Aktueller IHK-Konjunkturbericht

Aussichten schwächer

Die Geschäfte der regionalen Firmen laufen noch ordentlich, doch die Aussichten trüben sich deutlich ein. Das zeigt die neue Konjunkturumfrage der IHK Reutlingen. 

Es ziehen Wolken aufEs ziehen Wolken auf: 43 Prozent der befragten Betriebe erwarten für die kommenden zwölf Monate schlechtere Geschäfte. Foto: theevening - stock.adobe.com

„Die Folgen von Krieg, Energiepreiskrise und Inflation haben die Region erreicht“, kommentiert IHK-Präsident Christian O. Erbe die Ergebnisse des neuen Konjunkturberichts. Die aktuelle Lage sehen 38 Prozent der Betriebe noch als „gut“ an, 53 Prozent nennen sie „befriedigend“. Im Frühsommer lagen die Werte noch bei 50 und 43 Prozent. Einen klaren Rückgang zeigen die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate: 43 Prozent der befragten Unternehmen rechnen mit schlechteren Geschäften (28 Prozent im Frühsommer). 44 Prozent erwarten gleichbleibende  Geschäfte (Frühjahr: 51 Prozent) und 13 bessere Geschäfte (Frühjahr: 21 Prozent). Der Konjunkturklimaindex aus Lage und Erwartungen sinkt insgesamt auf 95 Punkte – und damit erstmals seit dem Beginn der Corona-Pandemie wieder auf einen Wert unter 100. Gegenüber der Frühsommer-Befragung verliert der Index 20 Punkte.

Keine Insolvenzwelle
Trotz des schwierigen Umfeldes bleibt die Finanzierungssituation in den regionalen Unternehmen laut Umfrage in den meisten Fällen handhabbar. 60 Prozent bezeichnen ihre aktuelle Finanzierungssituation als „unproblematisch“. Der Wert hat sich gegenüber dem Herbst 2021 allerdings um 14 Prozentpunkte verschlechtert. 19 Prozent der Befragten beklagen aktuell einen Eigenkapitalrückgang und 15 Prozent verzeichnen Liquiditätsengpässe. „Die Region muss derzeit sicher keine Insolvenzwelle befürchten, weil viele Firmen die guten Jahre genutzt haben, um sich finanziell entsprechend aufzustellen. Aber die Reserven geraten jetzt unter Druck“, sagt Erbe.

Investitionen in Energieeffizienz
Zu den Treibern der konjunkturellen Abschwächung gehören die stark gestiegenen Energiepreise. Die Umfrage zeigt: 57 Prozent der heimischen Firmen können die Preise an ihre Kunden weitergeben. 42 Prozent nehmen die Preise zum Anlass, verstärkt in Energieeffizienz zu investieren.

Viele Firmen sind finanziell gut aufgestellt

„Die regionalen Unternehmen denken langfristig und wissen, dass sich das bezahlt machen wird“, so der IHK-Präsident. Am Ende, so ist er sich sicher, „werden wir bei uns den Energie-Change hinbekommen haben, viel schneller als andernorts. Wir sind innovationsfreudig und reagieren schnell auf die veränderte Lage.“

Mit Blick auf die aktuelle Diskussion um Strom- und Gasengpässe mahnt er allerdings deutlich, alle vorhandenen Optionen zur Gewinnung von Energie zu nutzen, unabhängig von politischen Präferenzen. „Wir brauchen Energie, Energie und nochmals Energie, um den Preisdruck aus den Märkten zu bekommen.“ Bei den Unternehmen, die Gas benötigen, zeigt sich dies auch bei der Frage nach möglichen Drosselungen im Rahmen einer Notfallstufe. 37 Prozent der befragten Firmen aus der Industrie wären davon betroffen und müssten dann absehbar ihre Produktion herunterfahren oder komplett einstellen.

Mit einem erkennbaren Dämpfer rechnen die Unternehmen, die im Außenhandel tätig sind. 42 Prozent der befragten Exporteure rechnen in den kommenden zwölf Monaten mit abnehmendem Geschäft außerhalb Deutschlands. Dieser Wert hat sich mehr als verdoppelt (Frühsommer: 20 Prozent). Mit Steigerungen im Export rechnen derzeit nur noch 18 Prozent (Frühsommer: 30 Prozent). Bei den Einschätzungen zum Außenhandel sind die regionalen Betriebe deutlich pessimistischer als im Baden-Württemberg-Vergleich. Hier lieg der Wert bei 33 Prozent. /

Hintergrund

An der Konjunkturumfrage der IHK hat sich eine repräsentative Auswahl von 363 Unternehmen aus den Landkreisen Reutlingen, Tübingen und Zollernalb beteiligt.

Antonia Hettinger

Antonia Hettinger

Hauptgeschäftsführung
IHK-Zentrale
Position: Leiterin Volkswirtschaft & regionale Wirtschaftspolitik
Schwerpunkte: Volkswirtschaft und regionale Wirtschaftspolitik, Gesundheitswirtschaft, Netzwerke Bau- und Immobilienwirtschaft, Projektmanagement, Young Professionals und Bauleitplanung
Telefon: 07121 201-256
E-Mail schreiben
vCard herunterladen
Zur Detailseite

Wir vertreten Ihre Interessen