Zeitgemäßes Ausbilden bedeutet, mit immer neuen Anforderungen Schritt zu halten. Die IHK unterstützt Ausbildungsbetriebe dabei – mit dem Azubi-Kolleg und der Ausbilderakademie. Eine Ausbilderin, ein Ausbilder und ein frisch ausgebildeter Kaufmann berichten.
Digital und klassisch vor Ort: Rund 240 Weiterbildungsangebote bieten das Azubi-Kolleg und die Ausbilderakademie der IHK im Jahr.
Foto: iStock.com/ElNarizDie Bruderhaus Diakonie ist vor allem für ihre Angebote im Gesundheits- und Sozialwesen bekannt – von der Alten- und Behindertenhilfe über die Jugendhilfe bis hin zur Sozialpsychiatrie. Darüber hinaus begleitet die Stiftung jedes Jahr zahlreiche Nachwuchskräfte auf dem Weg ins Arbeitsleben. „Aktuell haben wir rund 300 Auszubildende in ganz Baden-Württemberg, die wir in insgesamt 12 Berufen ausbilden“, erzählt Nadine Gambino. „Hinzu kommen etwa 150 Freiwillige. Erfahrungsgemäß werden viele davon später ebenfalls eine Ausbildung bei uns beginnen.“
Individuelle Förderung
Gambino ist am Standort Reutlingen für die zentrale Ausbildungsleitung der Bruderhaus Diakonie zuständig. Ein besonderes Anliegen ist ihr dabei die individuelle Förderung der Nachwuchstalente. „Sowohl in der Berufsschule als auch im Arbeitsalltag fehlt es leider oft an Ressourcen, um intensiv auf jeden einzelnen Azubi eingehen zu können“, findet sie. „Umso wichtiger sind externe Weiterbildungsangebote, die es ermöglichen, die fachliche und persönliche Entwicklung gezielt voranzutreiben.“
Foto: PRUnsere Azubis können ihre Stärken ausbauen
Nadine Gambino, Ausbildungsleiterin der Bruderhaus Diakonie, Reutlingen
Mindestens einmal im Jahr bietet die Bruderhaus Diakonie in Reutlingen ihren Auszubildenden in der IT und in den kaufmännischen Berufen daher die Möglichkeit, sich über das IHK-Azubi-Kolleg weiterzubilden. „Das Angebot ist so groß und vielfältig, dass wir die Azubis damit auf ihren ganz persönlichen Lernwegen unterstützen können“, erklärt Nadine Gambino. „Die Seminare geben ihnen nicht nur die Chance, an ihren Schwachstellen zu arbeiten. Auch die Stärken, die unsere Auszubildenden mitbringen, können hier ausgebaut werden.“
Foto: PRDie Meinung eines Experten zu hören bringt einen noch mal ein Stück weiter
Moritz Kalbfell, Kaufmann für Groß- und Außenhandelsmanagement bei der Sanitär-Bez GmbH, Reutlingen
Mehr als Prüfungsvorbereitung
Welchen Unterschied ein gutes Seminar im richtigen Moment machen kann, das weiß auch Moritz Kalbfell. Beim WNA-Interview im Juni war er im dritten Jahr seiner Ausbildung bei der Sanitär-Bez GmbH in Reutlingen – und nur wenige Tage von der mündlichen Abschlussprüfung entfernt. „Ich habe den Prüfungsvorbereitungskurs des Azubi-Kollegs besucht, weil ich mich hier konzentriert auf den Endspurt vorbereiten konnte“, berichtet er. „Mindestens genauso viel haben mir aber auch die anderen Seminare gebracht, die ich in den letzten Jahren belegt habe.“
Ein Kurs, an den er sich besonders lebhaft erinnert, drehte sich zum Beispiel um die Frage, wie ein souveräner Umgang mit schwierigen Kunden aussehen kann. „Gerade die Weiterbildungen zu Themen, die einen als Azubi echt stressen können, fand ich immer am besten“, erzählt Moritz Kalbfell. „Die Meinung eines Experten zu hören und ein paar zusätzliche Tipps an die Hand zu bekommen, das bringt einen noch mal ein Stück weiter.“
Inzwischen hat Moritz Kalbfell seinen Abschluss in der Tasche und wurde als Kaufmann für Groß- und Außenhandelsmanagement von seinem Ausbildungsbetrieb übernommen. Einer der Gründe, weshalb er schon lange wusste, dass er bleiben will? „Unser Chef sagt immer: Man lernt nie aus. Und das wird in unserem Betrieb wirklich gelebt“, erzählt Kalbfell. „Das fand ich schon als Azubi toll. Wenn mein Ausbilder auf mich zukommt und mir die Teilnahme an einem IHK-Kurs vorschlägt, fühle ich mich gesehen – und das motiviert.“
Foto: PRMan muss fachlich und pädagogisch fit bleiben
Christoph Niegisch, Ausbilder bei der Sanitär-Bez GmbH, Reutlingen
Fachlich und pädagogisch fit bleiben
Für Christoph Niegisch ist Moritz Kalbfells Erfolg das schönste Kompliment – denn gemeinsam mit einer Kollegin betreut er die kaufmännischen Auszubildenden der Sanitär-Bez GmbH. Unter Anleitung der Experten durchlaufen die Young Talents alle Abteilungen des Großhändlers, um sich mit den Abläufen vertraut zu machen. Eine gute Lernumgebung, davon ist Niegisch überzeugt, entsteht aber nicht nur durch fachliche Expertise: Auch das Rollenverständnis der Ausbilder spiele eine zentrale Rolle.
„Früher galt ja die klassische Holschuld: Wenn ein Azubi etwas wissen wollte, musste er sich melden. Wer das nicht gemacht hat, blieb auf der Strecke“, erinnert sich Christoph Niegisch. „Zum Glück sind diese Zeiten vorbei! Ausbilder sind heute nicht mehr reine Wissensvermittler, sondern auch Coaches und Mentoren. Und das ist gut so. Ausbildung ist schließlich ein gemeinsames Projekt, das viel besser gelingt, wenn beide Seiten aufeinander zugehen.“
Dafür brauche es allerdings ein feines Gespür für die Bedürfnisse der Auszubildenden. „Man muss fachlich und pädagogisch fit bleiben“, erklärt Christoph Niegisch. Dabei helfen ihm und seinen Kollegen die Seminare der IHK-Ausbilderakademie. „Die fachlichen Impulse ermöglichen es uns, die Ausbildungsqualität immer weiter zu verbessern. Außerdem wissen wir den Austausch unter Ausbildern sehr zu schätzen – auch die Tipps und Tricks der Kollegen bringen immer wieder frischen Wind in vertraute Prozesse.“ /
(Dieser Artikel erschien in der WNA-Ausgabe 8+9/2026.)
Hier geht es zu allen Seminaren des IHK-Azubikollegs und der IHK-Ausbilderakademie.
