EU-Fördermittel

IHK Reutlingen, Tübingen und ZollernalbFoto: Eyetronic - Fotolia.com

Die Europäische Union stellt Unternehmen Fördermittel in Form von Zuschüssen, Darlehen oder Bürgschaften zur Verfügung. Die Förderhilfen werden entweder direkt oder über national verwaltete Programme gewährt. Vorrangiges Ziel der wichtigsten EU-Finanzierungsprogramme ist es, Wachstum zu fördern und Arbeitsplätze in Europa zu schaffen – kleine und mittlere Unternehmen (KMU) übernehmen dabei eine Hauptrolle.

Förderdatenbank

Die Förderdatenbank des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie gibt einen umfassenden Überblick über die Förderprogramme der EU, des Bundes und der Länder. Das Fördergeschehen wird unabhängig von der Förderebene oder dem Fördergeber nach einheitlichen Kriterien und in einer konsistenten Darstellung zusammengefasst. Dabei werden auch die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Programmen aufgezeigt, die für eine effiziente Nutzung der staatlichen Förderung von Bedeutung sind.

Die Datenbank richtet sich, als zentrale Informationsquelle, sowohl an Existenzgründer als auch an Unternehmen und Berater, dabei ist es unwichtig, ob der Nutzer Vorkenntnisse hat. Für EU-Fördermittel muss in der Suchmaske das entprechende Häkchen gesetzt werden. Zur Förderdatenbank:

MobiliseSME

Die Europäische Union hat ein Programm zur Förderung der grenzüberschreitenden Mobilität von Mitarbeitern in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) aufgelegt. Mit dem Programm MobiliseSME sollen Unternehmen unterstützt werden, die Arbeitnehmer in andere Unternehmen ins Ausland entsenden, um Kompetenzen auszutauschen.

Was ist MobiliseSME?
Das Ziel von MobiliseSME ist es, die Internationalisierung von in der EU ansässigen KMU zu fördern, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und auf EU-Ebene eine gemeinsame Methodik für ein Mobilitätsprogramm für Mitarbeiter von KMU zu errichten.

Das Programm bietet KMU praktische und finanzielle Unterstützung durch die Organisation und Förderung von Kurzaufenthalten (1 bis 6 Monate) bei KMU in anderen EU-Ländern. Diese Entsendungen werden von der Europäischen Kommission mit monatlichen Zuschüssen zwischen 560 EUR und 1 100 EUR je nach Lebenshaltungskosten in den einzelnen Ländern kofinanziert. Diese Zuschüsse decken Eingliederungs-, Unterbringungs-, Reise- und Schulungskosten ab.

Das Programm bietet zudem auch maßgeschneiderte Schulungen zur Internationalisierung von Produkten. Die teilnehmenden KMU können die umfangreichen Netze nutzen, zu denen lokale Kontaktstellen gehören, und so ihre Sichtbarkeit auf EU-Ebene erhöhen. Darüber hinaus bietet das Programm Instrumente und Informationen, die KMU dabei unterstützen, Geschäftspartner in der EU zu finden, ihre Geschäftstätigkeit, Produkte und Dienstleistungen auszuweiten sowie ihr Wissen, ihre Fähigkeiten und ihre Kompetenzen zu verbessern.

Wie können KMU teilnehmen?
Zunächst ist zu prüfen, ob Ihr Unternehmen teilnahmeberechtigt ist. Registrieren Sie sich dann auf der Matchmaking-Plattform, um mithilfe der lokalen Kontaktstellen ein passendes Gastunternehmen zu finden. Eine Registrierung ist bis Mitte 2022 online möglich.

Horizont Europa: Das neue EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation

Das neue EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation heißt “Horizont Europa” beziehungsweise auf englisch “Horizon Europe”. Es folgt auf das auslaufende Programm “Horizont 2020” und wird eines der größten Förderprogramme für Forschungund Innovation weltweit sein. Das Programm hat eine Laufzeit von 2021 bis einschließlich 2027 und ein Fördervolumen von nahezu 100 Milliarden Euro.

Das deutsche Portal für das neue Programm finden Sie hier.

Die Förderinhalte orientieren sich an wichtigen gesellschaftlichen Themen wie Gesundheit, Umwelt und Mobilität.

Das Programm besteht im Wesentlichen aus drei Pfeilern:

  • Wissenschaftsexzellenz
  • Globale Herausforderungen und industrielle Wettbewerbsfähigkeit Europas
  • Innovatives Europa

Ergänzt werden diese durch den Bereich “Erhöhung der Beteiligung und Stärkung des Europäischen Forschungsraums”.

Wissenschaftsexzellenz

In diesem Pfeiler finden sich Förderprogramm und Instrumente zur (Individual-)Förderung von Forschern sowie zur Förderung von Forschungsinfrastrukturen.

Globale Herausforderungen und industrielle Wettbewerbsfähigkeit Europas

Dieser Pfeiler umfasst sechs Themenbereiche, die sogenannten Cluster:

  1. Gesundheit
  2. Kultur, Kreativität und eine inklusive Gesellschaft
  3. Zivile Sicherheit für die Gesellschaft
  4. Digitalisierung, Industrie und Weltraum
  5. Klima, Energie und Mobilität
  6. Lebensmittel, Bioökonomie, natürliche Ressourcen, Landwirtschaft und Umwelt

Innovatives Europa

In diesem Pfeiler sind Instrumente mit dem Schwerpunkt Innovation und Marktaufnahme verortet. Er dient unter anderem der Förderung von innovativen Projekten kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU).

Teilnahmebedingungen

Beteiligen können sich in der Regel natürliche sowie juristische Personen in den EU-Mitgliedstaaten sowie in assoziierten Ländern oder auch Drittländern.

Grundsätzlich müssen mindestens drei voneinander unabhängige Einrichtungen aus jeweils drei unterschiedlichen EU-Mitgliedstaaten oder assoziierten Staaten an einem Förderprojekt beteiligt sein. Häufig liegt die Anzahl der Projektteilnehmer jedoch über dieser Mindestanforderung.

Information und Beratung

In Deutschland steht das Netzwerk der Nationalen Kontaktstellen (NKS) sowie EU-Referentinnen und -Referenten (zum Beispiel bei den Hochschulen) sowie weitere Beratungsstellen für Information und Beratung zu “Horizont Europa” zur Verfügung.

Bund unterstützt Antragsteller:
Vorbereitung von EU-Forschungs- und Innovationsprojekten

Das EU-Rahmenprogramm „Horizont Europa“ fördert Forschung und Innovation in zahlreichen Themenbereichen. Bis 2027 werden von der EU rund 95,5 Milliarden Euro für dieses Förderprogramm bereitgestellt. Gerade mit den Themen des zweiten Pfeilers von Horizont Europa, die große gesellschaftliche Herausforderungen adressieren, wie z.B. Klima, Energie und Mobilität, Digitalisierung, Gesundheit oder inklusive Gesellschaft, haben sich die EU-Mitgliedstaaten gemeinsam ambitionierte Ziele gesetzt.

Mit einer neuen Förderrichtlinie unterstützt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) Antragstellerinnen und Antragsteller bei der Vorbereitung von europäischen Forschungs- und Innovationsprojekten im Rahme von Horizont Europa. Gefördert wird die Phase der Konsortialbildung und Antragstellung, damit wichtige EU-Verbundprojekten angestoßen werden können. Mit dieser Maßnahme will das BMBF themenspezifische europäische Netzwerke stärken und Grundlagen für eine erfolgreiche Beantragung und Durchführung europäischer Projekte legen.

Die Anschubfinanzierung richtet sich u.a. auch an kleine und mittleren Unternehmen (KMU), die eine Koordination von Verbundvorhaben in den thematischen Clustern von Horizont Europa anstreben. Die Vorbereitungsphase wird vom BMBF mit bis zu 50.000 Euro über maximal ein Jahr finanziert. Ziel ist es, dass am Ende dieser Phase ein Antrag bei der Europäischen Kommission eingereicht wird.

Weitere Informationen gibt es auf der Website des BMBF.

EU-Fördermöglichkeiten für hochinnovative Projekte

Im Rahmen des "European Innovation Council" stellt die Europäische Kommission Fördermittel für innovative Projekte zur Verfügung. Auch kleine und mittlere Unternehmen können sich mit ihren disruptiven, zukunftsweisenden Projekten um Förderhilfen bewerben.

Der “Europäische Innovationsrat” (European Innovation Council – EIC) ist Teil des neuen mehrjährigen EU-Rahmenprogramms für Forschung und Innovation “Horizont Europa”. Er dient der Innovationsförderung in der EU. Dazu stehen folgende Förderinstrumente zur Verfügung: EIC Accelerator, EIC PathfinderEIC Transitions sowie EIC-Preise.

EIC Accelerator
Der EIC Accelerator richtet sich dezidiert an kleine und mittlere Unternehmen, die disruptive, hochrisikoreiche Innovationen mit großem Marktpotenzial entwickeln. Angesprochen sind in erster Linie Unternehmen, die über ein hohes Wachstumspotenzial verfügen und europäisch beziehungsweise international agieren.

EIC Pathfinder
Mit dem EIC Pathfinder sollen radikal neue Technologien identifiziert werden, die das Potenzial haben, sich international durchzusetzen und neue Märkte zu schaffen. Dazu werden exzellenzorientierte, visionäre und risikoreiche Projekte in einem frühen Entwicklungsstadium gefördert. Der EIC Pathfinder ist interdisziplinär und unterstützt Technologien, die in der Zusammenführung verschiedener Forschungs- und Entwicklungsbereiche - mit unterschiedlichen Perspektiven und Methoden - entstehen.
Das Programm richtet sich an Hochschulen und Forschungseinrichtungen sowie an innovative Unternehmen. Konsortien aus mindestens drei verschiedenen unabhängigen Partnern (z.B. Forschungseinrichtungen, Universitäten, kleine und mittlere Unternehmen, Industrie) mit Sitz in mindestens drei verschiedenen förderfähigen Ländern können sich bewerben.

EIC Transitions
Mit EIC Transitions sollen vielversprechende Ergebnisse aus dem EIC Pathfinder und dem European Research Council (ERC) Proof of Concept weiterentwickelt werden. Die EIC Transitions zielen darauf ab, sowohl die Technologie als auch die Geschäftsidee reifen zu lassen. Gefördert werden Projekte von kleinen und mittleren Unternehmen, Start-ups, Forschungseinrichtungen und Hochschulen.

EIC-Preise
Die EIC-Preise sollen dazu beitragen, neuartige, wegweisende Lösungen für globale Herausforderungen zu entwickeln, neue Akteure einzubinden und neue "Communities" aufzubauen. Der Fokus liegt auf der Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen durch zukunftsweisende technologische Innovationen.

Die EU-Kommission stellt auf ihrer Homepage eine FAQ-Liste zu den Förderinstrumenten zur Verfügung. 

EU-Förderprogramm zum Schutz geistiger Eigentumsrechte

Das EU-Förderprogramm „Ideas Powered for Business SME Fund“  zielt darauf ab, kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in Europa bei der Sicherung ihrer geistigen Eigentumsrechte finanziell zu unterstützen. Es wird vom Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum verwaltet.

Die für das Jahr 2021 mit 20 Millionen Euro dotierte Maßnahme stellt finanzielle Unterstützung und Gutscheine zur Identifikation und Anmeldung geistiger Eigentumsrechte zur Verfügung.

Gefördert werden:

  • die Kosten für ein Erst-IP-Audit in Form einer etwa zweistündigen Orientierungsberatung zur Wertschöpfung und Risikovermeidung im Umgang mit geistigem Eigentum in Unternehmen (75%-Zuschuss);

  • die Anmeldekosten für nationale Marken und eingetragene Designs sowie EU-Marken und -Designs (50%-Zuschuss).

Jedes KMU mit Sitz in der EU kann eine Finanzilfe von maximal 1.500 Euro in Form einer Gebührenerstattung beantragen. Voraussetzung ist, dass es unter die die offizielle EU-Definition eines KMU, nachzulesen auf der Website der Europäischen Kommission, fällt.

Die Finanzhilfe kann nur während eines offenen Zeitfensters mithilfe des elektronischen Antragsformulars (eForm) beantragt werden. Außerhalb dieser Zeitfenster gestellte Anträge werden nicht berücksichtigt.

Weitere Unterstützungsmaßnahmen und Informationen, beispielsweise über eine sogenannte Pro-Bono-Förderung und zu EUIPO-Diensten für eine wirksame Streitbeilegung (EDR) gibt es auf der Website des Amts der EU für geistiges Eigentum.

EU Förderprogramm LIFE für Umwelt & Klimaschutz

Die Europäische Union stellt im Rahmen des Programms LIFE Fördermittel für Umwelt-, Natur- und Klimaschutzprojekte zur Verfügung. Die bisherige LIFE-Programmperiode endete im Dezember 2020. Aufgrund der erst im Dezember 2020 abgeschlossenen Budget-Verhandlungen auf EU-Ebene wurde bislang keine LIFE-Verordnung für die Jahre 2021-2027 verabschiedet.

Es ist davon auszugehen, dass das LIFE-Programm ohne wesentliche inhaltliche Änderungen fortgesetzt wird. Allerdings wird das LIFE-Programm künftig um das Teilprogramm „Clean energy transition“ ergänzt, welches bislang zum EU-Forschungs- und Innovationsprogramm „Horizon 2020“ gehörte.

Das LIFE-Programm 2021-2027 wird sich in folgende Teilprogramme gliedern:

  • „Naturschutz und Biodiversität“
  • „Kreislaufwirtschaft und Lebensqualität“
  • „Klimaschutz und Klimaanpassung“
  • „Energiewende“

Die maßnahmenbezogenen Zuschüsse werden für folgende Arten von Projekten gewährt:

  • Pilotvorhaben
  • Demonstrationsvorhaben
  • integrierte Projekte
  • Best-Practice-Projekte
  • Projekte der technischen Hilfe
  • Projekte zum Kapazitätsaufbau
  • vorbereitende Maßnahmen
  • Informations-, Sensibilisierungs- und Verbreitungsprojekte

Die Förderung erfolgt durch Zuschüsse oder in Form der Vergabe öffentlicher Aufträge. Die Höhe der Förderung ist von der Art der Maßnahme abhängig.

Die zentrale Beratungsstelle in Deutschland ist die Zukunft – Umwelt – Gesellschaft (ZUG) gGmbH, die im Auftrag des Bundesumweltministeriums handelt.

Austausch zwischen Jungunternehmern und erfahrenen Unternehmern mit "Erasmus for Young Entrepreneurs"

Das Förderinstrument „Erasmus for Young Entrepreneurs“ bietet Existenzgründern und Start-ups die Chance, bis zu einem halben Jahr bei einem kleinen oder mittelständischen Unternehmen im EU-Ausland zu hospitieren. Dabei sollten die Jungunternehmer nicht länger als drei Jahre am Markt sein. Existenzgründer oder Jungunternehmer können dabei von dem erfahrenen Unternehmer die benötigten Fähigkeiten als Unternehmer erlernen.

Der gastgebende Unternehmer wiederum profitiert von neuen Ideen und Visionen des Jungunternehmers aus einem anderen EU-Staat. Der gastgebende Unternehmer sollte mindestens drei Jahre Erfahrung in der Führung eines Unternehmens haben.

Der Jungunternehmer wird für die Hospitation mit einem monatlichen Betrag von der EU unterstützt. Durch die Hospitation bekommen sowohl Jungunternehmer als auch gastgebende Unternehmer einen direkten Zugang zu ausländischen Märkten, in denen sie dann neue Kontakte knüpfen und Kooperationen anbahnen können.

Der Austausch dauert zwischen einem und sechs Monaten und kann aufgeteilt werden in mindestens einwöchige Aufenthalte innerhalb eines Jahres.

Mehr zum Förderinstrument bei bw-i:

Katrin Glaser

Katrin Glaser

Hauptgeschäftsführung, International
IHK-Zentrale
Position: Enterprise Europe Network / Europäische Länder und Märkte
Schwerpunkte: EU-Informationen, Enterprise Europe Network, Fördermittel EU, Länder und Märkte, Geschäftspartnersuche, Dienstleistungen im Ausland
Telefon: 07121 201-152
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