Umbruch gestalten

„Robotik ist im Kommen“

Die regionale Wirtschaft ist im Wandel. IHK-Präsident Johannes Schwörer und IHK-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Epp sprechen im Interview über die Transformation, geopolitische Herausforderungen und die Stärken der Region Neckar-Alb.

Dr. Wolfgang Epp und Johannes Schwörer stehen nebeneinanderIHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Wolfgang Epp (links) und IHK-Präsident Johannes Schwörer. Foto: Trinkhaus

WNA: Die Landtagswahl liegt nun ein paar Wochen zurück. Was erwarten Sie von der künftigen Landesregierung?
Schwörer: Zunächst einmal, dass sie schnell ins Tun kommt. Die Zeit für viele Worte ist vorbei – und der Wahlkampf auch. Ich möchte die Parteien beim Wort nehmen: Grüne wie CDU haben im Wahlkampf versprochen, sich für den Erhalt von Unternehmen und Arbeitsplätzen einzusetzen. Dazu gehört für mich auch, dass Ressorts, die unmittelbar zum wirtschaftlichen Erfolg unseres Landes beitragen, mit Persönlichkeiten besetzt werden, die wirtschaftliche Erfahrung mitbringen. Sachverstand muss vor politischer Postenversorgung gehen. Neben dem Fokus auf die Wirtschaft muss das Land auch in Bildung investieren. Kluge Köpfe sind unser Fundament.
Epp: Auch wenn der Wahlkampf zu Missstimmungen zwischen den Beteiligten geführt hat, müssen sich die Verantwortlichen jetzt auf das Wesentliche konzentrieren. Die Betriebe erwarten einen ambitionierten Plan, wie es mit dem Land wirtschaftlich weitergeht. Baden-Württemberg muss Vorreiter bei Transformation und Strukturwandel bleiben.

Wo steht die Region in Sachen Transformation?
Schwörer: Die europäische Wirtschaft befindet sich mitten in der Transformation hin zu mehr Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Für Unternehmen bedeutet das: Nachhaltigkeit wird zunehmend Teil der Wettbewerbsfähigkeit. Die Klimaziele bleiben bestehen, werden inzwischen aber mit mehr Realitätssinn umgesetzt – das hilft unseren Betrieben. In Neckar-Alb spüren vor allem Automobilzulieferer den Wandel. Gleichzeitig sehe ich große Chancen: bei KI, Medizintechnik und innovativen Automatisierungslö-sungen. Hier ist unsere Region sehr gut aufgestellt.
Epp: Zudem beobachten wir, dass sich Neckar-Alb gerade zu einem echten Robotik-Cluster entwickelt. Wir haben hier vieles, was es dafür braucht: innovative Maschinenbauunternehmen, dynamische Start-ups, hochqualifizierte Fachkräfte und Spitzenforschung zu KI und Robotik.

Wir erleben mehrere Umbrüche gleichzeitig

Gleichzeitig machen die geopolitischen Spannungen auch der regionalen Wirtschaft zu schaffen.
Schwörer: Meine Antwort darauf ist: mehr Europa. Wir müssen als europäischer Wirtschaftsraum insgesamt handlungsfähiger werden – mit mehr Handelsabkommen, gemeinsamen Rohstoffpartnerschaften und einer stärker koordinierten Industriepolitik.
Epp: Unsere Unternehmen sind exportorientiert. Wir sind in der Welt zu Hause. Der Krieg im Nahen Osten, die Sperrung der Straße von Hormus und Einschränkungen im Luftraum sorgen aktuell dafür, dass Warenströme nicht mehr zuverlässig fließen und die Energiepreise steigen. Wir erleben mehrere Umbrüche gleichzeitig – geopolitisch, technologisch und wirtschaftlich. Das schafft Unsicherheit. Gleichzeitig entscheidet sich gerade jetzt, wer künftig Standards setzt, Wertschöpfung organisiert und Wohlstand sichert. Europa nimmt dabei eine zentrale Rolle ein.

Welche Rolle spielt die IHK bei diesen Umbrüchen konkret?
Epp: Unsere Aufgabe ist es, Orientierung zu geben und die Unternehmen bei diesen Veränderungen ganz praktisch zu unterstützen. Gerade kleine und mittlere Betriebe stehen vor der Herausforderung, große Transformationen im täglichen Geschäft umzusetzen. Deshalb setzen wir auf konkrete Angebote: von Weiterbildungen über Netzwerke bis hin zu Projekten rund um Nachhaltigkeit, Digitalisierung, KI oder Cybersicherheit. Unser Ziel ist es, dass Unternehmen nicht nur über die Transformation sprechen, sondern sie auch erfolgreich gestalten können.
Schwörer: Zugleich vertreten wir mit unserem starken Ehrenamt die Interessen der Wirtschaft auf allen politischen Ebenen. Viele zentrale Rahmenbedingungen, etwa im Bereich der Energiepolitik, entstehen in Berlin oder Brüssel. Unsere Aufgabe ist es, die Perspektive der regionalen Wirtschaft dort einzubringen und dafür zu sorgen, dass politische Entscheidungen auch in der Praxis funktionieren. Denn am Ende geht es darum, die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen zu sichern. /

(Dieses Interview erschien in der WNA-Ausgabe 4+5/2026.)

Dr. Wolfgang Epp

Dr. Wolfgang Epp

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