Mit welchen Herausforderungen sehen sich Ausbildungsbetriebe in der Region Neckar-Alb derzeit konfrontiert? Was ist heute anders als früher und welche neuen Wege gehen sie, um junge Menschen für sich zu gewinnen? WNA hat sich umgehört.
Foto: PR„Berufsorientierung gelingt nur, wenn die Firmen vor Ort mitziehen“
Denis Dimster, Personalreferent und Ausbildungsleiter bei der Gebr. Knauer GmbH + Co. KG, Dettingen an der Erms
Wir sind innerhalb der Kolb-Group das Kompetenzzentrum, wenn es um offsetbedruckte Faltschachtelverpackungen geht. Daher bilden wir unter anderem Medientechnologen, Mediengestalter und Packmitteltechnologen aus. Leider fehlen jedoch qualifizierte Bewerbungen. Wir haben den Eindruck, dass viele Schülerinnen und Schüler beim Abschluss noch nicht wissen, was sie machen wollen. Um für sie eine Brücke vom Schul- ins Berufsleben zu bauen, sind wir Bildungspartner der Schönbein-Realschule in Metzingen.
Berufsorientierung kann nur gelingen, wenn die Unternehmen vor Ort mitziehen, wenn wir Gelegenheiten zum Entdecken und Erkunden schaffen, zum Beispiel im Rahmen eines Praktikums oder einer Betriebsbesichtigung. Erhebliche Vorteile verschafft uns die IHK-Goldcard. Mit ihr haben wir einen Stand bei den IHK-Berufsinfotagen sicher – und auch das Messetraining kommt bei unseren Azubis, die bei solchen Events im Mittelpunkt stehen, ausgesprochen gut an. /
Foto: PR„Die Bewerber sind heute deutlich jünger als früher“
Heidemarie Gogl, Ausbildungsleiterin bei der Metro Deutschland GmbH, Gomaringen
Die Metro Deutschland GmbH ist zwar eigentlich ein Großhandel, doch in unseren Gastro-Märkten – etwa am Standort in Gomaringen – bilden wir auch Kaufleute und Verkäufer für den Einzelhandel aus. Als Ausbildungsleiterin fällt mir dabei seit einigen Jahren auf, dass die Bewerberinnen und Bewerber heute deutlich jünger sind als früher. Das bedeutet nicht nur, dass wir als Ausbilder noch einen guten Teil der Pubertät zusammen mit den Azubis erleben: An manchen Stellen greift schlicht der Jugendschutz.
Manche Maschinen dürfen Minderjährige zum Beispiel nicht ohne Aufsicht bedienen. Deshalb achten wir inzwischen darauf, dass unsere Azubis mindestens 16 Jahre alt sind. Einfach aus dem Grund, dass wir so mehr Möglichkeiten für eine praxisnahe Ausbildung haben. Das ist uns wichtig, weil die Ausbildung auch eine Zeit sein soll, in der junge Menschen Selbstständigkeit und Selbstvertrauen entwickeln. Dafür schaffen wir gern den Raum und freuen uns, wenn wir nach dem Abschluss eine super Fachkraft übernehmen können. /
Foto: PR„Die Ausbildung ist individueller geworden“
Katrin Heim, Ausbildungsverantwortliche beim Landhotel Hirsch, Tübingen
Wir haben aktuell fünf Auszubildende: zwei Köche und drei Fachleute für Restaurants und Veranstaltungsgastronomie. In einem Landhotel wie unserem sind die Prozesse in Restaurant, Catering und Hotel allerdings eng miteinander verflochten. Deshalb lernen unsere Azubis nicht nur Küche und Restaurant kennen, sondern auch die Abläufe in der Hotellerie. Manche brauchen ein Weilchen, bis sie verstehen, warum dieser Blick über den Tellerrand so wichtig ist. Aber in kleinen Betrieben müssen unterschiedliche Berufsgruppen nun einmal Hand in Hand arbeiten können. Was im Restaurant passiert, kann sich auf die Buchungen im Hotel auswirken und umgekehrt.
Wenn ich mir so anschaue, was und wie unsere Azubis lernen, fällt mir aber eines ausgesprochen positiv auf: Die Ausbildung ist individueller geworden. Von bedarfsgerechter Förderung in der Berufsschule bis hin zu den Angeboten der IHK wird heute wesentlich besser auf schwächere Azubis eingegangen. Es geht menschlicher zu – und das freut mich sehr. /
Foto: PR„Ausbildung bedeutet, langfristige Perspektiven zu schaffen“
Silvia Ruff, Personalreferentin bei der Karl Küfner GmbH & Co. KG, Albstadt
Die Attraktivität einer Berufsausbildung wird zwar immer stärker beworben, in unserem Unternehmensalltag profitieren wir davon aber nicht. An unserem Standort in Albstadt bilden wir Industriemechaniker, Kunststoff- und Kautschuktechnologen sowie Industriekaufleute aus. Um die Ausbildungsplätze zu besetzen, müssen wir jedoch zunehmend aktiv werden. Als Hidden Champion spielt für uns dabei Sichtbarkeit eine wichtige Rolle. Wir arbeiten an individuellen Sieb- und Filterlösungen für Hightech-Anwendungen, die in ganz unterschiedlichen Branchen zum Einsatz kommen. Viele junge Menschen sind davon begeistert, sobald sie uns kennenlernen.
Genau hier liegt unsere Aufgabe: Für uns bedeutet Ausbildung, langfristige Perspektiven zu schaffen. Das wollen und müssen wir stärker nach außen tragen. Aus diesem Grund entwickeln wir derzeit unser Ausbildungsmarketing weiter. Im Herbst sind wir erstmals auf der Bildungsmesse „Visionen“ in Balingen vertreten und anschließend wollen wir gezielt unsere Schulkooperationen ausbauen. /
Foto: PR„Vielen Bewerbern fehlt die Vorstellung davon, was auf sie zukommt“
Ingo Straub, Geschäftsführer der Ingela GmbH, Bisingen
Von Engineering und Softwareentwicklung bis hin zu Schaltschrankbau und Service bieten wir unseren Kunden ein großes Spektrum an Leistungen aus den Bereichen Elektrotechnik, Robotik und Automatisierung. Die Ausbildung von Nachwuchskräften spielt dabei für uns seit jeher eine wichtige Rolle. Seit einiger Zeit fällt uns allerdings auf, dass viele junge Bewerber keine Vorstellung davon haben, was auf sie zukommt.
Deshalb haben wir mit Unterstützung der IHK eine Bildungspartnerschaft mit der Realschule Bisingen geschlossen: um vor Ort in den Klassen zu zeigen, was ein Elektroniker in der Fachrichtung Betriebstechnik im Arbeitsalltag macht. Dafür bringen wir zum Beispiel einen Übungsroboter mit, der mit einfachen selbst geschriebenen Programmen gesteuert wird. Außerdem laden wir interessierte Schülerinnen und Schüler in den Betrieb ein, wo sie mit unserem Team kleine Probierprojekte umsetzen. Das senkt die Hemmschwelle, sich um ein Praktikum oder einen Ausbildungsplatz zu bewerben, enorm. Man war ja schon einmal da und hat die Leute getroffen! /
(Diese Statements erschienen in der WNA-Ausgabe 8+9/2026.)