Digitale Ausbildung II:

Wenn KI beim Lernen hilft

Wie kann künstliche Intelligenz Auszubildende beim Lernen unterstützen? Die IHK Reutlingen arbeitet gemeinsam mit mehreren Partnern an einer digitalen Lernplattform für den Einsatz im Ausbildungsalltag. Ab Herbst 2026 wird „Meki“ an Berufsschulen in der Region erprobt.

Drei junge Azubis sitzen an einem Tisch und schauen auf ein Tablet, ein etwas älterer Ausbilder zeigt darauf und erklärt etwasDie digitale Lernplattform „Meki“ soll Azubis durch ihre Ausbildung begleiten und zugleich Ausbilderinnen und Ausbilder entlasten. Foto: goodluz - stock.adobe.com

Der Fachtext bleibt unverständlich, der Dreisatz will einfach nicht gelingen und im Kundengespräch fehlen die richtigen Worte: Solche Situationen kennen viele Auszubildende. Meist braucht es nur etwas Übung, um diese Probleme zu meistern. Bleiben sie jedoch bestehen, können sie den Ausbildungserfolg langfristig gefährden. Genau hier setzt das Projekt „Mehr erreichen mit KI“, kurz „Meki“, an. Gemeinsam mit der IHK Region Stuttgart und drei Universitäten entwickelt die IHK Reutlingen seit 2024 eine KI-gestützte Lernsoftware, die Azubis individuell unterstützt und ihnen den Weg durch die Ausbildung erleichtern soll.

Ausbildungsabbrüche verhindern 
„Die meisten Auszubildenden starten hoch motiviert in ihre Ausbildung“, sagt Julia Rist, „Meki“-Projektleiterin bei der IHK Reutlingen. „Manchmal fehlen ihnen aber Grundlagen, um dem Berufsschulunterricht gut folgen oder Aufgaben im Betrieb erfolgreich bewältigen zu können. In genau solchen Situationen soll die Lernplattform sie unterstützen.“ 

Den Anfang machen Ausbildungsberufe im Lager- und Verkaufsbereich. Dort treffen ein hoher Fachkräftebedarf und vergleichsweise viele Ausbildungsabbrüche aufeinander. Mit der Lernsoftware sollen Auszubildende dieser Branchen gezielt beim Erwerb von Grundkompetenzen unterstützt und ihre Chancen auf einen erfolgreichen Ausbildungsabschluss verbessert werden. Angebote für weitere Berufe sind geplant.

Mit Betrieben entwickelt
Die Lernplattform entsteht in engem Austausch mit Betrieben, Berufsschulen und Auszubildenden. Ihre Erfahrungen aus dem Ausbildungsalltag fließen direkt in die Entwicklung ein. „Uns ist wichtig, eine Lösung zu schaffen, die sich an der Ausbildungsrealität orientiert“, sagt Julia Rist.

Die Azubis können selbstständig üben

Azubis können die Anwendung am Smartphone, Tablet oder PC nutzen – sowohl im Berufsschulunterricht als auch im Ausbildungsbetrieb oder zu Hause. „Meki“ unterstützt sie dabei, Texte besser zu verstehen, Fachbegriffe zu wiederholen und Rechenaufgaben Schritt für Schritt zu üben. 

Davon profitieren alle Beteiligten: Auszubildende können in ihrem eigenen Tempo lernen und gewinnen mehr Sicherheit. Ausbildungsbetriebe und Berufsschulen erhalten eine zusätzliche Möglichkeit, junge Menschen gezielt zu fördern. Gleichzeitig werden Ausbilderinnen und Ausbilder entlastet, weil ihre Azubis grundlegende Ausbildungsinhalte selbstständig üben und Lernfortschritte besser nachvollzogen werden können. „‚Meki‘ soll die persönliche Begleitung in der Ausbildung nicht ersetzen, sondern sinnvoll ergänzen“, betont Julia Rist. „So bleibt den Ausbilderinnen und Ausbildern mehr Zeit für die praktische Ausbildung und die individuelle Betreuung.“

Nächster Schritt: Praxistest
Ab Herbst 2026 wird die erste Version der Lernsoftware an Berufsschulen in der Region erprobt, unter anderem am Beruflichen Schulzentrum in Hechingen und an der Philipp-Matthäus-Hahn-Schule in Balingen. Die gesammelten Rückmeldungen von Azubis, Lehrkräften und Unternehmen fließen anschließend in die Weiterentwicklung der Lernplattform ein. „Darüber hinaus freuen wir uns auch über alle anderen Ausbildungsbetriebe, die sich bei uns melden und ihre Praxiserfahrungen einbringen oder ‚Meki‘ testen möchten“, sagt Julia Rist. /

(Dieser Artikel erschien in der WNA-Ausgabe 8+9/2026.)

Hintergrund

„Meki“ ist ein Verbundprojekt unter der Leitung der IHK Reutlingen und wird als „InnoVET Plus“-Projekt aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. 

Die Verbundpartner sind die IHK Region Stuttgart, die Ludwig-Maximilians-Universität München, die Technische Universität München und die Universität Stuttgart. 

Julia Rist

Julia Rist

Ausbildung & Prüfungswesen
IHK-Zentrale
Position: Leiterin AusbildungsHub und Projektleiterin MEKI
Schwerpunkte: Eventmarketing und Social Media, Opening, Neujahrsfeier, Pop-up-Events, Lehrstellenrallyes, Azubis@Work, Ausbildungskampagne jetzt #könnenlernen, Willkommenskultur
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