Zittern müssen sie nicht, aber die Zukunft könnte trotzdem rosiger aussehen: Corona hat in Hotellerie und Gastronomie einiges verändert. Anja Stoll vom Hofgut Maisenburg in Hayingen sieht darin vor allem Chancen.
Anja und Markus Stoll sind die Geschäftsführer des Hofguts Maisenburg in Hayingen.
Foto: PR„Unsere Branche ist im Wandel“, erklärt Anja Stoll, die seit 2006 mit ihrem Mann Markus das Hofgut Maisenburg leitet. Als Event-Location haben sie mehr Planungssicherheit als klassische Gastronomen. Trotzdem spüren sie die steigenden Personalkosten, die kleiner werdenden Veranstaltungen und die stetig wachsende Konkurrenz.
Laut einer Umfrage des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) meldeten die Betriebe der Branche im Juli 2025 deutschlandweit durchschnittliche Umsatzverluste von 9,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Nach aktuellen Daten des Statistischen Bundesamtes setzten die Hoteliers und Gastronomen nach vorläufigen Ergebnissen im ersten Halbjahr 2025 real 15,1 Prozent weniger um als im Jahr 2019, dem letzten Jahr vor der Corona-Krise. „Der Markt verändert sich – und wir arbeiten daran, unseren Betrieb klar zu positionieren“, so Stoll.
Ausgehen ist zum Luxus geworden
Klassische Gastronomiebetriebe wie Dorfgasthöfe verschwinden zunehmend und viele Betriebe finden keinen Nachfolger. Gleichzeitig hat sich das Gästeverhalten verändert. „Viele Menschen gehen bewusster aus, für manche ist es auch zum Luxus geworden. Damit rückt das Preis-Leistungs-Verhältnis stärker in den Vordergrund.“
Wir haben die Möglichkeit, aus der Masse herauszustechen
Anja Stoll, Geschäftsführerin des Hofguts Maisenburg, Hayingen
Anja Stoll kann dieser Entwicklung aber auch Positives abgewinnen. „Mit Qualität, Individualität und konsequenter Kundenorientierung haben wir die Möglichkeit, aus der Masse herauszustechen.“ Die Maisenburg ist eine Allwetter-Location, mit neu gebautem Hotel. Um exklusiv zu bleiben, gibt es keine Parallelveranstaltungen. Den Tagungsmarkt erschließen sich die Stolls mit eigens finanzierter Glasfaser. Zudem können Hochzeiten bei ihnen nicht nur am Wochenende, sondern auch unter der Woche gefeiert werden – was günstiger für die Paare ist und für eine gute Auslastung sorgt.
Zukunft mit Zuversicht
Besonders wichtig ist den Betreibern der Maisenburg der faire Umgang mit ihren Beschäftigten: Flexible Arbeitszeiten, Unterkünfte direkt am Hofgut sowie Bonusprogramme helfen Anja und Markus Stoll dabei, Mitarbeiter zu gewinnen und im Betrieb zu halten.
Aber auch für die Branche insgesamt sind Lichtblicke in Sicht: Anja Stoll erhofft sich von der geplanten Senkung des Mehrwertsteuersatzes für Speisen auf sieben Prozent sowie von angekündigten Entbürokratisierungsmaßnahmen und der in Aussicht stehenden Einführung einer wöchentlichen statt täglichen Höchstarbeitszeit neue Spielräume. Für sie überwiegt deshalb die Zuversicht: „Es ist uns gelungen, auch in herausfordernden Zeiten zu wachsen und zu investieren. Daher blicken wir mit unserem Team optimistisch nach vorne.“ /
(Dieser Artikel erschien in der WNA-Ausgabe 10+11/2025.)