Meine Meinung

In der Rubrik „Meine Meinung“ geht es um klare Worte und persönliche Einschätzungen. Hier kommentieren Personen aus dem IHK-Ehrenamt und dem IHK-Management aktuelle Entwicklungen. 

Mehr Marktwirtschaft

Porträtfoto von Dr. Wolfgang EppFoto: Trinkhaus

„Mut und Verantwortung gehen verloren“

Dr. Wolfgang Epp, IHK-Hauptgeschäftsführer

Tankrabatt, Preisbremsen, Diskussionen über eine Übergewinnsteuer: Der Staat greift ein und korrigiert. Das ist oft gut gemeint, in der Summe aber der falsche Weg. Wo der Markt arbeiten sollte, übernimmt die Politik. Dabei hat das Vertrauen in Unternehmen und Wettbewerb unseren Wohlstand geschaffen. Die soziale Marktwirtschaft lebt davon, dass der Staat den Rahmen setzt und die Wirtschaft ihn mit Leben füllt. Innovationen lassen sich nicht verordnen, sie entstehen. Wachstum lässt sich nicht planen, es entwickelt sich. Wir erleben jedoch eine Politik, die ins Detail geht. Preise werden beeinflusst und Risiken abgefedert. Das mag kurzfristig entlasten – langfristig gehen Mut und Verantwortung verloren. 

Wir sehen in unseren Betrieben, was entsteht, wenn Spielräume da sind: Investitionen, Ideen, die Fähigkeit zur Anpassung. All das wird ausgebremst, wenn Eingriffe häufiger werden. Ein starker und handlungsfähiger Staat ist wichtig. Aber stark ist er nicht, wenn er alles regelt – sondern wenn er Verlässlichkeit schafft und sich zurücknimmt, wo der Markt besser funktioniert. Ohne Vertrauen in den Markt wird aus Steuerung schnell Stillstand. / 

(Dieser Beitrag erschien in der WNA-Ausgabe 6+7/2026.)

Zur sogenannten "Entlastungsprämie"

Porträtfoto von Christoph HeiseFoto: Kiehl

Ein politisches Symbol, mehr nicht

Christoph Heise, stellvertretender IHK-Hauptgeschäftsführer

Entlastungsprämie – auf diesen Namen muss man erstmal kommen. Die Berliner Regierungskoalition berät ein ganzes Wochenende über mögliche Erleichterungen für Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen mit Blick auf die gestiegenen Energiepreise – und am Ende steht ein Vorschlag, den in erster Linie Dritte bezahlen sollen. Richtig clever. Viele Betriebe hatten auf eine Senkung der Stromsteuer gehofft, so wie sie ja eigentlich schon im Koalitionsvertrag vereinbart ist. Das würde Unternehmen über alle Branchen und Größen entlasten und ihnen finanzielle Luft geben. Dazu ist es leider nicht gekommen. Die Entlastungsprämie aus Berlin übersieht, dass die konjunkturelle Situation dramatisch ist. Die Geschäfte laufen nicht gut und der Iran-Krieg gibt der Konjunktur bei uns erneut einen Dämpfer. Viele Betriebe können sich in der aktuellen Lage keine zusätzlichen Lohnsteigerungen leisten. Besser wäre es, wenn der Staat seine Abgabenlast senken würde. Dann bliebe allen mehr Netto vom Brutto und es gäbe auch niemanden, der von einer Entlastung ausgeschlossen wäre. Das größte Problem dieser Prämien ist, dass Vater Staat ein Strohfeuer entfacht. Es wird gerne übersehen, dass Staat und Sozialversicherung nach ersten Schätzungen insgesamt 12 Milliarden Euro durch die Entlastungsprämie entgehen werden. Wenn man diese Größenordnung zugrunde legt, wäre eine dauerhafte Senkung der Abgabenlast absolut möglich. Dazu kommt: Die Entlastungsprämie ist keine Antwort auf die Energiepreiskrise. Sie ist ein politisches Symbol, das Handlungsfähigkeit ausdrücken soll – und zeugt leider von der Wirtschaftsferne der Regierungskoalition in Berlin. /

(Dieser Beitrag erschien im April 2026.)

Morgenstern zum Sondierungspapier von Grün/Schwarz

Porträtfoto von Robin MorgensternFoto: PR

„Was wir jetzt brauchen, ist Mut zu echten Reformen“

Robin Morgenstern, Vizepräsident der IHK Reutlingen

Was mir am Sondierungspapier von Grün-Schwarz gefällt? Wirtschaft steht an erster Stelle. Doch leider ist es geprägt von unverbindlichen Allgemeinplätzen – insbesondere im Bereich Wirtschaft. Ausgründungen aus Hochschulen sollen „erleichtert und unterstützt“ werden, die Landesagentur für Zuwanderung „gestärkt“, der Glasfaserausbau „vorangetrieben“. Das klingt gut, bleibt aber zu oft im Ungenauen. Selbst bei konkret wirkenden Punkten wie dem Bürokratieabbau fehlt es an Klarheit. Wenn Genehmigungsfiktionen ausgeweitet werden sollen, stellt sich sofort die Frage: In welchen Bereichen genau? Bis wann? Und mit welcher Verbindlichkeit? Dass es anders geht, zeigt das Effizienzgesetz. Sämtliche Dokumentationspflichten sollen bis 31. Dezember 2027 unter bestimmten Voraussetzungen auslaufen. Hier wird klar benannt, was passiert – und vor allem bis wann. Genau diese Verbindlichkeit braucht es auch in anderen zentralen Politikfeldern. Ich sehe die große Gefahr, dass viele der angekündigten Vorhaben in den anstehenden Koalitionsverhandlungen verwässert werden und am Ende nur symbolische Schritte übrigbleiben. Dabei ist die Lage ernst. Der Strukturwandel ist längst im Land angekommen. Was wir jetzt brauchen, ist Mut zu echten Reformen – und der klare politische Wille, aus vagen Ankündigungen konkrete Maßnahmen zu machen. Die starke Mehrheit im Landtag sollte genau dafür genutzt werden. /

(Dieser Beitrag erschien im April 2026.)

Chefsache Cybersicherheit

Porträtfoto von Robin MorgensternFoto: PR

„Jedes Unternehmen muss seine digitale Infrastruktur und seine sensiblen Daten schützen“

Robin Morgenstern, Vorsitzender des IHK-Digitalisierungsausschusses

87 Prozent der deutschen Betriebe waren 2024 und 2025 von Cybercrime betroffen. Diese Zahl aus einer aktuellen Bitkom-Studie macht deutlich, dass prinzipiell jedes Unternehmen Ziel eines Angriffs werden kann – unabhängig von Größe und Branche. Der Schaden ist oft existenzbedrohend. 

Umso wichtiger ist es für jedes Unternehmen, seine digitale Infrastruktur und seine sensiblen Daten zu schützen. Diese Sensibilisierung sehen wir auch als eine Aufgabe des IHK-Digitalisierungsausschusses. Cybersicherheit ist längst nicht mehr nur ein Thema für die IT-Abteilung, sie sollte vielmehr Chefinnen- und Chefsache sein. Die Geschäftsleitung muss bei ihren Beschäftigten ein Problembewusstsein für Cybersicherheit schaffen, am besten mit regelmäßigen Schulungen. 

Auch wenn ein Angriff noch einmal glimpflich ausgeht, ist der Reputationsverlust für das betroffene Unternehmen häufig groß. Ich bin daher überzeugt davon: Nur Unternehmen, die in ihre Cybersicherheit investieren, werden auf lange Sicht im Wettbewerb bestehen können. /

(Dieser Beitrag erschien in der WNA-Ausgabe 4+5/2026.)

Mit Optimismus 2026 gestalten

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„2026 kann das Jahr sein, in dem wir die Kurve bekommen“

Johannes Schwörer, IHK-Präsident

Wachstum, Wohlstand und Zukunft fallen nicht vom Himmel. Sie entstehen durch kluge Entscheidungen, mutiges Vorangehen und durch Menschen, die anpacken. Ich bin überzeugt: 2026 kann das Jahr sein, in dem wir die Kurve bekommen. Als Unternehmer bin ich Optimist – und eigentlich ist es gar nicht so schwer. Wir müssen uns, wie schon so oft, auf unsere Stärken besinnen und auf das, was wir können.

Als Region sind wir nach wie vor stark. Wir haben einen innovativen Mittelstand und sind Heimat von Branchen, die nach wie vor zukunftsträchtig sind. Mit dem Cyber Valley spielen wir bei der Entwicklung von künstlicher Intelligenz in der ersten Liga. Innovation ist in der Region Neckar-Alb zu Hause. 

Wir müssen uns nicht verstecken. Die Dichte an Weltmarktführern, Hidden Champions, Start-ups sowie leistungsfähigen Hochschulen und Forschungseinrichtungen ist bei uns enorm. Welche Region kann das von sich behaupten? Das ist die beste Basis für den nächsten wirtschaftlichen Aufschwung und für mich Grund genug, mit Zuversicht auf das kommende Jahr zu blicken. /

(Dieser Beitrag erschien in der WNA-Ausgabe 2+3/2026.)

Ausbildung braucht Vorbilder

Porträtfoto von Johannes SchwörerFoto: Trinkhaus

„Clips auf Social Media wecken falsche Erwartungen“

Johannes Schwörer, IHK-Präsident

„So wirst auch du reich!“ Auf Youtube springen mir Clips entgegen, in denen junge Menschen Jugendlichen versprechen, ohne Anstrengung reich werden zu können. Diese Botschaften sind gefährlich: Sie wecken falsche Erwartungen und zeichnen Lebensentwürfe, die nur für wenige wahr werden. Wir als Unternehmerinnen und Unternehmer müssen gegensteuern und den Jugendlichen zeigen, was wirklich trägt: Ausbildung schafft Können, Karrieren und die Möglichkeit, ein selbstständiges Leben zu gestalten.

Deswegen braucht Ausbildung echte Vorbilder. Und die entstehen dort, wo Begegnung stattfindet: in den Schulen, wenn Ausbildungsbotschafter zu Besuch kommen. In den Betrieben, wenn die Türen geöffnet werden und Jugendliche authentische Einblicke erhalten. Auch in Familie, Freundeskreis und Sportverein gilt: Jeder, der gerne arbeitet, kann Vorbild sein. Und natürlich auch auf Social Media. Alle Azubis, die auf ihren Kanälen von ihrem Berufsweg erzählen, sind für mich die wahren Stars. Ausbildung ist kein Plan B, wenn die Social-Media-Karriere ausbleibt. Ausbildung ist der Plan A. /

(Dieser Beitrag erschien in der WNA-Ausgabe 12/2025+1/2026.)

Wie umgehen mit politischen Kräften, die nicht in der Mitte sind? Die Debatte um die sogenannte „Brandmauer“ ist in der Wirtschaft angekommen.

Porträtfoto von Dr. Wolfgang EppFoto: Trinkhaus

„Reden heißt nicht zustimmen“ 

Dr. Wolfgang Epp, IHK-Hauptgeschäftsführer

Wenn es brennt, dann kann man Brandmauern aufstellen. Aber wer löscht dann das Feuer? Wir löschen das Feuer, indem wir mit AfD-Politikern und ihren Wählerinnen und Wählern ins Gespräch kommen. Reden heißt nicht zustimmen. Aber nur in der Auseinandersetzung kann man mit Argumenten überzeugen. 

Um es klar zu formulieren: Das Parteiprogramm der AfD bedeutet für die Wirtschaft nichts Gutes. Ein EU-Austritt wäre für unserer Unternehmen fatal. Wir sind mit dem Weltmarkt verflochten, der EU-Binnenmarkt gehört zu unseren größten Absatzmärkten. Über 60 Prozent der produzierten Waren und Dienstleitungen gehen ins Ausland. Die AfD will die Kita-Plätze reduzieren. Dieses Familienbild ist nicht zeitgemäß. Die Rentenvorschläge sind nicht gegenfinanziert. Unsere Wirtschaft ist auf qualifizierte Zuwanderung angewiesen. Wer ein Klima schafft, in dem sich Zuwanderer nicht wohlfühlen, nimmt in Kauf, dass uns wichtige Fachkräfte fehlen. Diese Aufzählung zeigt: Wir haben Themen, über die wir reden müssen. Und dabei können sich manche Aussagen von selbst entlarven. /

(Dieser Beitrag erschien im November 2025.)

Zum „Nein“ der Bürgerinnen und Bürger von Bad Urach zur Amazon-Ansiedlung

Porträtfoto von Christoph HeiseFoto: Kiehl

„Es geht uns zu gut“

Christoph Heise, stellvertretender IHK-Hauptgeschäftsführer

Die gute Nachricht von Bad Urach lautet: Der Volkswille funktioniert. Wenn Bürgerinnen und Bürger mit einer Entscheidung ihres Gemeinderats nicht einverstanden sind, lässt sich das an der Wahlurne korrigieren. So funktioniert Demokratie und als Demokraten halten wir das aus. Die schlechte Nachricht von Bad Urach: Für Infrastrukturprojekte wird es in Zukunft immer schwieriger. Ob Gewerbegebiet, Windrad oder Straße – wenn da was kommt, das möglicherweise stört, sind die Bürgerinnen und Bürger schneller dagegen als die Kommunalpolitik erklären und vermitteln kann. Dabei gerät völlig aus dem Blick, dass wir mit der Infrastruktur von heute morgen keinen Wohlstand mehr schaffen werden. 

Wir brauchen Flächen für Unternehmen, damit sie sich ansiedeln oder wachsen können. Wir brauchen bezahlbare Energie und zu unserem Energiemix gehören auch die Erneuerbaren. Und wir brauchen vernünftige Straßen, damit Pendler und Lieferungen zügig an ihr Ziel kommen. Die Liste ließe sich leicht verlängern. Das zweite Signal aus dem Bürgerentscheid von Bad Urach: Wer will sich dort künftig noch ansiedeln, wenn es vor Ort offensichtlich keine Willkommenskultur für Investitionen und Arbeitsplätze gibt? Dieses klare Zeichen wird dem Standort und der Region sicher lange Zeit nachhängen. Eine Konsequenz sieht man bereits in Bad Urach. Dort war der Verkaufserlös für die Amazon-Fläche im Haushalt 2026 eingeplant. Jetzt klafft erstmal eine Lücke. Wir werden für unser pauschales Dagegensein die Quittung bekommen – mit Stillstand, Rückschritt und Wohlstandsverlust und mit Sicherheit hat das schon angefangen. Derzeit geht es uns einfach zu gut. /

(Dieser Beitrag erschien im November 2025.)

Rentenreform? Wir müssen dringen handeln

Porträtfoto von Johannes SchwörerFoto: Trinkhaus

„Wenn wir unseren Wohlstand und den gesellschaftlichen Frieden erhalten wollen, müssen wir dringend handeln“

Johannes Schwörer, IHK-Präsident

Im Jahr 2036 werden alle Babyboomer das Rentenalter erreicht haben. Dem Arbeitsmarkt werden rund 19,5 Millionen Erwerbstätige fehlen, während gleichzeitig nur etwa 12,5 Millionen junge Menschen nachrücken werden. Diese Zahlen des Instituts der deutschen Wirtschaft sind lange bekannt – und doch fehlt es an entschlossenem Handeln. Wenn wir unseren Wohlstand und den gesellschaftlichen Frieden erhalten wollen, müssen wir dringend handeln. Wir brauchen eine Reform des Rentensystems und ein Bonussystem für diejenigen, die länger arbeiten. 

Die Diskussion darüber muss getragen werden von mutigen Politikerinnen und Politikern, die das Gemeinwohl über ihre Wiederwahl stellen. Wir brauchen Bürgerinnen und Bürger, die bereit sind, anzupacken. Wir müssen innovativ sein und gezielt KI und Robotik zum Einsatz bringen. Und wir brauchen qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland, die sich integrieren, die von uns willkommen geheißen werden und die ihren Beitrag für ihre neue Heimat leisten wollen. /

(Dieser Beitrag erschien in der WNA-Ausgabe 10+11/2025.)
 

Und morgen? - Zur „Initiative für einen handlungsfähigen Staat“

Porträtfoto von Dr. Wolfgang EppFoto: Trinkhaus

„Es mangelt uns schlicht am Willen zur Umsetzung“

Dr. Wolfgang Epp, IHK-Hauptgeschäftsführer

„Und täglich grüßt das Murmeltier“ war einer der witzigsten Hollywood-Blockbuster des späten 20. Jahrhunderts. Die Geschichte eines TV-Reporters, der in einer Zeitschleife steckt und jeden Morgen am gleichen Tag aufwacht und immer das Gleiche tun muss. Daran fühlte ich mich erinnert, als die „Initiative für einen handlungsfähigen Staat“ jüngst ihren Bericht vorstellte. Mit drin: 35 Vorschläge dafür, wie der deutsche Staat sich modernisieren kann. Und ja, die Vorschläge sind exzellent: Sozialstaat digitalisieren, Datenschutz straffen und gesetzliche Vorgaben reduzieren. Nun muss man fairerweise sagen: An guten und klugen Vorschlägen hat es noch nie gemangelt. Auch die IHKs haben immer wieder praktisch umsetzbare Empfehlungen abgegeben. 

Unser Problem ist jedoch ein anderes: Es mangelt uns schlicht am Willen zur Umsetzung. Es muss sicher keine Kettensäge sein, aber wir brauchen für echte Veränderung Haltung, Mut und Entschlossenheit. Das fängt beim neuen Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung an und endet bei jedem Einzelnen von uns. Sonst erwachen wir morgen mit den Ergebnissen der nächsten Expertenkommission. /

(Dieser Beitrag erschien in der WNA-Ausgabe 8+9/2025.)