Von der persönlichen Verantwortung über die Nachhaltigkeitsstrategie im Unternehmen bis hin zu Entscheidungen auf politischer Ebene: Was brennt den Unternehmen in der Region Neckar-Alb beim Thema Energie derzeit auf den Nägeln? WNA hat sich umgehört.
Foto: PR„Die Voraussetzungen für eine schnelle Energiewende waren nicht gegeben“
Burkhard Freiherr von Ow-Wachendorf, Inhaber des Guts Wachendorf, Starzach
Als die Energiewende 2020 avisiert wurde, war bereits klar, wie ambitioniert die Ziele waren. Trotzdem herrschte Zuversicht. Bis 2026, hieß es, gibt es günstigen Grünstrom für ganz Deutschland. Fünf Jahre später hat sich vielerorts Ernüchterung eingestellt. Die Voraussetzungen, die es für eine so schnelle Energiewende gebraucht hätte, waren schlicht nicht gegeben. Teils fehlen sie ja heute noch!
Als Investor im Bereich Solaranlagen weiß ich aus eigener Erfahrung, dass ein Projekt selbst dann, wenn die langwierigen Genehmigungsphasen überstanden sind, keineswegs in trockenen Tüchern ist. Ich bin etwa an einem Projekt der ENBW beteiligt, dessen Ziel ein neuer Freiflächen-Solarpark ist. Eine ganze Weile ging es gut voran: Der Ausbau der Fläche wurde mit aller Kraft vorangetrieben. Nur um dann festzustellen, dass die Infrastruktur für den Anschluss ans Stromnetz nicht bereit ist. Jetzt wird der Ausbau der Übergabestation von einem Jahr aufs nächste verschoben und alles zieht sich. /
Foto: PR„Energie ist ein zentrales strategisches Thema“
Michael Klas, Geschäftsführer der Klas Networks GmbH, Balingen
Wir sagen immer: Energie ist ein zentrales strategisches Thema, das sich nicht nur auf die Kostenstruktur eines Unternehmens auswirken, sondern auch über seine Zukunftsfähigkeit entscheiden kann. Deshalb lohnt es sich insbesondere für mittelständische Unternehmen, deren Elektrotechnik oft einen gewissen Sanierungsstau aufweist, die Energiewende als Chance zu sehen.
Hier kommen wir ins Spiel. Als Experten für Elektrotechnik unterstützen wir Unternehmen dabei, ihren Energiebedarf zu erfassen und zu optimieren. Wie viele verschiedene Maßnahmen dabei zum Erfolg führen können, unterschätzen übrigens die meisten. Aktuell wird viel über Photovoltaik gesprochen – und keine Frage: Die Erzeugung von günstigem Grünstrom ist ein wichtiger Teilbereich, in dem auch wir tätig sind. Wer aber nicht nur seinen eigenen Strom produziert, sondern gleichzeitig auch den Verbrauch senkt, hat mehr davon. Deshalb denken wir das Thema Energie ganzheitlich – vom Bezug über den Speicher bis hin zum Lastmanagement. /
Foto: PR„Es ist wichtig, Energieprojekte sinnvoll umzusetzen“
Stephan Laugwitz, Teamleiter Instandhaltung/Energiemanagementbeauftragter bei der August Steinmeyer GmbH & Co. KG, Albstadt
Wir stellen Kugelgewindetriebe her, die in nahezu jeder Produktionsmaschine, aber auch in Bereichen wie Luftfahrt und Medizintechnik zum Einsatz kommen. Unseren Energieverbrauch dokumentieren und analysieren wir seit 2015. Damals haben wir ein Energiemanagementsystem nach DIN ISO 50001 eingeführt. Seitdem konnten wir unseren jährlichen Verbrauch von rund 7,5 Gigawattstunden auf 5,5 Gigawattstunden reduzieren – das ist ein Unterschied von 27 Prozent.
Eine solche Ersparnis kommt aber natürlich nicht von ungefähr. Wir beschäftigen uns seit zehn Jahren intensiv mit dem Thema. In dieser Zeit konnten schon etliche Projekte umgesetzt werden, zum Beispiel die Optimierung von Lüftungs- und Kälteanlagen, Heizungs- und Druckluftsystemen. Besonders wichtig ist uns dabei, Energieprojekte sinnvoll umzusetzen. So, dass alle hinter den Maßnahmen stehen können: Es muss niemand darunter leiden, dass wir Energie sparen. Ein sicheres, komfortables Arbeitsumfeld hat immer Priorität. /
Foto: PR„Jede Interaktion mit Chat GPT kostet Energie – und das nicht zu wenig“
Ulf Siebert, Inhaber des Hofguts Rosenau (Schönweitz & Siebert GbR), Tübingen
Beim Thema Energie in der Wirtschaft müssen wir zwei Ebenen unterscheiden. Zum einen gibt es da den „digitalen“ Energieverbrauch, der durch all die Services entsteht, die wir gerne zur Datenübertragung nutzen. Der wird oft übersehen, weil er auf keiner Rechnung auftaucht! Aber jede E-Mail, jede Messenger-Nachricht und jede Interaktion mit Chat GPT kostet Energie – und das nicht zu wenig. Jeder sollte sich bewusst werden, wann dieser Verbrauch gerechtfertigt ist, im Privaten wie im Beruf.
Zum anderen spielen natürlich auch analoge Geräte eine große Rolle, zum Beispiel Heizung und Beleuchtung. Damit sie nicht mehr Energie verbrauchen als unbedingt notwendig, muss das ganze Team mitziehen. Die Heizkörper im historischen Hofgut Rosenau heizen zwei bis drei Stunden nach. Wollen wir Mehrkosten vermeiden, müssen wir sie abstellen, während noch Gäste im Haus sind, und das ist auch kein Problem. Bei uns gilt deshalb: Alle denken mit – und der Letzte macht das Licht aus. /
Foto: PR„Der finanzielle Druck entlang der Wertschöpfungskette steigt“
Michael Steidle, Geschäftsführender Gesellschafter und CEO der Mayer GmbH Tech Concepts, Meßstetten
Das große Problem, das ich in Bezug auf die Energiewende in Deutschland sehe, ist die Geschwindigkeit: Die Umstellung auf regenerative Energien wurde so abrupt begonnen, dass sie sich zur finanziellen Belastung entwickelt hat. In unserer Branche ist das seit mehreren Jahren zu spüren. Wir stellen keramische Beschichtungen her, etwa für Textilien. Unser patentiertes Verfahren dafür ist energieintensiv, da wir trocknen, fixieren und tempern müssen.
Gleichzeitig sind Vorprodukte wie Chemikalien oder Kunststoffe teurer geworden, da auch unsere Lieferanten inzwischen mehr für Energie bezahlen. Da jedes Unternehmen diese Preissteigerungen nur verzögert – und oft auch nur anteilig – an seine Kunden weitergeben kann, steigt der finanzielle Druck entlang der Wertschöpfungskette. Viele Betriebe stehen daher vor einer schwierigen Entscheidung: Opfern wir Eigenkapital, um diese Übergangsphase zu bewältigen, oder verlagern wir unsere Produktion an einen Standort mit günstigeren Konditionen? /
(Diese Statements erschienen in der WNA-Ausgabe 12/2025+1/2026.)