Am 8. März wird der baden-württembergische Landtag neu gewählt. WNA hat Unternehmerinnen und Unternehmer aus der Region gefragt, was sie von der künftigen Landesregierung fordern.
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Foto: PR„Ich erwarte von allen Parteien eine klare Zielvorstellung für die nächsten zehn Jahre“
Markus Berger, geschäftsführender Gesellschafter der B-Werk GmbH, Metzingen
Baden-Württemberg steht vor dem größten Wandel seit Jahrzehnten: die Automobil- und Zulieferindustrie, die Maschinenbaubranche, die Energieversorgung, der Einsatz von KI, die Bevölkerungsstruktur – alles verändert sich zugleich. Ich erwarte von allen Parteien eine klare und belastbare Zielvorstellung: Wie soll unser Land in zehn Jahren aussehen? Wie wollen wir wirtschaftlich dastehen? Welche Wertschöpfung sichern wir, welche müssen wir aufgeben, welche bauen wir neu auf?
Und vor allem erwarte ich einen Etappenplan mit messbaren Meilensteinen, um bei Investitionen, Genehmigungszeiten, Netzausbau, Qualifizierung und Produktivität besser zu werden. Dazu benötigen wir klarere Prioritäten, schnellere Verfahren und wirkungsvollere Maßnahmen als bisher – aber auch ehrliche Aussagen über die Kosten und möglichen Verzicht. Unsere neue Landesregierung muss es hinbekommen, dass Politik, Unternehmen, Kommunen und Bürger planbar an einem gemeinsamen Ziel arbeiten können: der Zukunft unseres Landes. /
Foto: PR„Ich wünsche mir eine praxisnahe Politik, die zuhört“
Bernhard Schoser, Inhaber der Modehaus Schoser GmbH, Trochtelfingen
Meine Forderung an die künftige Landesregierung ist ein Klassiker: Wir brauchen einen echten Bürokratieabbau. Ständig gibt es neue Gesetze, Verordnungen und Dokumentationsvorschriften, die wir einhalten müssen. Dieser bürokratische Aufwand kostet gerade uns kleine familiengeführten Betriebe enorm viel Zeit und Energie. Er behindert unseren Arbeitsalltag, anstatt ihn zu erleichtern. Hier wünsche ich mir praktikablere Lösungen, eine stärkere Politik des Zuhörens und Vertrauens sowie politische Entscheidungen, die sich mehr an der Realität des Mittelstandes orientieren.
Zugleich halte ich den Föderalismus für nicht mehr zeitgemäß und würde mir wünschen, dass die neue Landesregierung mit den Regierungen der anderen Bundesländer zentrale Regelungen für bestimmte Bereiche schafft. Diese Vereinheitlichung würde Kosten senken, Fairness schaffen und für mehr Klarheit sorgen – etwa bei den verkaufsoffenen Sonntagen: Bei uns in Baden-Württemberg sind pro Jahr nur drei davon erlaubt, in Berlin mehr als doppelt so viele. Das ist eine Ungleichbehandlung, die ich nicht nachvollziehen kann. /
Foto: PR„Wir brauchen Verwaltungsprozesse, die uns nicht ausbremsen“
Lucia Schmid, geschäftsführende Gesellschafterin der Emil Schmid Maschinenbau GmbH & Co. KG, Sonnenbühl
Ich sehe der Landtagswahl mit klaren Erwartungen entgegen. Wir Unternehmerinnen und Unternehmer benötigen politische Rahmenbedingungen, die Wachstum ermöglichen und Innovation fördern. Für mich ist dabei der Grundsatz „mehr Vertrauen, weniger Gesetze“ entscheidend. Wir benötigen weniger Hürden, schnellere Entscheidungen und Verwaltungsprozesse, die uns Betriebe nicht ausbremsen. Gleichzeitig brauchen wir eine verlässliche Energiepolitik, eine leistungsfähige Infrastruktur, wirksame Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel sowie klare Perspektiven für Digitalisierung und Transformation.
Baden-Württemberg lebt vom Mut seiner Unternehmen – und ich erwarte, dass die Politik diesen Mut unterstützt, statt ihn durch übermäßige Komplexität zu ersticken. Die künftige Landesregierung sollte die wirtschaftliche Stärke unseres Landes ausbauen und vorantreiben. /
Foto: PR„Digitale Kompetenzen müssen verbindlicher Bestandteil der Lehrpläne werden“
Kerstin Stier, Geschäftsführerin der Engomo GmbH, Albstadt
Als Unternehmerin in der Tech-Branche erwarte ich von der neuen Landesregierung vor allem konsequente Investitionen in die Zukunftsfähigkeit unseres Landes. Bildung ist dabei der zentrale Hebel. Digitale Kompetenzen, künstliche Intelligenz und finanzielle Bildung müssen verbindlicher Bestandteil der Lehrpläne werden, um junge Menschen realistisch auf die Arbeitswelt vorzubereiten. Gleichzeitig brauchen wir für eine echte Vereinbarkeit von Beruf und Familie bessere, verlässliche Betreuungsangebote für alle Altersstufen – von der Kita bis zur weiterführenden Schule.
Zudem muss Baden-Württemberg als Wirtschaftsstandort auch im ländlichen Raum attraktiver werden. Regionen abseits der Metropolen bieten enormes Potenzial für Fachkräfte und innovative Unternehmen, werden aber durch mangelnde Infrastruktur ausgebremst. Eine verlässliche Bahnanbindung und eine gezielte Standortförderung sind entscheidend, um Talente zu gewinnen und zu halten. /
(Diese Statements erschienen in der WNA-Ausgabe 2+3/2026.)
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