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„Ein Schritt, der sich definitiv gelohnt hat“

Auf dieser Seite berichten Unternehmen aus der Region Neckar-Alb, die in Deutschlands Nachbarländern Geschäfte machen, warum sich der Schritt ins europäische Ausland für sie auszahlt – und welche Herausforderungen ihnen im Tagesgeschäft begegnen.

Porträtfoto von Andre BachmannFoto: PR

„Für uns läuft das Geschäft in Belgien sehr gut“

Andre Bachmann, Geschäftsführer Vertrieb und Marketing bei der Erima GmbH, Pfullingen
(Branche: Sportartikelhersteller)

Erima produziert und vertreibt Sporttextilien für den Teamsport. Das bedeutet, dass wir Sporthändler beliefern, die ihrerseits Vereine ausstatten. Dass wir nicht nur in Deutschland, sondern auch in Belgien so stark vertreten sind, verdanken wir einer Entscheidung, die vor über 25 Jahren getroffen wurde. Damals gehörte Erima noch zu Adidas und sollte als Tochter eines global agierenden Unternehmens auch im Ausland vertreten sein. 

Seit dem Management-Buy-out sind wir daher ein inhabergeführtes Unternehmen mit eigener Niederlassung in Belgien – Vertrieb und Service vor Ort inklusive. Letzteres ist übrigens ein wichtiger Erfolgsfaktor: Wer nicht auf Französisch und Flämisch kommuniziert, lässt sich Kunden entgehen. Für uns läuft das Geschäft in Belgien sehr gut. Ob Volleyball, Handball oder Fußball: Dieses Jahr konnten wir den Umsatz deutlich steigern. In der aktuellen Situation, in der viele Märkte unsicher sind, ist das eine positive Überraschung. Und noch ein Grund mehr, dranzubleiben. /

Belgien

Fläche: 30.689 km²
Einwohner (2024): 11,7 Millionen
Geschäftssprachen: Französisch, Niederländisch, Deutsch, Englisch
Währung: Euro
BIP/Kopf (nominal)*: 58.248 US$  
Inflationsrate*: 2,9 % 
Arbeitslosenquote*: 5,7 %

Quelle: GTAI – Germany Trade & Invest, Stand: Dezember 2024
* Prognose für 2025

IHK Reutlingen, Tübingen und Zollernalb
Porträtfoto von Martin MeistenburgFoto: PR

„Man braucht Partner, die ein starkes Netzwerk mitbringen“

Geschäftsführer der Narda Safety Test Solutions GmbH, Pfullingen
(Branche: Anbieter von Messtechnik)

Narda Safety Test Solutions feiert in diesem Jahr seinen 25. Geburtstag. Angefangen haben wir als Ausgründung eines deutschen Messtechnik-Unternehmens – und heute sind wir selbst in aller Welt tätig. Tatsächlich könnten wir gar nicht existieren, wenn wir nur in Deutschland aktiv wären. Wir sind Experten für spezialisierte Messtechnik im Bereich elektromagnetischer Felder und deren Anwendungen. Zusammen mit über 60 Vertriebspartnern bringen wir unsere Lösungen überall dorthin, wo sie gebraucht werden. 

Unter anderem nach Dänemark. Dort haben wir erst im Februar 2025 einen neuen Sales-Partner an Bord genommen, der es uns ermöglicht, unseren Kundenkreis vor Ort zu erweitern. Ich glaube, für kleinere Unternehmen ist das der beste Weg: Wenn eigene Niederlassungen im Ausland keine Option sind, braucht man Partner, die ein starkes Netzwerk mitbringen. Für uns hat sich das definitiv bewährt. Über unseren dänischen Vertriebspartner haben wir sogar schon Messtechnik bis nach Grönland verkauft. /

Dänemark

Fläche: 42.920 km²
Einwohner (2024): 6,0 Millionen
Geschäftssprachen: Dänisch, Englisch, Deutsch
Währung: Dänische Krone
BIP/Kopf (nominal)*: 71.967 US$
Inflationsrate*: 1,9 %
Arbeitslosenquote*: 5,8 %

Quelle: GTAI – Germany Trade & Invest, Stand: Dezember 2024
* Prognose für 2025

IHK Reutlingen, Tübingen und Zollernalb
Porträtfoto von Harald KellerFoto: PR

„Wer in Frankreich Fuß fassen will, braucht Beschäftigte vor Ort“

Harald König, Leiter Unternehmensentwicklung bei der MTS Schrode AG, Hayingen
(Branche: Maschinenbau)

Die MTS Schrode AG ist Spezialist für die Automatisierung und Digitalisierung im Tief- und Straßenbau. Von Anbaugeräten für Bagger über Navigationssysteme bis hin zur eigenen Software schaffen wir passgenaue Lösungen von der Planung bis zur Ausführung. Und die vertreiben wir nicht nur in Deutschland, sondern auch zunehmend in angrenzenden Ländern. Zum Beispiel in Frankreich. 

Lange Zeit war es so, dass unsere französischen Kunden entweder über einen Zwischenhändler oder direkt bei uns in Hayingen bestellt haben. Das war aber immer nur eine Behelfslösung. Wer in Frankreich langfristig Fuß fassen will, braucht Beschäftigte vor Ort: Experten, die nicht nur die Sprache sprechen, sondern auch Land und Leute kennen. Seit 2020 haben wir deshalb einen Kollegen, der ausschließlich für diesen Markt zuständig ist. So konnten wir bereits einige Leuchtturmprojekte in Frankreich umsetzen – für Unternehmen, die in ihren Branchen bekannt sind und über die sich nun herumspricht, wer wir sind und was wir können. /

Frankreich

Fläche: 549.087 km²
Einwohner (2024): 66,5 Millionen
Geschäftssprache: Französisch
Währung: Euro
BIP/Kopf (nominal)*: 49.527 US$ 
Inflationsrate*: 1,9 % 
Arbeitslosenquote*: 7,5 %

Quelle: GTAI – Germany Trade & Invest, Stand: Dezember 2024
* Prognose für 2025

IHK Reutlingen, Tübingen und Zollernalb
Porträtfoto von Björn BeckersFoto: PR

„Man muss sich Luxemburg wie ein kleines Bundesland vorstellen“

Björn Beckers, Vertriebsleiter bei der Schwörer Haus KG, Hohenstein
(Branche: Fertighaushersteller)

Schwörer Haus baut seit mehr als 75 Jahren Ein-, Zwei- und Mehrfamilienhäuser sowie Module in Fertigbauweise. Neben unserem Kernmarkt in Deutschland sind wir auch in West- und Südeuropa tätig. Einer der kleinsten Märkte, den wir uns dabei erschlossen haben, ist Luxemburg. Das fing vor über 30 Jahren an, und zwar an unseren Standorten in Rheinland-Pfalz. Dorthin kamen immer wieder Luxemburger, die hochwertige deutsche Produkte zu einem guten Preis suchten. Heute haben wir Bauberater im Grenzbereich und gemeinsam mit unseren Architek- ten in Luxemburg auch schon zahlreiche Projekte erfolgreich umgesetzt. 

Insgesamt muss man sich den Markt wie ein kleines Bundesland vorstellen – wie Bremen oder Hamburg etwa: Eine Stadt und ihr Umland, das ist Luxemburg. Nun spricht aber dieser eher übersichtliche Markt auch noch eine andere Sprache, hat eigene Normen und Gesetze, mit denen man sich erst einmal beschäftigen muss. Und dann gibt es natürlich auch Unternehmen vor Ort, mit denen man konkurriert. Ob sich derzeit dort ein Start rentiert, will daher gut durchdacht sein. /

Luxemburg

Fläche: 2.590 km²
Einwohner (2024): 0,7 Millionen
Geschäftssprachen: Französisch, Deutsch
Währung: Euro
BIP/Kopf (nominal)*: 141.080 US$ 
Inflationsrate*: 2,4 % 
Arbeitslosenquote*: 6,0 %

Quelle: GTAI – Germany Trade & Invest, Stand: Dezember 2024
* Prognose für 2025

IHK Reutlingen, Tübingen und Zollernalb
Porträtfoto von Heiko MüllerFoto: PR

„Der deutsche und der niederländische Markt sind eng verflochten“

Heiko Müller, Geschäftsführer der Renishaw GmbH, Pliezhausen 
(Branche: Maschinenbau)

Wir sind Teil der Renishaw-Gruppe, die mit 5.200 Beschäftigten an 80 Standorten in aller Welt vertreten ist. Hierzulande kennt man vor allem unsere industrielle Messtechnik, die in der Fertigung für maximale Präzision sorgt. Das ist aber nur eines unserer Spezialgebiete, denn Renishaw entwickelt auch optische Weg- und Winkelmesssysteme und stellt sowohl additive Anlagen im Pulverbettverfahren – sprich: 3D-Drucker für Metall – als auch Raman-Spektrometer her. Welcher dieser Bereiche wie stark ausgeprägt ist, variiert je nach Standort. 

Schauen wir etwa in die Niederlande: Weil es dort keine Hersteller von Werkzeugmaschinen gibt, haben wir es mit einem Endkundenmarkt für industrielle Messtechnik zu tun. In Deutschland haben wir hingegen ganz eindeutig einen Herstellermarkt. Deshalb lohnt es sich, auch Märkte, die so eng verflochten sind wie Deutschland und die Niederlande, stets separat zu betrachten. Vertraute Wirtschaftszweige können im Ausland bisweilen überraschend andere Strukturen haben. /

Niederlande

Fläche: 41.540 km²
Einwohner (2024): 18,2 Millionen
Geschäftssprachen: Niederländisch, Englisch, Deutsch
Währung: Euro
BIP/Kopf (nominal)*: 70.606 US$ 
Inflationsrate*: 2,4 % 
Arbeitslosenquote*: 3,8 %

Quelle: GTAI – Germany Trade & Invest, Stand: Dezember 2024, 
* Prognose für 2025

IHK Reutlingen, Tübingen und Zollernalb
Porträtfoto von Max RitterFoto: PR

„Weil es keine Sprachbarriere gibt, war es leicht, Österreich zu erschließen“

Max Ritter, Geschäftsführer der Stecker Express GmbH, Reutlingen
(Branche: Industriegroßhandel für elektrotechnische und mechanische Produkte)

Stecker Express ist ein Industriegroßhandel für elektromechanische Produkte. Steckverbinder, Kabel, Schutzschläuche oder Verschraubungen: Seit 30 Jahren vertreiben wir ein großes Sortiment an Produkten für den Maschinen- und Schaltschrankbau. Die Besonderheit unseres Geschäftsmodells besteht darin, dass wir exakt die Stückzahlen versenden, die gerade gebraucht werden – schnell und ohne Mindestbestellwert. Allein in Deutschland beliefern wir so über 10.000 Industriekunden. 

Einen klassischen Außendienst gibt es bei uns allerdings nicht: Die Bestellungen laufen über un-seren Onlineshop. Jetzt, wo wir gerade unser Auslandsgeschäft skalieren und den Shop dafür in weitere Sprachen übersetzen, fällt deutlich auf, wie unkompliziert es doch war, unser Geschäftsmodell auf Österreich auszuweiten. Für uns hat dieser Markt etwa dasselbe Volumen wie der in Bayern, aber weil es keine Sprachbarriere gibt, war es vergleichsweise leicht, ihn zu erschließen. Ein Schritt, der sich definitiv gelohnt hat. /

Österreich

Fläche: 83.879 km²
Einwohner (2024): 9,1 Millionen
Geschäftssprachen: Deutsch, Englisch
Währung: Euro
BIP/Kopf (nominal)*:  61.080 US$  
Inflationsrate*: 2,1 % 
Arbeitslosenquote*: 5,3 %

Quelle: GTAI – Germany Trade & Invest, Stand: Dezember 2024
* Prognose für 2025

IHK Reutlingen, Tübingen und Zollernalb
Porträtfoto von Alexander KesslerFoto: PR

„Ohne unseren Standort in Polen hätten wir manches Produkt nicht mehr im Sortiment “

Alexander Kessler, Geschäftsführer der Kessler GmbH, Nusplingen
(Branche: Metallverarbeitung, Lieferant für Näharbeitsplätze)

Die Kessler GmbH hat zwei Standbeine. Zum einen sind wir Experten für Metallverarbeitung, zum anderen ein weltweit führender Lieferant für Näharbeitsplätze. Angefangen beim Untergestell über die Tischplatte bis zu den Pedalen gibt es bei uns im Grunde alles außer der Nähmaschine. Als sich in den 1990er-Jahren der Ostblock öffnete, sahen viele deutsche Unternehmen vor allem den plötzlichen Preiswettbewerb. Die damalige Unternehmensführung sah aber etwas anderes: eine Chance. 

Deshalb kaufte sie in der Nähe von Wrocław (Breslau) eine alte Landmaschinenfabrik und begann mit dem Aufbau eines neuen Standorts. Natürlich bedeutete das zu Beginn große Investitionen: in Gebäude, Equipment und die Fachkräfte vor Ort, die das nötige Know-how mitbringen. Rückblickend war dieser Schritt für uns aber wegweisend und führte dazu, dass wichtige Teile unseres Produktportfolios heute in Breslau gefertigt werden. Ohne unseren Standort in Polen hätten wir manches Produkt, für das wir bekannt sind, nicht mehr im Sortiment. /

Polen

Fläche: 312.720 km²
Einwohner (2024): 38,5 Millionen
Geschäftssprachen: Polnisch, Englisch, Deutsch, Russisch
Währung: Złoty (Zł)
BIP/Kopf (nominal)*: 25.041 US$
Inflationsrate*: 4,7 % 
Arbeitslosenquote*: 2,8 %

Quelle: GTAI – Germany Trade & Invest, Stand: Dezember 2024, 
* Prognose für 2025

IHK Reutlingen, Tübingen und Zollernalb
Porträtfoto von Olga KrügerFoto: PR

„Dienstleistungen in der Schweiz sind mit hohem bürokratischen Aufwand verbunden“

Olga Krüger, Leiterin Vertrieb bei der Rapid Maschinenbau GmbH, Grosselfingen
(Branche: Maschinenbau)

Wir sind Hersteller von Präzisionsmaschinen für den Fenster- und Metallbau. Unsere Produktpalette reicht von halbautomatischen Maschinen bis hin zu vollautomatisierten Fertigungslinien für Kunststoff-, Holz- und Alufenster. Den Einstieg ins Auslandsgeschäft brachte 1967 die Doppelgehrungssäge – eine von unseren Ingenieuren entwickelte Innovation für den Bau von PVC-Fenstern, die schnell zu einem echten Exportschlager wurde. 

Einer der Märkte, auf dem wir früh Fuß fassen konnten, ist die Schweiz. Die meisten Geschäfte dort werden seit jeher von unseren Vertriebspartnern im Land abgewickelt. Seit der neuen Umsatzsteuerverordnung ist das ein großer Vorteil. Wer Dienstleistungen in der Schweiz erbringt, muss jetzt mit erheblichem bürokratischen Aufwand rechnen. Statt Techniker zu entsenden, schulen wir daher die Serviceteams unserer Vertragspartner – zum Beispiel die Firma Näf aus Herisau – bei uns am Standort in Grosselfingen und unterstützen sie im Störungsfall per Ferndiagnostik. /

Schweiz

Fläche: 41.291 km²
Einwohner (2024): 8,9 Millionen
Geschäftssprachen: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch
Währung: Schweizer Franken (CHF)
BIP/Kopf (nominal)*: 111.716 US$ 
Inflationsrate*: 1,0 % 
Arbeitslosenquote*:  2,5 %

Quelle: GTAI – Germany Trade & Invest, Stand: Dezember 2024
* Prognose für 2025

IHK Reutlingen, Tübingen und Zollernalb
Porträtfoto von Benjamin GoldebandFoto: PR

„Die Tschechische Republik bietet hervorragende Marktchancen“

Benjamin Goldeband, Head of International Sales bei der Blickle Räder+Rollen GmbH u. Co. KG, Rosenfeld
(Branche: Hersteller von Rädern und Rollen)

Die Firma Blickle entwickelt, produziert und vertreibt Räder und Rollen für Anwendungen aller Arten – für Intralogistik, Maschinen- und Anlagenbau, Fördertechnik und mobile Geräte. Hinzu kommen elektrische Antriebssysteme für das sichere und ergonomische Bewegen größerer Lasten. Als Familienunternehmen sind wir seit 1967 mit eigenen Vertriebsniederlassungen im Ausland vertreten. Heute sind es weltweit 23, darunter die im Jahr 2000 gegründete Niederlassung im tschechischen Brno (Brünn). 

Wir finden: Die Tschechische Republik bietet hervorragende Marktchancen. Das liegt vor allem an innovationsfreudigen Unternehmen in Branchen wie dem Automobil- und Maschinenbau sowie der Elektrotechnik. Von kleinen Betrieben bis zu Großkonzernen wie Škoda setzen hier viele bewusst auf Produkte „Made in Germany“. Dank unserer Niederlassung vor Ort profitieren sie nicht nur von hoher Produktqualität, sondern auch von schnellem, zuverlässigem Service, kurzen Lieferzeiten und professioneller Beratung in der Landessprache. /

Tschechische Republik

Fläche: 78.871 km²
Einwohner (2024): 10,7 Millionen
Geschäftssprachen: Tschechisch, Deutsch, Englisch
Währung: Tschechische Krone (Kc)
BIP/Kopf (nominal)*: 33.038 US$ 
Inflationsrate*: 2,4 % 
Arbeitslosenquote*: 2,7 %

Quelle: GTAI – Germany Trade & Invest, Stand: Dezember 2024
* Prognose für 2025

(Diese Statements und Ländersteckbriefe erschienen in der WNA-Ausgabe 8+9/2025.)