Gastgewerbe

Tradition mit modernen Akzenten

Das Gastgewerbe im ländlichen Raum lebt vor allem von der persönlichen Nähe zum Gast. Entscheidend für den langfristigen Erfolg sind jedoch nicht nur attraktive Angebote, sondern auch eine klare Positionierung und gezieltes Marketing.

Porträtfoto von Victoria MayerVictoria Mayer, Geschäftsführerin von Mayer’s Waldhorn in Kusterdingen, setzt auf „authentische Gastfreundschaft“. Foto: PR

Wie bleibt ein Dorfgasthof dauerhaft erfolgreich und wie schafft er den Generationenwechsel, sowohl innerhalb des Betriebs als auch bei den Gästen? Wer Antworten auf diese Fragen sucht, hat mit Victoria Mayer die richtige Gesprächspartnerin. Die 33-Jährige ist Anfang 2025 in die Geschäftsführung des Landgasthofs Mayer’s Waldhorn im Kusterdinger Ortsteil Mähringen eingestiegen. Derzeit führt sie das Unternehmen noch gemeinsam mit ihren Eltern Gerhard Mayer und Isabel Jackmann Mayer, wird jedoch bald die alleinige Geschäftsführung übernehmen.

Vorteilhafte Lage
Mit Victoria Mayer übernimmt bereits die dritte Generation Verantwortung für das familiengeführte Hotel mit eigenem Restaurant. Der Betrieb wurde 1950 von Karl Mayer gegründet – zunächst als kleine Metzgerei mit einigen Fremdenzimmern und einem einfachen Gastraum. Im Jahr 1977 stieg Sohn Gerhard Mayer ein, erweiterte die Küche und entwickelte das gastronomische Angebot weiter. Gemeinsam mit seiner Frau Isabel Jackmann Mayer übernahm er 1988 den Betrieb und baute diesen kontinuierlich aus. Heute verfügt das Haus über 19 Zimmer sowie ein Restaurant, das schwäbische Tradition mit modernen Akzenten verbindet. 

Die Lage zwischen Reutlingen und Tübingen erweist sich dabei als Vorteil: „Unsere Gäste schätzen die Ruhe, die Natur und die persönliche Atmosphäre“, erzählt Victoria Mayer. Viele von ihnen seien dem Haus lange verbunden, oft über Generationen hinweg. Diese enge Bindung sorge für Stabilität und Vertrauen. Gleichzeitig profitiere der Betrieb von der Nähe zur Schwäbischen Alb mit ihren vielfältigen Freizeitmöglichkeiten.

Neue Impulse
Dennoch bringe der Standort auch Herausforderungen mit sich, etwa fehlende Laufkundschaft: „Sichtbarkeit und Marketing werden damit zu zentralen Erfolgsfaktoren.“ Aus Sicht der Unternehmerin braucht es klare Rahmenbedingungen, um Landgasthöfe auf Dauer zu erhalten: eine noch stärkere touristische Dachmarke für die Region, eine bessere Infrastruktur für Rad- und Wanderwege sowie ein gut funktionierender öffentlicher Personennahverkehr. „Die aktuell besprochene Anpassung der Arbeitszeitmodelle hin zu einer Wochenarbeitszeit wäre ebenfalls wichtig für uns, um vor allem Minijobber flexibler beschäftigen zu können.“

Auch die Corona-Pandemie hat Spuren hinterlassen: Viele Gäste buchen bewusster, planen langfristiger und erwarten Flexibilität. Um sich im Wettbewerb zu behaupten, setzt Victoria Mayer auf Erlebnisgastronomie. So ergänzen Themenabende oder saisonale Aktionen das klassische Angebot. „Unser Ziel ist es, Tradition zu bewahren und gleichzeitig neue Impulse zu setzen.“ Für die Zukunft von Mayer’s Waldhorn verfolgt sie eine klare Vision: „Weiterentwicklung ohne den Verlust der eigenen Identität.“ Im Mittelpunkt stehe dabei authentische Gastfreundschaft: „Ein Wert, der seit Jahrzehnten den Erfolg unseres Familienbetriebs prägt und auch künftig sichern soll.“

Blick auf das Gelände der Alten WebereiDas Gelände der Alten Weberei in Reutlingen-Mittelstadt. Foto: PR

Events statt Webstühle
Eine noch längere Geschichte hat die Alte Weberei in Reutlingen-Mittelstadt, die in diesem Jahr ein bedeutendes Jubiläum feiert: Das denkmalgeschützte Gebäude, erbaut 1876, kann auf 150 Jahre Industriegeschichte zurückblicken. Wo einst Webstühle in Betrieb waren, ist nach umfassender Modernisierung im Jahr 2009 eine vielseitige Eventlocation entstanden, die historische Bausubstanz mit zeitgemäßer Veranstaltungskultur vereint. Seit 2022 wird die Alte Weberei von den Geschäftsführern Felix Hahn und Marvin Müller geführt.

Mit flexibel nutzbaren Flächen für 40 bis 400 Personen, integrierten Bar- und Loungebereichen sowie einem technisch vollausgestatteten Clubbereich biete der Standort optimale Voraussetzungen für unterschiedlichste Veranstaltungsformate, so Marvin Müller. „Entscheidend für den langfristigen Erfolg einer Eventlocation ist die konsequente Ausrichtung am Kunden. Die Ansprüche an Individualität, Erlebnis und Servicequalität steigen stetig – wer sich behaupten will, muss flexibel und innovativ agieren.“ Eine zentrale Herausforderung sieht er in der Positionierung am Markt. Insbesondere bei einem vollständig neu entwickelten und sanierten Standort wie der Alten Weberei hätten die Menschen häufig noch den früheren Zustand des Gebäudes vor Augen.

Man muss flexibel und innovativ agieren

Markante Industriearchitektur
Um diesem überholten Bild entgegenzuwirken, setzen Felix Hahn und Marvin Müller verstärkt auf Besichtigungen und gezielte Öffentlichkeitsarbeit. „Wir möchten allen potenziellen Interessenten die neue Alte Weberei näherbringen“, sagt Müller. Denn abgesehen von der eindrucksvollen Architektur und den historischen Stützen, an denen die Antriebswellen der Webstühle befestigt waren, erinnert heute kaum noch etwas an die einstige Nutzung des Gebäudes, wenngleich die markante Industriearchitektur weiter das äußere Erscheinungsbild des Areals prägt. 

Standortbedingte Nachteile aufgrund der Lage im ländlichen Raum sieht Marvin Müller nicht, im Gegenteil: „Mittelstadt ist verkehrstechnisch gut erreichbar und hat ein großzügiges Parkangebot. Zugleich ermöglicht die Lage im Grünen ohne direkte Nachbarschaft eine ganzjährige Nutzung und Feiern ohne Sperrstunde“, sagt er. Die nächsten Ziele sind klar: „Nun gilt es, unseren Bekanntheitsgrad weiter zu steigern und damit auch die Auslastung nachhaltig zu erhöhen.“/

(Dieser Artikel erschien in der WNA-Ausgabe 6+7/2026.)