IHK-Präsident Johannes Schwörer nach den ersten 100 Tagen im Amt

„Abwärtsspirale nicht fortsetzen“

Am 1. November war Johannes Schwörer 100 Tage im Amt des IHK-Präsidenten. „Ich mache mir Sorgen, wie es in unserem Land weitergehen kann“, sagt er nach seinem Start in wirtschaftlich schwierigen Zeiten.

Porträtfoto von Johannes SchwörerJohannes Schwörer, 58, wurde im Juli 2025 zum Präsidenten der IHK Reutlingen gewählt. Der studierte Jurist ist seit 1995 bei der Schwörer Haus KG in Hohenstein tätig – zunächst als Prokurist, seit 1998 als persönlich haftender Gesellschafter. Ab 2005 engagierte er sich in der IHK-Vollversammlung. Von 2011 bis 2025 war er IHK-Vizepräsident. Foto: Trinkhaus

In den ersten drei Monaten seiner Amtszeit hat Johannes Schwörer vor allem die persönlichen Gespräche gesucht – mit Ministern, Abgeordneten, Bürgermeistern und Verbandsvertretern. Seine Resonanz fällt positiv aus: „Die Politik hört der IHK zu und schätzt ihre Argumente.“ Außerdem hat Schwörer mit Unternehmerinnen und Unternehmern gesprochen, vor allem außerhalb der eigenen Branche. „Ich wollte hören, wie es derzeit läuft.“ 

Das sagt die Wirtschaft
Die aktuelle Lage und die Zukunftsaussichten der Unternehmen sind nach wie vor mäßig. Die Betriebe leiden unter der US-Zollpolitik, den Krisen auf der Welt und dem Krieg in der Ukraine. Die hohen Energiepreise sehen viele Unternehmen – allen voran der Maschinenbau, die Automobilzulieferer und die Textilindustrie – als echte Bedrohung. Das sorgt dafür, dass die Firmen derzeit nur sehr zurückhaltend investieren. Für Schwörer ist klar: „Die Wirtschaft braucht insgesamt Entlastung, wenn wir den Kern der heimischen Wirtschaft nicht dauerhaft ruinieren und die Abwärtsspirale des heimischen Standorts nicht fortsetzen wollen.“ Er erwartet von der Bundesregierung, dass sie „zumindest einmal ihr Versprechen aus dem Koalitionsvertrag umsetzt und die Stromsteuer für die gesamte Wirtschaft senkt“. 

„Herbst der Reformen“ enttäuscht
Vom angekündigten „Herbst der Reformen“ zeigt sich Schwörer enttäuscht. Die Bundesregierung habe ihre großen Versprechen bis-her nicht umgesetzt. Stattdessen glänze sie mit öffentlich ausgetragenen Kämpfen. Die Verwaltung sollte sich um bürokratische Entlastungen und das Verschlanken ihrer Prozesse kümmern, kritisiert Schwörer. „Das würde auch den Fachkräftemangel etwas abmildern: Die Menschen aus der Verwaltung könnten in der Wirtschaft gut gebraucht werden.“

Einsatz der IHK ausbauen
Während seiner Amtszeit will sich Johannes Schwörer dafür engagieren, dass die IHK ihren Einsatz für die Wirtschaft weiter ausbaut – von der Ausbildung junger Menschen über die Unterstützung für Gründerinnen und Gründer bis hin zur Umsetzung von Innovationen in Geschäftsmodelle. Dafür braucht es passende Rahmenbedingungen seitens der Politik: Breitbandausbau, eine verlässliche Stromversorgung, Gewerbeflächen, Verkehrswege. Die IHK wird sie als Sprachrohr für ihre Mitglieder weiter einfordern.

Jeder Tag ohne Formular ist ein Tag für Beschäftigung und Innovationen

IHK-Präsident Johannes Schwörer

Großes Unverständnis äußert Johannes Schwörer in Bezug auf die Entscheidung der Bundesregierung, wichtige Verkehrsprojekte in der Region nicht umzusetzen. In einem Brief an Verkehrsminister Schnieder hat die IHK Verlässlichkeit für die Umsetzung und Finanzierung gefordert. „Wir bleiben an dem Thema dran und planen eine größere Aktion, um die Aufmerksamkeit auf diese Projekte zu lenken“, stellt Schwörer in Aussicht. 

Agenda für die nächsten fünf Jahre
Für die kommenden fünf Jahre seiner Amtszeit bis Mitte 2030 hat sich Johannes Schwörer einige Schwerpunkte gesetzt: Er will die Region Neckar-Alb in Bezug auf Wettbewerbsfähigkeit und Lebensqualität stärken. „Die Unternehmen brauchen einen Standort, der attraktiv ist und funktioniert.“

Dem Fachkräftemangel, der angesichts konjunktureller und demografischer Lage für die Unternehmen ein Problem bleibt, will er gegensteuern. Zudem hat Schwörer die Entbürokratisierung auf seine Agenda genommen. „Jeder Tag ohne Formular ist ein Tag für Beschäftigung und Innovationen.“ Wichtig ist ihm zudem, dass Europa und der Binnenmarkt funktionieren. „Europa muss die Klammer für Frieden, Freiheit und Zusammenarbeit sein und bleiben.“ Nicht zuletzt wird sich Schwörer für die Nachhaltigkeit und Energieeffizienz von Betrieben einsetzen. „Wir wollen Unternehmen motivieren, weiter in Ressourcenschonung zu investieren und damit ihre eigene Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.“ 

Insgesamt zeigt sich Johannes Schwörer besorgt um den Wirtschaftsstandort Deutschland. „Gerade Fleiß, Mut und viele Innovationen haben uns stark gemacht. Wir müssen deshalb genau diese Tugenden wieder fördern und anerkennen, anstatt zu bremsen und zu regulieren.“ Er appelliert sowohl an die Politik, echte Reformen umzusetzen, als auch an die Wirtschaft, sich nicht entmutigen zu lassen. „Wir müssen die Innovationsfreude und die Tatkraft wieder erwecken und sie zum Treiber für unsere Region werden lassen.“ Dazu wolle er als IHK-Präsident seinen Beitrag leisten, so Schwörer.

(Dieser Artikel erschien in der WNA-Ausgabe 12/2025+1/2026.)

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