IHK: Export bleibt Treiber der Konjunktur, Gastgewerbe im Kommen

Es geht bergauf

Die wirtschaftliche Lage in der Region hat sich merklich erholt. Das zeigt die neue IHK-Konjunkturumfrage. Vor allem die aktuellen Geschäfte werden deutlich besser beurteilt als zuletzt.

Es geht bergaufFoto: molchanovdmitry - istockphoto.com

„Es geht bergauf“, kommentiert IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Wolfgang Epp die jüngste Firmenumfrage der IHK in den drei Landkreisen der Region. 57 Prozent der Unternehmen betrachten derzeit ihre Lage als „gut“. Vor vier Monaten waren es noch 41 Prozent gewesen. Bei den Aussichten für die kommenden zwölf Monate nimmt der Anteil der Pessimisten ebenfalls deutlich ab: Aktuell sehen nur noch acht Prozent schlechtere Geschäfte kommen. Vor vier Monaten waren es noch 17 Prozent. Der IHK-Konjunkturklimaindex, der Lage und Erwartungen zusammen abbildet, steigt auf 140 Punkte und erreicht damit das Niveau aus dem Herbst 2018. „Der Aufwärtstrend geht über alle Branchen. Die Geschwindigkeit ist so rasant, dass wir aufpassen müssen, nicht in eine Überhitzung der Märkte zu kommen“, so Epp.

Mehr internationale Denke
Starker Antrieb der regionalen Wirtschaft bleibt traditionell der Export. 40 Prozent erwarten noch einmal anziehendes Auslandsgeschäft. Die Zahl der Betriebe, die weniger Außenhandel erwarten, sinkt von 17 auf zehn Prozent. Den Boom im Export zeigen auch die aktuellen Daten des Statistischen Landesamtes. Demnach erreicht der regionale Außenhandel bis Ende August ein Volumen von 7,1 Milliarden Euro, so viel wie noch nie. Die Exportquote erreicht 56 Prozent – gegenüber 53 Prozent im ganzen Jahr 2020. „Unsere Region ist vom Export abhängig. Ohne ihn wären die Unternehmen von hier in der Breite nicht so gut durch die Krise gekommen“, sagt der IHK-Hauptgeschäftsführer und kritisiert, dass im Bundestagswahlkampf kaum über die Bedeutung der weltweiten Vernetzung und des globalen Handels gesprochen wurde. „Wir müssen endlich internationaler denken. Wir sind ein Player auf der Welt und müssen uns gemeinsam mit den europäischen Partnern im Wettbewerb mit China oder den USA positionieren.“

Wandel funktioniert nur über Innovationen
Zur wirtschaftlichen Gesamterholung gehört derzeit auch, dass die Investitionsbereitschaft der Betriebe anzieht. 34 Prozent wollen mehr aufwenden als zuletzt. Neben den üblichen Ersatzinvestitionen, die 60 Prozent tätigen wollen, stehen Investitionen in Digitalisierung (58 Prozent) und in Umweltschutz und Energieeffizienz (38 Prozent) ganz oben auf der Agenda. „Die Unternehmen treiben den technologischen und ökologischen Wandel voran – und das geht nur über Innovationen. Betriebe investieren dort, wo sie es für lohnend halten. Daran sollte sich die Politik ein Beispiel nehmen und den technologischen Wandel nicht politisch und ideologisch verengen“, so Wolfgang Epp.

Wirtschaftliche Risiken erwarten die heimischen Unternehmen vor allem bei den Rohstoff- (52 Prozent) und den Energiepreisen (38 Prozent). Sie dominieren neben der Verfügbarkeit von Fachkräften (59 Prozent). Noch vor zwölf Monaten war die Pandemie das zentrale Thema gewesen. Sie liegt bei den Risiken nur noch auf Rang vier (37 Prozent), knapp vor den Arbeitskosten (36 Prozent).

Gastgewerbe mit besseren Aussichten
Beim Blick in die Branchen zeigt sich die weiterhin sehr gute Lage in Industrie, Großhandel und Baugewerbe. Alle drei können von sehr ordentlichem Niveau kommend noch einmal zulegen. Vor allem die aktuelle Situation wird sehr gut beurteilt. Erfreulich: Das noch im Frühjahr am Boden liegende Gastgewerbe beurteilt seine Lage wieder besser – immerhin ein Viertel der Betriebe sagt dies. Im April hatten noch 96 Prozent die Lage als „schlecht“ bezeichnet. Dieser Wert sinkt jetzt immerhin auf 40 Prozent. Auch die Aussichten verbessern sich: 58 Prozent erhoffen bessere Geschäfte. „Alles hängt davon ab, ob das Gastgewerbe offen bleibt und ohne neuerliche Einschränkungen durch die kommenden Wochen kommt“, sagt Epp. Im Einzelhandel ist die aktuelle Lage besser – 62 Prozent sind zufrieden – dafür sind die Aussichten trotz Weihnachtsgeschäfts trüber: Nur jedes fünfte Unternehmen schaut optimistisch nach vorne. Im April waren es noch 34 Prozent gewesen.

Hintergrund
An der Konjunkturumfrage der IHK Reutlingen hat sich eine repräsentative Auswahl von 397 Unternehmen aus den Bereichen Industrie und Bau (186), Groß- und Einzelhandel (94) sowie dem Dienstleistungssektor (117), darunter Hotel- und Gaststättengewerbe, beteiligt. Die Umfrage lief vom 6. bis zum 29. September 2021. Der Bericht steht unter www.ihkrt.de/konjunktur zum Download zur Verfügung.

Antonia Hettinger

Antonia Hettinger

Standortpolitik
IHK-Zentrale
Position: Projektmanagerin Regionale Wirtschaftspolitik, Volkswirtschaft und Fachkräftesicherung
Schwerpunkte: Volkswirtschaft und regionale Wirtschaftspolitik, Gesundheitswirtschaft, Netzwerke Bau- und Immobilienwirtschaft, Projektmanagement, Young Professionals und Bauleitplanung
Telefon: 07121 201-256
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