Planungsbeschleunigung nicht nur für Autobahnen

„Bund darf uns nicht vergessen“

„Die Ampel will die Planungsverfahren für den Verkehr beschleunigen, vergisst aber die Bundesstraßen“, kritisiert IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Wolfgang Epp.

„Bund darf uns nicht vergessen“Foto: disq - Fotolia.com

Die Bundesregierung hat unlängst eine Planungsbeschleunigung für den Bau und Ausbau von Autobahnprojekten angekündigt. Nach dem Vorbild der LNG-Terminals in Norddeutschland sollen künftig auch Autobahnbauten schneller durchgeplant und genehmigt werden. „Seit Jahren fordert die Wirtschaft, dass Infrastrukturprojekte deutlich beschleunigt werden müssen. Warum man jetzt nur auf die Autobahnen schaut, ist völlig unverständlich. Es darf nicht mit zweierlei Maß gemessen werden. Der Ausbau einer B 27 oder der Ortsumfahrungen von Lautlingen oder Reutlingen ist nicht weniger wichtig“, sagt Wolfgang Epp.

Gerade in weniger verdichteten Regionen spielen aus seiner Sicht Bundesstraßen eine sehr große Rolle bei der verkehrstechnischen Erschließung. So geht die Verkehrsprognose für den hoch belasteten Abschnitt Nehren-Bodelshausen an der B 27 von fast 40.000 Fahrzeugen am Tag aus, rund um das Tübinger Kreuz von B 27 und B 28 und dem Schindhaubasistunnel gehen die Prognosen von 35. bis 50.000 Fahrzeugen aus und in Lautlingen von 25.000 Fahrzeugen (siehe Hintergrund). Die Räume jenseits der Autobahnen „dürfen von der Bundespolitik nicht vergessen werden. Es sind die innovativen Unternehmen und Hidden Champions von hier, die für Fortschritt und Wertschöpfung sorgen. Sie benötigen aber auch die passenden Rahmenbedingungen“, so Epp.

In der Region Neckar-Alb gehören der Ausbau der B 27 zwischen Nehren und Bodelshausen, der Schindhautunnel in Tübingen, die Ortsumfahrungen von Albstadt-Lautlingen und Reutlingen sowie der Albaufstieg bei Lichtenstein mit zum sogenannten „Vordringlichen Bedarf“ des Bundesverkehrswegeplans. „Planungsbeschleunigung tut bei all diesen Projekten wirklich Not. In unserer Region hat sich der über Jahrzehnte gebildete Stau von Ausbaumaßnahmen zum echten Standortnachteil entwickelt. Ein Befreiungsschlag wäre enorm wichtig.“

Hintergrund: Ausgewählte Verkehrsprojekte aus der Region Neckar-Alb, die sich im „Vordinglichen Bedarf“ des Bundesverkehrswegeplans befinden (Daten vom Regierungspräsidium Tübingen)

B 27 zweibahniger Ausbau zwischen Bodelshausen und Nehren
Gesamtlänge:
6,9 km
Verkehrsprognose für 2035: 39.200 Kfz/Tag (2035), Werktagverkehr von Mo-Fr
Die Maßnahme befindet sich im Planfeststellungsverfahren.

B 27 Tübingen (Bläsibad) – B 28 Langer Schindhaubasistunnel
Gesamtlänge 3,50 km, davon Tunnel: 2,30 km
Verkehrsprognose für das Jahr 2030:

  •  B 27, AS Bläsibad: ca. 51.500 Kfz/24h
  • Schindhaubasistunnel: ca. 35.500 Kfz/24h
  • B 27, Tübinger Kreuz: ca. 54.360 Kfz/24h

Die Maßnahme befindet sich in der Genehmigungsplanung.

B 312 Verlegung bei Lichtenstein (Albaufstieg)
Gesamtlänge zwischen 5,7 km und 10,5 km je nach Variante
Verkehrsaufkommen 2015 

  • rd. 23.800 Kfz/24 h, rd. 1.200 SV/24 h zwischen Pfullingen und Unterhausen
  • rd. 21.200 Kfz/24 h, rd. 1.300 SV/24 h Ortsdurchfahrt Unterhausen (vor dem Abzweig der L 387 in Unterhausen)

Die Maßnahme befindet sich in der Vorplanung (Linienfindung).

B 463 Ortsumgehung Lautlingen
Gesamtlänge Ortsumgehung ca. 4,4 km
Verkehrsaufkommen

  • Bis zu rd. 24.000 Kfz/24h in der Ortsdurchfahrt von Lautlingen (Stand 2015)
  • Prognose-Nullfall (2030) ohne Ortsumgehung Lautlingen: bis zu rd. 24.900 Kfz/24h auf der Ortsdurchfahrt
  • Planfall (2030) mit südlicher Umfahrung Lautlingen: rd. 19.500 Kfz/24h auf der Ortsumgehung

Die Maßnahme befindet sich im Planfeststellungsverfahren.

B 464 Ortsumgehung Reutlingen
Gesamtlänge 2,50 km
Verkehrsprognose für das Jahr 2030  rd. 22.000 Kfz/Tag
Die Maßnahme befindet sich in der Vorplanung.

Dr. Wolfgang Epp

Dr. Wolfgang Epp

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