Neckar-Alb ist die Heimat zahlreicher Automobilzulieferer. Schlagworte wie Digitalisierung, Automatisierung und Elektrifizierung stellen neue Herausforderungen an diesen Industriezweig. Zwei Unternehmen verraten, wie sie dem Wandel begegnen.
Blick in die Produktion der EBZ Ammerbuch GmbH.
Foto: Standortagentur Tübingen - Reutlingen - Zollernalb GmbH„Um im Wettbewerb bestehen zu können, ist es notwendig, sich ständig anzupassen“, sagt Dietmar Fahrner, Geschäftsführer der EBZ Ammerbuch GmbH. „Wir müssen Produktionsprozesse neu denken, die dafür erforderlichen Kompetenzen im Unternehmen aufbauen und unsere Beschäftigten entsprechend qualifizieren.“ Die EBZ Ammerbuch, ein Teil der EBZ-Gruppe, ist in den Bereichen Engineering, Werkzeug- und Anlagenbau tätig – und damit überwiegend für die Automobilindustrie.
„Die Entwicklung von Produktionssystemen in Verbindung mit der Integration von KI und Digitalisierung in die Engineering-Prozesse bietet uns eine große Chance, die Zukunft mitzugestalten.“ Dass EBZ schon vor Jahren Pionierarbeit in den Bereichen Batteriemontage, Zellstacking und Modulmontage geleistet hat, zahlt sich nun angesichts des Wandels der Automobilbranche hin zur E-Mobilität für das Unternehmen aus.
Komplexer werdende Anforderungen
„Gleichzeitig bringt die Transformation jedoch auch einen hohen Kostendruck und immer kürzer werdende Projektlaufzeiten mit sich“, berichtet Dietmar Fahrner. „Zudem werden die Anforderungen an unsere Anlagen – im Vergleich zu den Anlagen für den klassischen, deutlich standardisierteren Karosserierohbau – technisch immer komplexer.“
Foto: PRDie Transformation in der Automobilindustrie fordert uns heraus – sie ist aber auch eine Chance, unsere Stärken zu nutzen
Dietmar Fahrner, Geschäftsführer der EBZ Ammerbuch GmbH, Ammerbuch
EBZ setzt zunehmend selbst entwickelte Software- und Projektmanagementtools ein, um die internen Prozesse zu digitalisieren und zu automatisieren sowie die Projektabwicklung zwischen den deutschen und internationalen Standorten, externen Zulieferern und Fahrzeugherstellern zu steuern. Simulations- und Konstruktionsdienstleistungen erfolgen überwiegend an den indischen und polnischen Standorten. Am Standort Ammerbuch stehen das effektive Projektmanagement und die Auftragsabwicklung im Vordergrund.
„Die Transformation in der Automobilindustrie fordert uns heraus – doch gerade in der Verbindung von Digitalisierung und Automatisierung liegt die Chance, unsere Stärken zu nutzen“, so Fahrner. „Unser Fokus liegt daher auf der gezielten Stärkung unserer Kernkompetenzen in den Bereichen Fertigungsplanung, Kon-struktion und Robotersimulation.“
Auch die Anforderungen an die Beschäftigten ändern sich. „Reine Konstrukteurs- und Simulationsrollen verlieren an Bedeutung, während Kompetenzen in Projektmanagement, Schnittstellenarbeit und digitalisierten Prozessen immer wichtiger werden“, erklärt Dietmar Fahrner. Nachwuchskräfte wie technische Produktdesigner und Studierende der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Stuttgart bildet EBZ selbst aus. „Die langfristige Bindung von qualifizierten Beschäftigten ist für uns eine der zentralen Herausforderungen.“
Verbrenner und E-Autos
Ortswechsel zur Rolf Windhösel GmbH + Co. KG in Sonnenbühl. „Historisch betrachtet haben wir unter unseren Kunden einen sehr hohen Automotive-Anteil“, sagt Geschäftsführer Ralf Windhösel. Die Firma ist auf Schlauchumflechtungen und Hohlgeflechte spezialisiert. Diese finden sowohl bei Verbennern – bei Kompensatoren, Brems- und Kraftstoffleitungen – als auch bei E-Autos, hier zur elektromagnetischen Abschirmung, Verwendung.
Foto: PRWir hoffen, dass Elektromobilität auch ohne Förderung zunehmend Akzeptanz findet
Ralf Windhösel, Geschäftsführer der Rolf Windhösel GmbH + Co. KG, Sonnenbühl
Bevor auf kundenseitigen Wunsch hin Lösungen für den E-Auto-Markt angeboten werden konnten, waren umfangreiche Tests notwendig. Dafür wurden vorhandene Anlagen genutzt, die aufgrund des prognostizierten Bedarfs schließlich um weitere ergänzt wurden. „Wir können von zwei Millimetern bis 200 Millimetern Leitungsdurchmesser alles anbieten sowie jegliches Garn und jeglichen Draht erarbeiten“, erläutert Ralf Windhösel. Mittlerweile wurden die bestehenden Anlagen modifiziert und neues Personal eingestellt. „Ich denke, dass wir angesichts weniger nachkommender junger Beschäftigter künftig noch stärker in die Automatisierung unserer Prozesse investieren werden.“ So könnten die gleichen Produkte bei gleicher Qualität vielleicht günstiger produziert werden.
Rückgang der Stückzahlen
Der Übergang zur E-Mobilität habe jedoch zu einem „sehr deutlichen Rückgang der Stückzahlen“ geführt, so Windhösel. Derzeit liege der Automotive-Anteil der hergestellten Teile bei etwa 45 Prozent, je zur Hälfte für Verbrenner und E-Autos. „Die Zuwächse im E-Mobilität-Bereich sind 2025 konstant geblieben oder gesunken, weil die Nachfrage nicht den erwarteten Stückzahlen entspricht.“ Ein Faktor dafür sei die unklare politische Situation nach dem Wechsel der Bundesregierung. „Häufig ist es sogar egal, welche Entscheidung die Politik trifft“, meint Windhösel. „Die Hauptsache ist, es wird überhaupt eine Entscheidung gefällt, damit wir Firmen einen festen Planungsrahmen haben.“
Neue Absatzmärkte sieht die Windhösel GmbH weniger in Europa, sondern vielmehr in Asien und den USA. „Wir hoffen, dass Elektromobilität auch ohne Förderung zunehmend Akzeptanz findet.“ Die Preise und die Reichweiten der Fahrzeuge seien aktuell aber noch Kaufhemmnisse. Und dennoch sieht Windhösel – trotz stabilem Umsatz im Bereich der Verbrenner – die Zukunft eindeutig in der E-Mobilität: „Der Weg dorthin ist holprig, das Ziel als solches aber richtig.“ /
(Dieser Artikel erschien in der WNA-Ausgabe 10+11/2025.)