Steueränderung 2021

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Was ändert sich für Unternehmerinnen und Unternehmer im kommenden Jahr? Nicht nur die Corona-Pandemie spielt eine Rolle, sondern auch reguläre Änderungen wie die Kfz-Steuer oder die Grundsteuerreform.

Gesetzlicher Mindestlohn steigt – ggf. Anpassung bei Minijobs erforderlich

Ab dem 1. Januar 2021 steigt der gesetzliche Mindestlohn von 9,35 Euro auf 9,50 Euro pro Stunde. Das gilt auch für Minijobber, die zum Beispiel im privaten Haushalt als Haushaltshilfe oder Gärtner tätig sind. Da der Minijobber im Monat maximal 450 Euro verdienen darf, muss eventuell die Arbeitszeit angepasst werden. Anderenfalls kann durch die Anhebung des Stundenlohns der sozialversicherungsfreie Minijob in Gefahr geraten.

„Elster-Formular“ wird eingestellt

Bislang konnten Steuererklärungen über die Software der Finanzverwaltung „Elster-Formular“ abgegeben werden. Diese Möglichkeit wird eingestellt. Das bedeutet: Die Einkommensteuererklärung für das Jahr 2020 (abzugeben im Jahr 2021) kann nicht mehr im „Elster-Formular“ erstellt werden, es steht aber das elektronische Finanzamt „Mein-Elster“ zur Verfügung. Wer für seine Einkommensteuererklärungen bislang das „Elster-Formular“ genutzt hat, sollte sich rechtzeitig umstellen. Details dazu findet man unter www.elster.de/eportal/start

Kfz-Steuer für Neuzulassungen geändert

Ab 2021 hängt die Kfz-Steuer stärker vom CO2-Ausstoß des Fahrzeugs ab. Dadurch steigt bei einigen Fahrzeugmodellen die Kfz-Steuer etwas an. Das soll die Bürger dazu motivieren, spritsparsamere Pkw zu kaufen. Bereits zugelassene Autos sind aber nicht betroffen! Die Änderung bezieht sich nur auf Fahrzeuge, die ab dem 1. Januar 2021 erstmalig zugelassen werden.

Hinweis: Bei sogenannten leichten Nutzfahrzeugen, die häufig von Handwerkern und Gartenbaubetrieben gefahren werden, erfolgt die Berechnung der Kfz-Steuer seit dem 23.Oktober 2020 entsprechend der straßenverkehrsrechtlichen Einordnung als Lkw. Das ist steuerlich günstiger. Auf die aufwendige Vorführung beim Zoll kann daher verzichtet werden. Alte Kfz-Steuerbescheide, die für den Transporter noch die Pkw-Besteuerung enthalten, sollen bis Ende 2020 automatisch geändert werden. Ein gesonderter Antrag ist nicht erforderlich.

Soli-Teilabschaffung kommt

Ab Januar 2021 fällt für viele Steuerzahler der Soli weg: Der Zuschlag wird bei einem ledigen Steuerzahler nicht mehr erhoben, wenn das zu versteuernde Jahreseinkommen nicht mehr als 62.121 Euro beträgt bzw. bei zusammenveranlagten Eheleuten 124.242 Euro. Bei höheren Einkommen fällt der Soli teilweise weg. Für viele Arbeitnehmer wird der Zuschlag automatisch ab Januar aus der Gehaltsabrechnung verschwinden. Die Teilabschaffung gilt auch für Selbstständige und Unternehmer, bei ihnen wird der Soli allerdings über die Steuervorauszahlungen abgerechnet. Basis ist dabei der letzte Steuerbescheid, der sich regelmäßig auf das Jahr 2019 – also auf das Einkommen vor der Corona-Krise – bezieht. Lag das Einkommen für 2019 ohnehin unter den zuvor genannten Beträgen, wurden in dem Vorauszahlungsbescheid keine Soli-Vorauszahlungen mehr festgesetzt. Lag das Vor-Corona-Einkommen noch über den oben genannten Werten und wurden deshalb Soli-Vorauszahlungen für 2021 vom Finanzamt im Bescheid ausgewiesen, bleibt das aktuelle Einkommen aber deutlich dahinter zurück, sollte ggf. eine Anpassung der Soli-Vorauszahlungen beim Finanzamt beantragt werden.

Umsatzsteuersätze werden wieder erhöht

Ein zentrales Element der Corona-Maßnahmen war die befristete Senkung der Mehrwertsteuer (fachsprachlich Umsatzsteuer): Im 2. Halbjahr 2020 galten für Waren und Dienstleistungen reduzierte Steuersätze von 5 bzw. 16 Prozent. Die Regelung läuft mit dem Jahreswechsel 2020/2021 aus, sodass ab dem 1. Januar 2021 wieder mit den regulären Steuersätzen von 19 bzw. 7 Prozent abzurechnen ist. Maßgebend für den Steuersatz ist, wann die Leistung erfolgte. Wird die Ware noch 2020 geliefert, die Leistung erbracht oder das Werk abgenommen, gelten noch die reduzierten Steuersätze. Erfolgt dies hingegen erst 2021, gelten wieder die höheren Sätze. Dabei ist es egal, wann die Rechnung ausgestellt wird oder Anzahlungen erfolgen.

Brexit – Übergangsphase endet

Im Februar 2020 wurde das Austrittsabkommen mit Großbritannien unterschrieben. Bis Ende 2020 läuft die im Austrittsabkommen festgelegte Übergangsphase. Somit ist das Vereinigte Königreich ab 1. Januar 2021 steuerrechtlich ein „Drittstaat“ und damit nicht mehr Teil des Binnenmarktes und der Zollunion. Hierauf müssen sich alle Beteiligten vorbereiten.

Degressive Abschreibung für Anschaffungen bis Ende 2021 möglich

Mit dem 2. Corona-Steuerhilfegesetz wurde befristet wieder eine degressive Abschreibung eingeführt. Damit will die Politik einen Konjunkturanreiz setzen. Sie gilt für bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, die in den Jahren 2020 und 2021 angeschafft oder hergestellt werden. Die Abschreibung beträgt 25 Prozent, höchstens das 2,5-fache der linearen Abschreibung.

Investitionsabzugsbetrag soll ausgeweitet werden

Mit Hilfe des Investitionsabzugsbetrags können kleine und mittlere Betriebe Mittel ansparen und so die Finanzierung geplanter Investitionen erleichtert werden. Die Regelung soll nun ausgeweitet werden. Geplant ist, die begünstigten Investitionskosten von 40 auf 50 Prozent anzuheben und auch langfristig vermietete Wirtschaftsgüter in den Anwendungsbereich einzubeziehen. Geplant ist auch eine einheitliche Gewinngrenze i. H. v. 150.000 Euro für alle Einkunfts- und Gewinnermittlungsarten. Bei höheren Einkünften/Gewinnen kann der Investitionsabzugsbetrag nicht genutzt werden.

Hinweis: Noch ist das Gesetzgebungsverfahren zum Jahressteuergesetz 2020 nicht abgeschlossen, sodass sich noch Änderungen ergeben können. Die Änderungen sollen erstmals für Investitionsabzugsbeträge, die nach dem 31. Dezember 2019 in Anspruch genommen werden, gelten.

Steuerformulare nun mit Anlage „Corona“

Viele Betriebe und Solo-Selbstständige konnten in den zurückliegenden Monaten die Corona-Soforthilfe, Überbrückungshilfe oder ähnliche Programme nutzen, um Liquiditätsengpässe zumindest abzumildern. Diese Zuschüsse müssen in der Einkommensteuererklärung für das Jahr 2020 angegeben werden. Dabei sind die Hilfen nicht nur als Betriebseinnahmen zu verbuchen, sondern auch ein separates Formular – die Anlage „Corona-Hilfen“ – auszufüllen. Die neue Anlage wird zusammen mit der Steuererklärung für das Jahr 2020 abgegeben.

Umsatzsteuer – Umsetzung des Digitalpakets

Mit dem Jahressteuergesetz soll das sog. Mehrwertsteuerdigitalpaket (auch E-Commerce-Paket genannt) umgesetzt werden. Damit soll das Bestimmungslandprinzip auch bei Dienstleistungen und Lieferungen an Privatpersonen möglichst weitgehend umgesetzt werden. Das heißt, die Umsatzbesteuerung soll in dem EU-Mitgliedstaat erfolgen, in dem der Kunde sitzt. Zugleich soll den Unternehmern ermöglicht werden, sich in nur einem EU-Mitgliedstaat umsatzsteuerlich registrieren zu lassen. Dazu soll das Mini-One-Stop-Shop-Verfahren (MOSS) nun auch auf Lieferungen an Nichtunternehmer ausgedehnt werden. Darüber hinaus sollen innergemeinschaftliche Lieferungen über die Nutzung von elektronischen Schnittstellen in der Abwicklung vereinfacht werden. Die neuen Regelungen zur Umsetzung des Mehrwertsteuer-Digitalpakets sind ab dem 1. Juli 2021 anzuwenden.

Verlustrücktrag erhöht

Negative Einkünfte (Verluste), können in das Vorjahr zurückgetragen werden. Dadurch kann die Steuerlast gesenkt werden. Die Höchstgrenzen für den Verlustabzug sind durch das 2. Corona-Steuerhilfegesetz vorübergehend von 1 Mio. Euro auf 5 Mio. Euro bzw. von 2 Mio. Euro auf 10 Mio. bei zusammenveranlagten Ehepaaren erhöht worden. Die Regelung gilt für den Veranlagungszeitraum 2020 und 2021. Hinweis: Aktuell wird gefordert, den Verlustrücktrag nicht nur für das direkte Vorjahr, sondern für zwei Jahre zu erlauben. Es bleibt abzuwarten, ob der Gesetzgeber diesen Vorschlag noch aufgreift.

Grundsteuerreform – 2021 wird es ernst

Ab 2025 darf die Grundsteuer nicht mehr auf Grundlage der derzeitigen Einheitswerte erhoben werden. Dies hatte das Bundesverfassungsgericht entschieden und den Gesetzgeber aufgefordert, eine neue Berechnungsbasis für die Grundsteuer festzulegen. Die Bundesländer haben nun die Wahl zwischen einer eigenen Methode und dem vom Bund beschlossenen Modell. In den meisten Bundesländern sind die Überlegungen, welches Berechnungsmodell sie nutzen wollen, noch nicht abgeschlossen oder es liegen nur Eckpunkte vor. Einzig das Land Baden-Württemberg hat 2020 bereits ein Gesetz beschlossen, das die Bodenrichtwerte zum Maßstab nimmt. 2021 werden sich auch die anderen Bundesländer entscheiden müssen, um noch ausreichend Zeit für die Umsetzung und Berechnung der Grundstückswerte zu haben.

Hinweis: Wie hoch die neue Grundsteuer im Einzelfall sein wird, lässt sich i. d. R. noch nicht sagen, denn es wird erheblichen Einfluss haben, wie die Gemeinden auf die Reform reagieren, und ob sie ihre Hebesätze an passen.

Neuregelung für günstige Vermietung

 Vermieter, die ihre Wohnungen zu einem günstigen Mietpreis an Angehörige oder Fremde vermieten, können bisher nur dann alle Ausgaben als Werbungskosten geltend machen, wenn die Miete mindestens 66 Prozent der ortsüblichen Miete beträgt. Wird weniger Miete verlangt, müssen die auf die Immobilie entfallenden Kosten aufgeteilt werden. Diese Grenze soll ab 2021 auf 50 Prozent sinken. Allerdings sieht das Jahressteuergesetz 2020 auch eine Einschränkung vor: Beträgt das Entgelt 50 Prozent und mehr, jedoch weniger als 66 Prozent der ortsüblichen Miete, ist eine Totalüberschussprognose vorzunehmen. Hier soll geprüft werden, ob trotz der verbilligten Vermietung insgesamt ein Gewinn mit der Vermietung erzielt werden kann.

Hinweis: Auch diese Regelung steckt im Jahressteuergesetz 2020. Das Gesetzgebungsverfahren dazu ist noch nicht abgeschlossen 

Quelle: Bund der Steuerzahler

Dr. Jens Jasper

Dr. Jens Jasper

Recht und Steuern
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Schwerpunkte: Wirtschaftsrecht, Arbeitsrecht, außergerichtliche Streitbeilegung, Sachverständigenwesen, Steuern, IHK-Gremium Kreis Tübingen: Geschäftsführung, Koordination Hoheitliche Aufgaben
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