden.

Sollte Auszubildenden gegenüber Kurzarbeit angeordnet werden, haben sie Anspruch auf Zahlung der vollen Ausbildungsvergütung für mindestens sechs Wochen (§ 19 Abs. 1 Nr. 2 BBiG). Abweichend von der gesetzlichen Mindestdauer können Ausbildungs- und Tarifverträge längere Fristen vorsehen. Erst danach kann über die verantwortliche Agentur für Arbeit Kurzarbeitergeld beansprucht werden.

Mehr Informationen zum Thema erhalten Sie unter Kurzarbeitergeld für Auszubildende. Für weitere Auskünfte wenden Sie sich bitte an Ihre regionale Agentur für Arbeit.

Kann für Ausbilderinnen und Ausbilder Kurzarbeit angeordnet werden?

Auch bei Ausbildern sollte Kurzarbeit nur in Ausnahmefällen angeordnet werden, da der Betrieb gewährleisten muss, dass der Ausbilder seiner Ausbildungspflicht gegenüber den Azubis nachkommt. Werden die Azubis mangelhaft oder gar nicht ausgebildet, kann ein Schadensersatzanspruch gegenüber dem Ausbildungsbetrieb entstehen.

Darf Auszubildenden mangels Aufträgen, behördlich angeordneter Betriebsschließung, Kurzarbeit oder drohender Insolvenz gekündigt werden?

Ein Mangel an Aufträgen, eine behördlich angeordnete Betriebsschließung, Kurzarbeit oder eine drohende Insolvenz sind grundsätzlich keine Gründe für eine Kündigung.

Sollte der Ausbildungsbetrieb jedoch für längere Zeit vollständig zum Erliegen kommen und ist auch auf absehbare Zeit keine Perspektive gegeben, dass eine Besserung der Umstände eintritt und die Ausbildung wieder aufgenommen werden könnte, ist ein wichtiger Grund zur Kündigung des Berufsausbildungsverhältnisses gegeben. Unter diesen Umständen kann die berufliche Handlungsfähigkeit nicht mehr vermittelt werden. Durch die dadurch weggefallene Ausbildungseignung des Betriebes  ist eine Kündigung der Auszubildenden möglich, ohne dass ein Schadensersatzanspruch entsteht. Der Ausbildende ist dazu verpflichtet, sich rechtzeitig mit der zuständigen Agentur für Arbeit um einen anderen Ausbildungsbetrieb für den Auszubildenden zu bemühen.

Zusätzlich sollten sich auch die Auszubildenden selbst um einen neuen Ausbildungsplatz bemühen, zum Beispiel über die IHK-Lehrstellenbörse.

Sind Auszubildende berechtigt, aufgrund der mit der Corona-Pandemie einhergehenden Ansteckungsgefahr der betrieblichen Ausbildung fernzubleiben?

Grundsätzlich dürfen Auszubildende die betriebliche Ausbildung nicht verweigern, weil die Ansteckungsgefahr bei der Arbeit oder auf dem Weg dorthin erhöht sein könnte.

Insbesondere ist jedes eigenmächtige Fernbleiben von Auszubildenden von der betrieblichen oder schulischen Ausbildung ein Verstoß gegen seine vertragliche und gesetzliche Verpflichtung, sich zu bemühen, die berufliche Handlungsfähigkeit zu erwerben und kann sowohl arbeitsrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen als auch die Zulassung zur Abschlussprüfung wegen Fehlzeiten gefährden. Ein Fernbleiben von der Ausbildung ist deshalb nur im Einvernehmen mit dem Ausbildenden möglich oder sofern ein behördliches Verbot bzw. ein gesetzlicher / vertraglicher Anspruch darauf besteht.

Können aktuell Anträge auf Schlichtung gestellt werden?

Ja. Um keine Verzögerungen im Rechtsweg zu schaffen, führt die IHK Reutlingen wieder ab Mitte Mai Schlichtungsverfahren bezüglich Streitigkeiten zwischen Ausbildenden und Auszubildenden aus einem bestehenden Berufsausbildungsverhältnis gem. § 111 Abs. 2 ArbGG unter Einhaltung der erforderlichen und möglichen Schutzmaßnahmen durch.

Wie werde ich Ausbildungsbetrieb in Zeiten von Corona?

Ein Betrieb plant zum Beginn des neuen Ausbildungsjahres erstmals auszubilden, jedoch verfügt im Betrieb noch niemand über die Ausbildereignung gemäß AEVO. Da aktuell keine AEVO-Prüfungen und Lehrgänge stattfinden, stellt sich die Frage, ob trotzdem ausgebildet werden darf. In solch einem Fall wird der Betrieb gebeten, sich mit dem/der zuständigen IHK-Ausbildungsberater/in in Verbindung zu setzen.

Ausbildung

Wenn es um die Ausbildung des Nachwuchses geht, gibt es viele Dinge zu beachten. Die IHK Reutlingen betreut die Ausbildungsbetriebe in der Region Neckar-Alb, unterstützt sie und beantwortet die Fragen rund um die Ausbildung.

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Für Ausbildungsbetriebe

Unternehmen, die in einem der gesetzlich definierten Berufe ausbilden wollen, müssen dazu fachlich qualifiziert sein und verantwortliche Ausbilderinnen oder Ausbilder benennen. Die IHK Reutlingen unterstützt Firmen auf dem Weg zum Ausbildungsbetrieb. Weitere Informationen für Ausbildungsbetriebe.

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Für Azubis

Die IHK Reutlingen betreut Auszubildende auch während ihrer Lehrzeit, wenn es Fragen rund um die Ausbildung gibt - von A wie Abkürzung der Ausbildungszeit über E wie Ergebnisse und P wie Prüfungstermine oder Z wie Zusatzqualifikationen. Mehr.

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Für Lehrstellensucher

Die Unternehmen haben hohes Interesse an qualifiziertem Nachwuchs. Die IHK-Mitgliedsunternehmen in der Region Neckar-Alb bilden in mehr als 100 Ausbildungsberufen aus. Die Ausbildung in über 2.000 Ausbildungsbetrieben in der Region bietet jungen Menschen gute berufliche und damit Lebensperspektiven. Mehr.

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Ausbildungsmarketing

Bewerbungen flattern nicht mehr einfach so ins Haus. Die IHK Reutlingen bietet Unternehmen neue Wege bei der Suche nach passenden Bewerbern. Mehr.

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Beratungsstelle Inklusion

Der Ausbildungsmarkt ist in Bewegung. Das veränderte Berufswahlverhalten vieler Jugendlicher und die demographische Entwicklung machen die Suche nach geeigneten Bewerbern für viele Betriebe immer schwieriger. Die Ausbildung und Beschäftigung von Menschen mit Behinderung kann für kleine und mittlere Unternehmen ein Weg sein, neue Personalressourcen erschließen. Mehr.