Smartphone in Betrieb und Schule

„Es braucht klare Regeln“

Jugendliche in Deutschland verbringen laut einer aktuellen OECD-Studie täglich im Durchschnitt bis zu sieben Stunden am Smartphone. Doch wie viel Smartphone ist im Betrieb und in der Schule erlaubt? WNA hat bei einer Ausbilderin, einem Ausbilder und bei einer Schulleiterin nachgefragt.

Zwei Jugendliche stehen vor einem grünen Hintergrund: Eine junge Frau hält sich ihr Smartphone ans Ohr, ein junger Mann tippt auf seinem Smartphone.Mit einer Änderung des Schulgesetzes ermöglicht es das Land Baden-Württemberg Schulen künftig, verbindliche Regeln für den Umgang mit Handys, Tablets und Smartwatches aufzustellen. Zugleich hat sich die grün-schwarze Landesregierung gegen ein generelles Handy-Verbot an Schulen ausgesprochen. Foto: Dean Drobot/shutterstock.com
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„Die Azubis sind mit dem Smartphone wesentlich vertrauter als mit einem Windows-Rechner“

Birthe Eberhardt, Ausbildungsleiterin bei der Baywa r. e. Solar Energy Systems GmbH, Tübingen

Vorweg: Unsere Auszubildenden machen einen wirklich guten Job und ich halte nichts davon, alle Jugendlichen über einen Kamm zu scheren. Bei einigen wenigen scheint das Smartphone inzwischen eine natürliche Verlängerung der Hand zu sein, anderen ist es nicht so wichtig. Uns fällt auf, dass die Azubis mit dem Handy mittlerweile wesentlich vertrauter sind als mit ei-nem Windows-Rechner. Suchen sie eine Information, nutzen sie ganz selbstverständlich das Smartphone und Chat GPT oder Google. Das Problem für uns Ausbilderinnen und Ausbilder ist dabei, dass wir oft nicht unterscheiden können, ob das Smartphone tatsächlich für die Arbeit oder Schule genutzt wird – oder privat.

Ist ein Azubi zu oft am Handy, ist es für uns schwer, Maßnahmen zu ergreifen. Da die Wegnahme des Smartphones gesetzlich verboten ist, müssen wir auf Einsicht und Disziplin setzen. Beides ist nicht immer vorhanden. Allerdings sollten wir Professionals uns bei diesem Thema manchmal an die eigene Nase fassen: Mein Smartphone liegt schließlich gerade auch neben mir ... /

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„Jeder weiß genau, was bei einem Verstoß passiert – und hat den Folgen zugestimmt“

Andreas Neumair, Ausbilder bei der Wafios AG, Reutlingen

Wer sein Handy ständig nutzt, ist abgelenkt. Das kann zu schlechten Noten oder Arbeitsergebnissen führen und auch die Unfallgefahr im Betrieb erhöhen. Es braucht also klare Regeln für den Umgang mit dem Smartphone im Unternehmen. Aus diesem Grund haben wir uns gemeinsam mit unseren rund 70 Auszubildenden im Ausbildungszentrum auf einen freiwilligen Handy-Verzicht bei der Arbeit verständigt und ein Regelwerk entwickelt.

Jede und jeder im Ausbildungszentrum weiß also ganz genau, was bei einem Verstoß gegen die Regeln passiert – und hat den Folgen zugestimmt. Wir sind überzeugt davon, dass ein Verzicht auf die Nutzung des Smartphones während der Arbeitszeit dazu beiträgt, die Lernumgebung und die Erfolge der Azubis zu verbessern. /

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„Das Schulklima hat sich deutlich verbessert“

Susanne Merkh, Rektorin der Brühlschule Genkingen, Sonnenbühl

Um einen störungsfreien Unterricht sicherzustellen und die Konzentration zu fördern, sind wir seit September 2024 eine smartphonefreie Schule. Vor Unterrichtsbeginn geben die Schülerinnen und Schüler ihre Smartphones und Smartwatches in dafür vorgesehenen Handytaschen ab. Nach dem Einsammeln werden die Taschen ins Lehrerzimmer gebracht, wo sie während der Schulzeit sicher verwahrt werden. Nach der letzten Schulstunde werden sie dann von der zuständigen Lehrkraft in den Klassen zurückgegeben.

Durch diese Regelung hat sich unser Schulklima deutlich verbessert. Die Pausensituation ist entspannter und es kommt wieder zu echten zwischenmenschlichen Interaktionen. Insgesamt ist der Schulalltag ruhiger geworden und stärker von respektvollem Miteinander geprägt. Sowohl das Kollegium als auch die Elternschaft und die Schülerinnen und Schüler finden die Regelung gut. Mittlerweile erkundigen sich sogar andere Schulen nach unserer Vorgehensweise, um sie eventuell zu übernehmen.

Tipps der IHK: Was Ausbilderinnen und Ausbilder tun können


1. Regeln festlegen
Definieren Sie als Ausbilderin oder Ausbilder gemeinsam mit Ihren Auszubildenden, ob und wie das Smartphone im Betrieb genutzt werden darf – je konkreter, desto besser. Bedenken Sie dabei, dass nicht jeder Blick aufs Smartphone privat ist. Legen Sie also auch fest, ob und in welchen Fällen es als Arbeitsmittel erlaubt ist.

2. Regeln kommunizieren
Machen Sie die festgelegten Regeln im Betrieb sichtbar – durch Aushänge, Plakate oder andere Visualisierungen, auf die Sie sich im Konfliktfall berufen können. Eventuell lassen Sie Ihre Azubis sogar eine „Handy-Vereinbarung“ unterschreiben. Denken Sie da-ran, auch die Eltern über die Regeln zu informieren. Hinter so mancher Kurznachricht stecken schließlich Mama oder Papa.

3. Konsequent vorgehen
Legen Sie fest, was bei Verstößen geschieht, und gehen Sie entsprechend vor. Ein einmaliger Verstoß ist vielleicht nur ein leichtes Vergehen, doch jede Wiederholung sollte deutlichere Konsequenzen (Gespräch mit der Personalleitung oder gar Abmahnung?) haben. Diese Konsequenzen müssen im Vorfeld allen bekannt sein.

4. Vorbild sein
Gehen Sie als Ausbilderin oder Ausbilder mit gutem Beispiel voran und lassen Sie Ihr Handy während der Arbeitszeit in der Tasche. So bleiben Sie glaubwürdig und liefern Ihren Azubis den Beweis, dass man auch ohne Handy einige Stunden überstehen kann. /

(Diese Statements und Tipps erschienen in der WNA-Ausgabe 10+11/2025.)