In der Nacht zum Montag, 8. Juni 2026, führte ein Brand im Umspannwerk Reutlingen-West zu einem Stromausfall in Reutlingen, Wannweil und Kirchentellinsfurt. Die Unternehmen im Gewerbegebiet Mark West zwischen Reutlingen und Kusterdingen waren drei Tage ohne Strom. Drei von ihnen berichten, wie sie diese Zeit erlebt haben.
Foto: PR„Wir waren nahezu arbeitsunfähig“
Roland Bertler, Bereichsleiter Marketing und Mitglied im erweiterten Vorstand der Datatec AG, Reutlingen
(Branche: Elektrogroßhandel für Mess- und Prüftechnik)
Ich habe am frühen Montagmorgen über die Warn-App „Nina“ vom Stromausfall erfahren. Insgesamt hatte unser Unternehmen drei Tage lang keinen Strom. Da unsere zentralen IT-Systeme, unsere Server und die Telefonanlage nicht funktionierten, waren wir während dieser Zeit nahezu arbeitsunfähig. Unsere größte Herausforderung war die Ungewissheit, wie lange der Stromausfall andauern würde. Dadurch mussten wir wichtige organisatorische und wirtschaftliche Entscheidungen auf Basis eigener Einschätzungen treffen.
Während der gesamten Zeit standen wir als Vorstand in engem Austausch mit unserer IT-Abteilung und Belegschaft, um das weitere Vorgehen abzustimmen. Auch mit der Nutzung von Notstromaggregaten, um den Geschäftsbetrieb wenigstens teilweise wiederaufnehmen zu können, haben wir uns intensiv auseinandergesetzt. Diese kamen letztlich aber nicht zum Einsatz, da die Stromversorgung zuvor wiederhergestellt werden konnte. Für die Zukunft würden wir uns eine transparentere Kommunikation der offiziellen Stellen wünschen. So haben wir Planungssicherheit und können wichtige Entscheidungen leichter treffen. /
Foto: PR„Unsere Filialen sind komplett energieautark“
Anton Borodin, Leiter Marketing und Verkauf bei der Braun Möbel-Center GmbH & Co. KG, Reutlingen
(Branche: Einzelhandel mit Möbeln und Einrichtungsgegenständen)
Als ich am 8. Juni morgens ins Büro kam, war alles ganz normal. Dass es bei uns im Industriegebiet einen großen Stromausfall gibt, habe ich erst im Gespräch mit meinen Kollegen erfahren – denn unser Unternehmensgründer hat alle Filialen komplett energieautark bauen lassen. Nur das im Möbelhaus integrierte Restaurant und unser Lager auf der anderen Straßenseite waren ohne Strom. Allerdings konnten wir uns zwei kleine Notstromaggregate ausleihen und so auch im Lager den Betrieb bald wieder aufnehmen. Das Restaurant blieb hingegen drei Tage geschlossen.
Obwohl wir unsere Filiale wie gewohnt öffnen konnten, hatten wir am ersten Tag des Stromausfalls kaum Kundschaft. Viele gingen wohl davon aus, dass wir geschlossen hätten. Mithilfe gezielter Werbung kam der Kundenstrom aber ab Dienstagmittag zurück.
Grundsätzlich haben die Stadt und der Netzbetreiber während des Stromausfalls gute Arbeit geleistet. Vom Netzbetreiber würden wir uns in Zukunft aber eine zentrale Anlaufstelle wünschen, bei der wir Informationen zum Stand der Wiederherstellung der Stromversorgung erhalten. /
Foto: PR„Der Kommunikationsfluss war lahmgelegt“
Peter Herrmann, Geschäftsführer der Bemotec GmbH, Reutlingen
(Branche: Herstellung von Medizin- und Mobilitätstechnik)
Dass der Strom ausgefallen ist, habe ich erst realisiert, als ich am Montagmorgen bei der Arbeit ankam und unsere Beschäftigten vor dem Gebäude standen: Wegen der elektronischen Schlösser ließen sich die Türen nicht öffnen. Zunächst hatten wir die Hoffnung, dass die Stromversorgung zügig wiederhergestellt werden kann. Aber schnell war klar: Das ist eine größere Sache. Glücklicherweise konnten wir uns ein kleines Notstromaggregat leihen und so bereits dienstagmorgens unsere Server wieder in Betrieb nehmen und wieder telefonieren.
Noch am selben Tag konnten wir durch ein großes Aggregat auch die Produktion wieder hochfahren. In der Nacht auf Donnerstag wurde ich vom Netzbetreiber Fair Netz darüber informiert, dass wir wieder ans Stromnetz angeschlossen werden können. Das geschah dann am nächsten Morgen.
Das größte Problem während des Stromausfalls war, dass er unseren kompletten Kommunikationsfluss lahmgelegt hat. Um das künftig zu verhindern, werden wir uns ein kleines Notstromaggregat anschaffen. Mit der Arbeit der zuständigen Stellen während des Stromausfalls waren wir sehr zufrieden. Besonders gut fand ich, dass die Stadt im Anschluss bei uns Firmen Feedback eingeholt hat, wie sie ihre Krisenkommunikation verbessern kann. /
(Diese Statements erschienen in der WNA-Ausgabe 10+11/2026.)