Verkehrsbranche

Digitalisierung auf ganzer Linie

Keine Frage, ohne Energie geht es nicht. Doch wie viel braucht es wirklich – und geht’s nicht vielleicht auch noch ein bisschen nachhaltiger? Zwei Unternehmer aus der Region berichten, wie die Energiewende in ihren Betrieben aussieht.

Porträtfoto von Oliver BaurOliver Baur ist seit Anfang 2024 Geschäftsführer der Beutter Präzisions-Komponenten GmbH & Co. KG in Rosenfeld. Foto: PR

Ob Öl, Gas oder Strom: Die Energiepreise sind und bleiben hoch. Ein Grund mehr, den eigenen Verbrauch kritisch zu hinterfragen. Das findet auch das Team der Beutter Präzisions-Komponenten GmbH & Co. KG. Am Unternehmenssitz in Rosenfeld entstehen Lösungen, die unter anderem im Bereich Aerospace/Defence, in Medizintechnik und Halbleiterindustrie sowie im Spezialmaschinenbau zum Einsatz kommen. „Wir fertigen für unsere Kunden passgenaue Einzelkomponenten und Baugruppen auf einem technisch anspruchsvollen Niveau“, erklärt der Geschäftsführer Oliver Baur. „Eine sichere Energieversorgung ist dafür essenziell. Gleichzeitig fühlen wir uns dem Pariser Klimaabkommen und den nächsten Generationen verpflichtet. Deshalb legen wir beim Thema Energie großen Wert auf Nachhaltigkeit.“

Mehr Effizienz dank Energieaudit
Aus diesem Grund hat das Unternehmen nicht nur all seine Verträge auf Grünstrom umgestellt: Vor rund drei Jahren wurde auch eine Photovoltaikanlage auf dem Dach des Firmensitzes installiert, die mit rund 210.000 Kilowattstunden pro Jahr einen großen Teil des Energiebedarfs in der Fertigung deckt. „Dabei haben wir es aber nicht belassen“, fügt Oliver Baur hinzu. „Parallel haben wir damit angefangen, unsere Prozesse zu analysieren. Das kann ich nur empfehlen, denn: Ohne Transparenz keine Effizienz. Direkt nachdem wir unseren Verbrauch kannten, haben wir damit begonnen, ihn gezielt zu reduzieren. Unser Ziel ist es, nur dort Energie zu verbrauchen, wo sie auch wirklich einen Beitrag zur Wertschöpfung leistet.“

Jede LED-Leuchte leistet einen wertvollen Beitrag

Oliver Baur, Beutter Präzisions-Komponenten GmbH & Co. KG, Rosenfeld

Welchen Unterschied es macht, Energieströme sichtbar zu machen, davon kann auch Tobias Fischer berichten. Als Braumeister und Betriebswirt führt er gemeinsam mit seinen Schwestern Petra Ott-Fischer und Andrea Fischer-Ulbrich in dritter Generation die Familientradition in Fischer’s Brauhaus fort. Am Firmensitz in Mössingen wird aber nicht nur Bier gebraut: Hier werden auch Süßgetränke produziert – und so viel Strom, dass es sowohl für die Brauerei als auch für das benachbarte Hotel reicht, das ebenfalls zum Unternehmen gehört. „Die ersten Solarpaneele kamen vor 20 Jahren aufs Dach“, erzählt Tobias Fischer. „Das war eine Idee meines Vaters, die sich schnell bezahlt gemacht hat. Unser Energieverbrauch ist schließlich ein gutes Stück höher als in anderen Betrieben, weil wir in der Brauerei sowohl kochen als auch kühlen.“

An Sommertagen wird die Produktion vollständig mit Solarstrom versorgt. Doch was, wenn die Sonne nicht scheint? Um das Potenzial der Photovoltaikanlage noch effizienter auszuschöpfen, führte Fischer’s Brauhaus vor vier Jahren ein neues Prozessleitsystem ein. „Dafür war ein Energieaudit notwendig, das uns neue Impulse geliefert hat“, erinnert sich Fischer. „Viele Prozesse, die automatisch ablaufen und nur im richtigen Moment gestartet werden müssen, werden jetzt durchgeführt, wenn genug Strom da ist. Zum Beispiel kann das warme Wasser für Montag nun je nach Wetterlage am Freitag, Samstag oder Sonntag erzeugt werden.“

Andrea Fischer-Ulbrich, Petra Ott-Fischer und Tobias Fischer stehen nebeneinander im Freien und lachen in die KameraTobias Fischer führt Fischer’s Brauhaus in Mössingen gemeinsam mit seinen Schwestern Andrea Fischer-Ulbrich und Petra Ott-Fischer (von rechts). Foto: Jill Carstens/Fischer’s Brauhaus

Kleine Schritte, große Veränderungen
Wie sieht sie aus, die energieeffiziente Wirtschaft von morgen? „Wir kommen nicht umhin, uns auch in den kommenden Jahren intensiv mit dieser Frage zu beschäftigen“, zeigt sich Oliver Baur von der Beutter Präzisions-Komponenten GmbH & Co. KG überzeugt. „Wie die Energiewende in Deutschland aktuell umgesetzt wird, halte ich aber nur für bedingt zielführend. Auf der politischen Ebene werden meist Null-oder-Eins-Entscheidungen getroffen. Dabei könnten doch gerade die Kommastellen dazwischen einen enormen Unterschied machen! Nicht alle Unternehmen sind in der Lage, ihre Prozesse auf einen Schlag umzustellen, aber was spricht dagegen, die Energiewende in der Zwischenzeit mit vielen kleinen Schritten voranzutreiben?“, überlegt er. „Jede LED-Leuchte, jeder Bewegungsmelder und insbesondere die Sensibilisierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten einen wertvollen Beitrag.“

Man findet immer noch eine Stellschraube

Tobias Fischer, Fischer’s Brauhaus, Mössingen

Auch das Team von Fischer’s Brauhaus setzt beim Thema Energieeffizienz auf kleine Schritte. Dank des neuen Prozessleitsystems wurden in der Brauerei zwar bereits viele große Neuerungen eingeführt, dennoch tüftelt das Team in Mössingen bis heute weiter. „Man findet doch immer noch eine Stellschraube, oder?“, fragt Tobias Fischer lachend. „An vielen hätten wir auch längst gedreht, wenn es die Gebäudetechnik zulassen würde. Es gibt so viele Messinstrumente – und ein erstaunlich großer Teil davon lässt sich nicht miteinander kombinieren.“ 

Ein gutes Beispiel dafür sei der Heizkessel im Hotel. „Den würden wir gern in unser Prozessleitsystem einbinden, damit wir die Abwärme aus der Brauerei noch effizienter zum Heizen nutzen können. Aber bisher: keine Chance.“ /

(Dieser Artikel erschien in der WNA-Ausgabe 12/2025+1/2026.)