Schnelles Internet im ländlichen Raum

„Breitbandausbau ist kein Luxus“

Eine langsame Internetverbindung am Firmensitz ist nicht nur ärgerlich: Sie ist auch ein klarer Wettbewerbsnachteil. Drei Unternehmer beschreiben, warum der Breitbandausbau für die Wirtschaft in der Region Neckar-Alb von entscheidender Bedeutung ist.

Bunte Glasfaserkabeln in ländlichem Umfeld, im Hintergrund sind eine Wiese und einzelne Häuser zu sehen Durch diese Kabel kommt das Highspeed- Internet – allerdings noch nicht zu allen Unternehmen in der Region. Foto: Gundolf Renze - stock.adobe.com

Breitband steht für schnelles Internet – doch was versteht man ganz konkret darunter? Eine überraschend komplexe Frage, denn eine einheitliche Definition gibt es nicht. Der sogenannten Gigabit-Richtlinie des Bundes zur Breitbandförderung lässt sich jedoch entnehmen, welche Übertragungsraten definitiv zu langsam sind. Gebiete, in denen eine Downloadgeschwindigkeit von 100 Megabit pro Sekunde nicht zuverlässig erreicht wird, gelten demnach als „graue Flecken“, sprich: als unzureichend mit Breitbandinternet versorgt. Von einem „weißen Fleck“ ist die Rede, wenn sogar nur weniger als 30 Megabit pro Sekunde verfügbar sind.

In der Region gibt es laut der Bundesnetzagentur nur wenige stark unterversorgte Gebiete. Im Sommer 2025 standen 90 Prozent der Betriebe im Zollernalbkreis mindestens 30 Megabit pro Sekunde zur Verfügung. Im Landkreis Reutlingen waren es 96 Prozent, im Landkreis Tübingen 97 Prozent. Graue Flecken finden sich jedoch vermehrt im Zollernalbkreis: Hier konnten lediglich 80 Prozent der Betriebe eine Downloadgeschwindigkeit von mindestens 100 Megabit pro Sekunde nutzen. In reinen Gewerbegebieten lag der Wert sogar bei nur rund 74 Prozent. 

Porträtfoto von Robin MorgensternFoto: PR

Vielerorts gibt es bislang gar keine stabile Leitung

Robin Morgenstern, Vorstandsvorsitzender der Morgenstern AG, Reutlingen

Grundbedingung für Wachstum
Um den Breitbandausbau insbesondere in den ländlichen Gebieten Baden-Württembergs voranzutreiben, investiert die Landesregierung zwischen Anfang 2025 und Ende 2026 rund 1,1 Milliarden Euro. Eine ebenso richtige wie wichtige Entscheidung, findet Robin Morgenstern: „Wir müssen unsere digitalen Hausaufgaben machen – und zwar schnell. Breitbandausbau ist schließlich kein Luxus, sondern eine Grundbedingung für Wachstum. Wer auf der Datenautobahn nicht mithalten kann, verliert heutzutage schnell an Wettbewerbsfähigkeit.“

Als Vorstandsvorsitzender der Morgenstern AG in Reutlingen, die Unternehmen seit Jahrzehnten mit individuellen Lösungen für das Druck- und Dokumentenmanagement unterstützt, sowie als Vorsitzender des IHK-Digitalisierungsausschusses ist Robin Morgenstern mit dem Stand der Dinge bestens vertraut. „Gerade in ländlich geprägten Regionen bestehen nach wie vor große Versorgungslücken“, berichtet er. „Auf der Schwäbischen Alb gibt es Gemeinden, in denen an Breitband nicht zu denken ist, weil es bislang gar keine stabile Leitung gibt. Für Unternehmen ist das doppelt unattraktiv. Die einen suchen sich direkt andere Standorte – und andere würden zwar gern neue Technologien und Geschäftsmodelle implementieren, können aber nicht.“

Porträtfoto von Michael GrossFoto: PR

Schnelles Internet ist unverzichtbar

Michael Gross, Technical Growth Specialist bei der Preflet GmbH, Reutlingen

Mehr als nur Infrastruktur
Von der Bedeutung einer leistungsfähigen Internetverbindung für die Digitalisierung im Unternehmen kann auch Michael Gross berichten. Er ist Technical Growth Specialist bei der Reutlinger Preflet GmbH, einem Softwareentwickler, der sich auf intelligente Energiemanagementsysteme spezialisiert hat. „Mit cloud- und KI-basierten Anwendungen wie unserem KI-Assistenten Leo ermöglichen wir es Unternehmen, ihren Verbrauch von Strom, Wasser und anderen Ressourcen in Echtzeit zu überwachen und nachhaltig zu optimieren“, erklärt er.

Technologien wie diese könnten Abläufe effizienter gestalten und gleichzeitig Ressourcen freisetzen, die eventuell an anderer Stelle benötigt würden. „Schnelles Internet ist dafür aber unverzichtbar“, merkt Gross an. Services wie Live-Datenanalysen, automatisierte Energiereports oder die intelligente Verbrauchsoptimierung seien sonst schlicht nicht umsetzbar. „Insbesondere cloudbasierte Softwarelösungen erfordern jederzeit einen stabilen und schnellen Zugriff auf große Datenmengen, sowohl intern als auch beim Kunden. Breitband ist daher nicht nur ein Stück technologische Infrastruktur wie jedes andere: Es eröffnet vollkommen neue Möglichkeiten für die Gestaltung des Arbeitsalltags.“

Porträtfoto von Benedikt ZennerFoto: PR

Der Breitbandausbau wird zur Grundvoraussetzung für eine zeitgemäße Patientenversorgung

Benedikt Zenner, Mitgründer der Digitineers GmbH & Co. KG, Tübingen

Digitale Gesundheitsversorgung
Doch nicht nur im Berufsleben ist Breitband ein klarer Standortvorteil: Auch die Gesundheitsversorgung kann davon profitieren. Ein Beispiel dafür liefert die Digitineers GmbH & Co. KG aus Tübingen, die „digitale Therapeutika“ entwickelt – forschungsbasierte Softwarelösungen, die bei Behandlung und Monitoring akuter Erkrankungen, aber auch zur Prävention eingesetzt werden können. „Eines unserer aktuellen Projekte ist Vertidisan, eine App, mit der eine medizinische Gleichgewichtstherapie durchgeführt werden kann“, erklärt Benedikt Zenner, Mitgründer der Firma.

Diese neuartige Anwendung sei bereits in mehreren konfirmatorischen Studien evaluiert worden und ermögliche eine individualisierte Behandlung, wann und wo immer die Patienten sie benötigten. „Damit digitale Therapien ihr volles Potenzial entfalten können, ist jedoch eine leistungsfähige Breitbandinfrastruktur unerlässlich“, fügt Zenner hinzu. „Für die Vertidisan-App ist zum Beispiel Cloud-Streaming mit Echtzeitfeedback geplant. Das funktioniert aber nur dann reibungslos, wenn die Ladezeiten so gering wie möglich sind. Damit wird der Breitbandausbau nicht nur in der Region Neckar-Alb zur Grundvoraussetzung für eine zeitgemäße, flexible Patientenversorgung.“ /

(Dieser Artikel erschien in der WNA-Ausgabe 6+7/2026.)