Blumenläden in der Region

Nicht auf Rosen gebettet

Im Sommer haben Blumengeschäfte Hochkonjunktur – sollte man zumindest meinen. Wie geht es der Branche in Zeiten von Corona und Ukraine-Krieg? WNA sprach mit drei regionalen Floristikbetrieben.

Blumenläden2020 gab es rund 11.500 Blumengeschäfte in Deutschland. 2002 waren es noch gut 19.500. Foto: New Africa/shutterstock.com

Jedes Wochenende ein bunter Strauß fürs Wohnzimmer: Das war einmal. Für viele Menschen sind Schnittblumen in den vergangenen Jahren zu einem Luxusartikel geworden, den man sich nur noch selten gönnt. Werden heute Blumensträuße gekauft, dann meistens nicht mehr, um sie sich in die eigene Wohnung zu stellen, sondern vor allem als Geschenk für andere zu besonderen Ankässen. Diese Erfahrung macht zumindest Cornelia Krämer, Besitzerin des Blumengeschäfts Happy Flower in Albstadt. „Mittlerweile konzentriert sich das Geschäft auf wenige Höhepunkte im Jahr“, berichtet sie. „Das sind besonders der Muttertag, die Adventszeit und der Valentinstag.“ Zuletzt habe sich die Situation durch Corona, Inflation und Ukraine-Krieg zusätzlich verschärft.

IHK Reutlingen, Tübingen und ZollernalbFoto: PR

„Floristin zu werden, ist für viele Jugendliche unattraktiv geworden.“

Cornelia Krämer, Besitzerin Happy Flower, Albstadt

Keine goldene Nase
„Im Vergleich zu den Vorjahren ist die Nachfrage derzeit etwas geringer, dennoch ist die Lage zum Glück nicht dramatisch“, sagt Cornelia Krämer. Große Schwierigkeit habe sie vor allem dabei, geeignetes Personal für ihr Geschäft zu finden. „Floristin oder Florist zu werden, ist für viele Jugendlichen unattraktiv geworden. Einerseits verdient man sich in diesem Beruf keine goldene Nase. Andererseits sind die Arbeitszeiten früh morgens oder am Wochenende für viele junge Menschen ein Ausschlusskriterium.“ Besonders ärgerlich sei, dass die Mathilde-Weber-Schule in Tübingen aufgrund zu geringer Schülerzahlen keine eigene Floristenklasse mehr habe. Da ansonsten keine andere Berufsschule in der Region eine solche Klasse anbietet, müssen Auszubildende aus Neckar-Alb für ihre Berufsschul-tage nun nach Stuttgart oder Göppingen fahren. „In diesem Jahr hatten wir allerdings acht Bewerber auf einen Ausbildungsplatz, zweien haben wir zugesagt. So viele Anwärter hatten wir schon seit Jahren nicht mehr.“ Die Zukunft der Branche sieht Cornelia Krämer dennoch nicht rosig. „Schon vor 20 Jahren wurde mir gesagt, dass kleine Blumengeschäfte aussterben werden. Die aktuellen Herausforderungen machen es mir leider schwer, dem zu widersprechen.“ Und tatsächlich sinkt die Zahl der Blumengeschäfte seit Jahren rapide: Gab es 2002 in Deutschland noch gut 19.500 Unternehmen im Einzelhandel mit Pflanzen, Blumen, Saatgut und Düngemitteln, waren es 2020 nur noch 11.500.

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„Seit Beginn der Corona-Krise musste ich zwei Beschäftigte entlassen.“

Kirsten Berenz, Inhaberin Florales, Reutlingen

Supermärkte im Vorteil
Dass die Zeiten schwieriger geworden sind, merkt auch Kirsten Berenz. Sie betreibt in Reutlingen seit 1995 das Blumenfachgeschäft Florales. „Obwohl ich von Haus aus Optimistin bin, muss ich leider sagen, dass ich auf Dauer schwarz für unsere Branche sehe“, resümiert sie. „Für viele Menschen tut es mittlerweile auch ein einfacher Strauß aus dem Supermarkt.“ Diese hatten während der Corona-Lockdowns durchgängig geöffnet, während Blumengeschäfte lange Zeit schließen mussten. „Supermärkte hatten in dieser Zeit einen enormen Wettbewerbsvorteil. Während wir nicht öffnen durften, konnten die Supermärkte diese Lücke füllen und ihre Verkaufsmengen erhöhen. Seitdem haben sich diese nicht wieder verringert.“ Ihr Geschäft habe während der vergangenen beiden Corona-Jahren Umsatzeinbußen von um die 20 Prozent verkraften müssen, berichtet Kirsten Berenz. Durch die Ukraine-Krise sei dieser Wert nun sogar auf 35 Prozent angestiegen. Durch die stockende Nachfrage musste Florales seine Öffnungszeiten drastisch kürzen. „Mittlerweile haben wir anstatt acht Stunden nur noch vier Stunden am Tag geöffnet. Zudem musste ich seit Beginn der Corona-Krise zwei Beschäftigte entlassen“, sagt Kirsten Berenz. Derzeit arbeiteten nur noch sie und zwei Teilzeitkräfte im Betrieb. Trotz der schwierigen Situation will sie nicht aufgeben – und kann auch verstehen, dass die Branche keine zusätzliche Unterstützung von der Politik erhält: „Derzeit geht es Vielen schlecht und jeder hebt die Hand. Es ist aber ganz einfach nicht möglich, jedem zu helfen.“  Ihr Beruf macht Kirsten Berenz auch weiterhin Spaß. „Es bereitet mir viel Freude, kreativ zu arbeiten und viel mit der Natur zu tun zu haben. Der Job der Floristin ist nach wie vor meine absolute Passion.“

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„Was gibt es Besseres, als ständig von schönen Dingen umgeben zu sein?“

Anke Büchsenstein-Stephan, Inhaberin Gärtneri & Floristik Stephan, Tübingen

Schwierige Nachwuchssuche
Bei Gärtnerei & Floristik Stephan in Tübingen kümmert man sich indes nicht nur um Schnittblumen, sondern auch um alle anderen Produkte rund ums Thema Garten. Anke Büchsenstein-Stephan ist seit 2015 Mitbesitzerin des Betriebs in der Weststadt. Auch hier haben die vergangenen Jahre ihre Spuren hinterlassen. „Natürlich spüren wir Corona und die Inflation infolge des Krieges. Dadurch, dass wir aber auch eine Gärtnerei sind, hat uns gerade Corona vermutlich nicht ganz so hart getroffen wie Betriebe, die sich allein auf den Blumenverkauf spezialisiert haben“, erzählt Anke Büchsenstein-Stephan. „Während der Lockdowns hatten die Menschen mehr Zeit und haben viel im heimischen Garten gearbeitet. Das hat einiges abgefedert.“ Dennoch leide auch die Gärtnerei Stephan unter den jüngsten Krisen – und unter der schwierigen Suche nach geeignetem Nachwuchs. „Die Bewerbungen potenzieller Auszubildenden sind rückläufig“, sagt Anke Büchsenstein-Stephan. Das geringe Gehalt während der Ausbildung und die Arbeitszeiten seien dafür mitverantwortlich. Dennoch bildet die Gärtnerei Stephan aktuell zwei Gärtner und zwei Floristen aus. „Auch wenn die Berufsschultage in Göppingen für Azubi und Betrieb einen größeren Aufwand bedeuten, lohnt es sich. Immerhin haben wir doch den tollsten Beruf. Was gibt es Besseres, als ständig von schönen Dingen umgeben zu sein?“ /

(Dieser Artikel erschien in der WNA-Ausgabe 6/2022.)