Ausbildung während der Corona-Krise

Berufsschulen geschlossen, Prüfungen abgesagt

Wie das Kultusministerium mitteilte, sind seit Dienstag, 17. März 2020, landesweit alle öffentlichen und privaten Schulen bis einschließlich Ende der Osterferien, also bis zum 19. April 2020, geschlossen. Betroffen sind somit auch die Berufsschulen und zahlreiche Auszubildende.

Ausbildungsbetriebe wurden sicherlich bereits über die Berufsschule zu den Regelungen informiert. Zudem informiert das Kultusministerium über www.km-bw.de laufend über aktuelle Entwicklungen. Sie finden dort auch FAQs (häufig gestellte Fragen mit Antworten), die Ihnen weitere Hinweise geben.

Um die Auszubildenden auch in dieser Ausnahmesituation zu betreuen, stellen einzelne Berufsschulen anstelle von Präsenzunterricht ersatzweise auch Lernaufgaben in digitaler oder anderer Form zur Verfügung. Wir empfehlen Ihnen, Ihren Auszubildenden die erforderlichen Zeitfenster für die Bearbeitung dieser Aufgaben einzuräumen.

Weiterhin sind die für die kommenden beiden Wochen (16. bis 27. März 2020) geplanten IHK-Zwischen- und Abschlussprüfungen (Teil 1) bundesweit in allen Ausbildungsberufen abgesagt. Das betrifft schriftliche und praktische Prüfungen. Die IHK-Organisation folgt damit den Empfehlungen des Bundes und der Länder, alle Veranstaltungen möglichst abzusagen. Wir informieren Sie umgehend, sobald es Ersatztermine gibt.

Gerne möchten wir Sie noch auf unseren Service rund um das Thema Coronavirus hinweisen. Hier finden Sie allgemeine Informationen und hilfreiche Links für Unternehmen.

Ausbildungsbetriebe erreichen uns weiterhin unter den gewohnten Telefonnummern oder per Mail an ausbildung@reutlingen.ihk.de.

Zwischenprüfung für das Frühjahr 2020 ersatzlos ausgesetzt

Die zuständigen IHK-Gremien haben sich am 16.03.2020 darauf verständigt, die für das Frühjahr 2020 angesetzte Zwischenprüfung ersatzlos entfallen zu lassen. Auf ein nachträgliches Ablegen der Zwischenprüfung wird für die im Frühjahr 2020 betroffenen Prüflinge verzichtet.

Die Zwischenprüfung soll den Azubis wie auch den Ausbildenden in den Betrieben zur Mitte der Berufsausbildung in erster Linie eine Rückmeldung über den Leistungsstand geben. Beide Seiten erhalten damit einen Hinweis, wie beispielsweise das Lernen weiter gefördert und Ausbildungsmaßnahmen verbessert werden können.

Anders als bei der Abschlussprüfung ergeben sich aus den Ergebnissen der Zwischenprüfung jedoch keine verbindlichen Folgen für das Bestehen des Berufsabschlusses. Sie fließt als Prüfungsleistung nicht in das Endergebnis der Abschlussnote ein.

Daher wird seitens der IHKs als zuständige Stellen auf ein nachträgliches Ablegen der Zwischenprüfung für die im Frühjahr 2020 betroffenen Prüflinge verzichtet. Grund für diese Entscheidung ist die objektive Unmöglichkeit, die Zwischenprüfung in der derzeitigen Lage und unter den geltenden, behördlichen Auflagen im Zusammenhang mit der Corona-Krise durchzuführen. Das Aussetzen der Zwischenprüfung gilt ausschließlich für die im Frühjahr 2020 betroffenen Prüflinge.

Bitte beachten Sie: Für die Abschlussprüfungen, Abschlussprüfungen Teil 2 und die kaufmännischen Abschlussprüfungen Teil 1 ab 28.04.2020 sind noch keine Absagen oder Änderung entschieden.

Wann ist der neue Prüfungstermin und muss man sich dafür anmelden?

Für die schriftlichen Abschlussprüfungen fast aller IHK-Ausbildungsberufe stehen neue Termine fest. Nach jetzigem Stand werden sie in der Zeit vom 23. bis 25. Juni nachgeholt.

Die für Mai geplanten schriftlichen Azubi-Abschlussprüfungen müssen auf Grund der Corona-Pandemie in den Sommer 2020 verschoben werden. Rund 2.000 Azubis aus der Region Neckar-Alb müssen sich nun auf einen späteren Termin einstellen. In wenigen einzelnen Berufen, beispielsweise bei den Druck- und Medienberufe und den zweijährigen Berufen, finden die Prüfungen bereits in der Woche vom 15. bis 19. Juni statt. Hier gibt es die Prüfungstermine als Download.

Für Prüfungsteilnehmer, die im Frühjahr 2020 zur Abschlussprüfung Teil 1 angemeldet waren, wird die Prüfung im Herbst 2020 nachgeholt. Die IHK Reutlingen informiert alle Prüfungsteilnehmer sowie deren Ausbildungsbetriebe zeitnah.

Müssen Azubis in den Ausbildungsbetrieb, wenn die Berufsschule geschlossen hat?

Wird der Unterricht nicht anderweitig (zum Beispiel durch Online-Unterricht) aufrechterhalten, muss der Auszubildende im Ausbildungsbetrieb erscheinen, sofern er nicht unter Quarantäne gestellt ist oder der Ausbildungsbetrieb dem Auszubildenden vorgibt, den Betrieb nicht zu betreten.

Darf ein Auszubildender von der Ausbildung fernbleiben?

Grundsätzlich darf ein Auszubildender die Arbeit nicht verweigern, weil die Ansteckungsgefahr bei der Arbeit oder auf dem Weg dorthin erhöht sein könnte. Im Einzelfall kann der Arbeitgeber bei einer konkreten Gefährdung aufgrund seiner Fürsorgepflicht verpflichtet sein, den Auszubildenden von der Arbeit freizustellen oder Teile der Ausbildung (zum Beispiel das Führen des Ausbildungsnachweises) zu Hause zu erlauben.

 

Ist Homeoffice für Azubis möglich?

Grundsätzlich sollten Auszubildende nicht im Homeoffice arbeiten. Aus § 14 Abs.1 Nr.2 BBiG ergibt sich, dass der Ausbildende den Auszubildenden selbst auszubilden hat oder einen Ausbilder oder eine Ausbilderin ausdrücklich damit zu beauftragen hat. Der Ausbilder muss überwiegend in der Ausbildungsstätte anwesend sein, damit er den Auszubildenden ordnungsgemäß anleiten und seine Arbeitsergebnisse kontrollieren kann. Dies ist in der Regel jedoch dann nicht möglich, wenn der Auszubildende im Homeoffice arbeitet. Aufgrund der derzeitigen Umstände ist es jedoch vertretbar, ausnahmsweise Homeoffice auch für Auszubildende zuzulassen, insbesondere dann, wenn der Ausbilder die Arbeitsergebnisse z.B. per E-Mail kontrollieren kann.

Kann der Auszubildende in den Urlaub geschickt werden?

Auszubildende können nicht pauschal in “Zwangsurlaub” geschickt werden. Urlaub muss der Auszubildende beantragen und er kann nicht gegen dessen Willen einfach angeordnet werden. Ähnliches gilt für den Abbau von Überstunden. Der Auszubildende selbst oder auch der Betriebsrat können eine Vereinbarung mit der Unternehmensleitung treffen. Hier zählt der Einzelfall.

Kann dem Auszubildenden gekündigt werden?

Kurzarbeit an sich kann keine Kündigung der Auszubildenden durch den betroffenen Ausbildungsbetrieb rechtfertigen. Es sei denn, der Ausbildungsbetrieb kommt für längere Zeit vollständig zum Erliegen. Entfällt dadurch die Ausbildungseignung des Betriebes, ist eine Kündigung der Auszubildenden möglich, ohne dass ein Schadensersatzanspruch entsteht. Die Ausbilder sind aber dazu verpflichtet, sich mit der zuständigen Agentur für Arbeit rechtzeitig um einen anderen Ausbildungsbetrieb für den Auszubildenden zu bemühen.

Darf ich wegen des Coronavirus Kurzarbeit für Azubis anordnen?

Auszubildenden gegenüber kann in der Regel keine Kurzarbeit angeordnet werden. Der Ausbildungsbetrieb ist dazu verpflichtet, alle Mittel auszuschöpfen, um die Ausbildung weiter zu gewährleisten. Dennoch kann auch die Ausbildung von den Auswirkungen der Kurzarbeit betroffen sein. Weitere Infos finden Sie hier.

 

Kann für Ausbilderinnen und Ausbilder Kurzarbeit angeordnet werden?

Auch bei Ausbildern sollte Kurzarbeit nur in Ausnahmefällen angeordnet werden, da der Betrieb gewährleisten muss, dass der Ausbilder seiner Ausbildungspflicht gegenüber dem Auszubildenden nachkommt. Werden die Auszubildenden mangelhaft oder gar nicht ausgebildet, kann ein Schadensersatzanspruch gegenüber dem Ausbildungsbetrieb entstehen.

Welche finanzielle Unterstützung können Ausbildungsbetriebe bekommen?

Das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg hat die bestehenden Fördermöglichkeiten für Ausbildungsbetriebe ausgeweitet. Dazu zählt auch das Programm "Azubi im Verbund – Ausbildung teilen". Ausbildungsbetriebe, die allein eine vollständige Ausbildung nicht durchführen können und deshalb einen Ausbildungsverbund bilden, können durch Gewährung einer Prämie gefördert werden.

Vor dem Hintergrund der Auswirkungen durch das Corona-Virus werden zudem die Bedingungen für kurzarbeitende Betriebe erleichtert: Statt der sonst geforderten 20 Wochen im Partnerbetrieb kann eine Förderung erfolgen, wenn der Auszubildende während der Kurzarbeits-Phase mindestens vier Wochen seiner Ausbildung in einem Partnerbetrieb absolviert. Der Betrieb erhält dann eine einmalige Zuwendung in Höhe von 1.000 Euro.

Die Webseite des Ministeriums enthält weitere Informationen.

Ausbildung

Wenn es um die Ausbildung des Nachwuchses geht, gibt es viele Dinge zu beachten. Die IHK Reutlingen betreut die Ausbildungsbetriebe in der Region Neckar-Alb, unterstützt sie und beantwortet die Fragen rund um die Ausbildung.

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Für Ausbildungsbetriebe

Unternehmen, die in einem der gesetzlich definierten Berufe ausbilden wollen, müssen dazu fachlich qualifiziert sein und verantwortliche Ausbilderinnen oder Ausbilder benennen. Die IHK Reutlingen unterstützt Firmen auf dem Weg zum Ausbildungsbetrieb. Weitere Informationen für Ausbildungsbetriebe.

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Für Azubis

Die IHK Reutlingen betreut Auszubildende auch während ihrer Lehrzeit, wenn es Fragen rund um die Ausbildung gibt - von A wie Abkürzung der Ausbildungszeit über E wie Ergebnisse und P wie Prüfungstermine oder Z wie Zusatzqualifikationen. Mehr.

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Für Lehrstellensucher

Die Unternehmen haben hohes Interesse an qualifiziertem Nachwuchs. Die IHK-Mitgliedsunternehmen in der Region Neckar-Alb bilden in mehr als 100 Ausbildungsberufen aus. Die Ausbildung in über 2.000 Ausbildungsbetrieben in der Region bietet jungen Menschen gute berufliche und damit Lebensperspektiven. Mehr.

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Ausbildungsmarketing

Bewerbungen flattern nicht mehr einfach so ins Haus. Die IHK Reutlingen bietet Unternehmen neue Wege bei der Suche nach passenden Bewerbern. Mehr.

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Beratungsstelle Inklusion

Der Ausbildungsmarkt ist in Bewegung. Das veränderte Berufswahlverhalten vieler Jugendlicher und die demographische Entwicklung machen die Suche nach geeigneten Bewerbern für viele Betriebe immer schwieriger. Die Ausbildung und Beschäftigung von Menschen mit Behinderung kann für kleine und mittlere Unternehmen ein Weg sein, neue Personalressourcen erschließen. Mehr.