Statements

„Gewaltige Herausforderungen“

Die Bundesregierung ringt um zahlreiche Reformen. WNA hat fünf Unternehmerinnen und Unternehmer aus der Region gefragt, bei welchen Themen sie den größten Handlungsbedarf sehen – und was sie sich von der Politik wünschen.

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„Wir brauchen weniger Diskussionen und mehr konkrete Maßnahmen“

Andreas Wilhelm Kraut, CEO und Gesellschafter der Bizerba SE & Co. KG, Balingen

Wir entwickeln für Handel, Industrie und Logistik Lösungen rund ums Wiegen, Schneiden, Auszeichnen und Inspizieren. Tatsächlich haben viele Menschen beinahe täglich mit Bizerba-Produkten zu tun, ohne es je zu erfahren – etwa beim Einkauf im Supermarkt oder wenn sie ein Päckchen entgegennehmen, das mit unseren Lösungen gewogen und etikettiert wurde. 

Wie so viele Unternehmen spüren allerdings auch wir inzwischen Konkurrenzdruck aus aller Welt. Deutschland kann sich auf seinem technologischen Vorsprung aus der Vergangenheit nicht ausruhen. Der internationale Wettbe-werb hat enorm an Dynamik gewonnen. Umso wichtiger ist es, dass wir jetzt schneller ins Handeln kommen. Politik, Unternehmen und Sozialpartner müssen hier gemeinsam Verantwortung übernehmen: Wir brauchen weniger Diskussionen und mehr konkrete Maßnahmen! Schließlich geht es um das große Ganze – darum, die langfristige Wettbewerbsfähigkeit unseres Wirtschaftsstandorts zu sichern, und das so schnell und entschieden wie möglich. /

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„Marktfolger-Strategien reichen einfach nicht“

Kristin Maier-Müller, Geschäftsführerin der G. Maier Elektrotechnik GmbH, Reutlingen

Ich bin überzeugt davon, dass Politik und Wirtschaft gemeinsam an einem „Masterplan“ arbeiten müssen, um Deutschland und Europa wieder wirtschaftlich nach vorne zu bringen. Im Moment versuchen wir eher, Erfolgspositionen aus dem 20. Jahrhundert zu retten, etwa in der Automobilindustrie. Stattdessen sollten wir Spitzenplätze in potenziellen Top-Bereichen anstreben, die andere Wirtschaftsräume gerade vernachlässigen. Als Zukunftstreiber se-he ich dabei den Mittelstand, denn hier wird viel getüftelt und nachgedacht. 

Meine Firma ist beispielsweise im Bereich Antriebstechnik und Elektrowärme seit über 90 Jahren erfolgreich, weil wir wissen, dass wir mit der Zeit gehen müssen. Marktfolger-Strategien reichen einfach nicht. Gleichzeitig finde ich das aktuelle „Politik-Bashing“ nicht gut. Unser Land steht vor gewaltigen Herausforderungen und befindet sich in einer totalen Transformation. Alle müssen gemeinsam anpacken und zudem die Sicherung unserer Demokratie im Blick behalten. /

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„In Bezug auf die Tageshöchstarbeitszeit ist eine Reform überfällig“

Kathrin Völker, Geschäftsführerin der Voelker & Partner Rechtsanwälte Wirtschaftsprüfer Steuerberater mbB, Reutlingen

Wir sind eine Sozietät von Rechtsanwälten, Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern, die sowohl mittelständische Unternehmen als auch Einzelpersonen in wirtschaftsrechtlichen Angelegenheiten berät und vertritt. Eines der gesetzgeberischen Themen, das uns und unsere Mandanten seit Jahren beschäftigt, ist das Arbeitszeitgesetz. Vor allem in Bezug auf die Tageshöchstarbeitszeit ist die im Koalitionsvertrag angekündigte Reform wirklich überfällig. 

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Es gibt definitiv Berufe, in denen spätestens nach zehn Stunden Feierabend sein sollte. Aber in unserer globalisierten, zunehmend digitalen Arbeitswelt muss auch eine flexiblere Zeiteinteilung möglich sein. Zum Beispiel für Eltern, die Lücken in der Kinderbetreuung abfedern müssen. Für Projekte, an denen Menschen aus verschiedenen Zeitzonen arbeiten. Oder für alle Beschäftigten im Außendienst, die auf dem Rückweg vom Kunden auswärts übernachten müssen, weil die letzte halbe Stunde bis zu ihrer Haustür über dem Limit läge. /

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„Betriebe können es sich nicht leisten, auf Mehrkosten sitzen zu bleiben“

Tim Wetzel, Geschäftsführer der Hotel-Restaurant „Schwanen“ Wetzel GmbH u. Co. KG, Metzingen

Als Hotel-Restaurant sind wir breit aufgestellt: Wir haben 70 Gästezimmer, fünf Tagungs- und Eventräume, zwei Restaurants und einen Cateringservice, dazu fast 100 Beschäftigte. Aufgrund unserer Nähe zur Outletcity Metzingen wird oft davon ausgegangen, dass unsere Gäste vor allem Shopping-Touristen sind. Tatsächlich liegt unser Fokus aber auf Geschäftsreisenden und Tagungsgästen. Nur sind von denen immer weniger unterwegs, da viele Firmen in Anbetracht der Wirtschaftslage ihr Budget für Tagungen und Weiterbildungen reduzieren. Das belastet uns extrem. 

Und ausgerechnet jetzt kommen Reformen auf uns zu, die unseren finanziellen Spielraum noch weiter einschränken. Anfang 2027 steigt der Mindestlohn erneut, die Abschaffung des Minijobs wird diskutiert und in Metzingen ist obendrein eine Bettensteuer geplant. Für das Gastgewerbe bedeutet das eine wirtschaftliche Zwickmühle. Unternehmen können es sich nicht leisten, auf Mehrkosten sitzen zu bleiben, doch Preiserhöhungen macht der Gast nicht mit. /

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„Die Preise für Diesel sind mittlerweile exorbitant“

Frank Wiest, Geschäftsführer der HVB Wiest+Schürmann Hechinger Verkehrsbetriebsgesellschaft mbH, Hechingen

Für uns spielen die Energiekosten eine zentrale Rolle, denn die Preise für Diesel sind mittlerweile exorbitant. Unsere Busse sind im Zollernalbkreis und in den Landkreisen Reutlingen und Tübingen unterwegs, vor allem im öffentlichen Nahverkehr. Das bedeutet, dass wir Verträge mit den Landkreisen oder Kommunen schließen, die acht bis zehn Jahre laufen. Um eventuelle Schwankungen bei den Betriebskosten auszugleichen, ist eine jährliche Fortschreibung vorgesehen. 

In Anbetracht der aktuellen Preisexplosion ist dieser Turnus insofern problematisch, als wir Mehrkosten ein Jahr lang vorstrecken müssen. Der Landkreis Tübingen ist dabei allerdings eine ruhmreiche Ausnahme: Hier wurde unlängst eine Vertragsanpassung vorgenommen, die eine vierteljährliche Fortschreibung ermöglicht. Das schafft finanziellen Spielraum, den mittelständische Betriebe gut gebrauchen können, solange die wirkungsvollste Maßnahme – eine Senkung der Energiesteuer – auf Bundesebene nicht einmal ernsthaft diskutiert wird. /

(Diese Statements erschienen in der WNA-Ausgabe 10+11/2026.)