Wo bleibt die (Zahlungs-)Moral?

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Wenn der Schuldner nicht zahlt, kann das auch für ein eigentlich gesundes Unternehmen existenzbedrohend sein. Forderungen bleiben oft unbeachtet.

Wer sich hier an einige Grundsätze hält, der verbessert seine Chancen doch noch einen Teil der ausstehenden Forderungen zu sehen: Beste Vorkehrung gegen einen Zahlungsausfall ist die Kenntnis über die Bonität des Kunden. Diese können zum Beispiel durch das Überprüfen der Zahlungsmoral intern geklärt werden oder durch Auskünfte bei externen Dienstleistern, wie der SCHUFA oder Wirtschaftsauskunftdateien, eingeholt werden.

Anreize schaffen

Nur Geld, das auf dem Konto eintrifft, ist gut und das sollte natürlich möglichst schnell geschehen. Daher ist es sinnvoll, Anreize zu schaffen, den Rechnungsbetrag möglichst zeitnah zu bezahlen. Dies kann man durch ein Skonto erreichen, also einen Preisnachlass auf den Rechnungsbetrag, wenn dieser innerhalb einer bestimmten Frist beglichen wird. Der Rechnungssteller ist auch selbst gefragt: Es darf nicht zu viel Zeit zwischen der Erbringung der Leistung und der Rechnungsstellung verstreichen. Die Rechnung muss außerdem kontrolliert werden, denn Fehler können zu Zahlungsverweigerungen oder Zahlungsverzögerungen führen.

Erinnerungsschreiben

Der Kunde erwartet eine pünktliche Leistung, daher können Rechnungssteller auch eine pünktliche Bezahlung erwarten. Kontrollieren Sie daher vereinbarte Zahlungsziele. Falls eine Rechnung nicht fristgerecht bezahlt wird, forschen Sie nach, ob es zu Reklamationen kam oder wann die Rechnung versandt wurde. Erst dann sollten Sie den Kunden freundlich, aber bestimmt an die fällige Zahlung erinnern. Sinnvoll ist es dem Erinnerungsschreiben auch eine Kopie der Rechnung beizulegen. Eine Frist zu setzen oder mit Konsequenzen bei Nichtzahlung zu drohen ist hier noch nicht notwendig.

Weiteres Mahnschreiben

Falls nach zehn Tagen kein Zahlungseingang festgestellt werden kann, ist ein weiteres Mahnschreiben notwendig. Hier sollte eine Zahlungsfrist von zehn bis 14 Tagen gesetzt werden. Bei Bedarf oder langjährigen Geschäftsbeziehungen kann auch ein drittes Mahnschreiben folgen. Falls dennoch keine Zahlung erfolgt, bleibt als nächster Schritt die Möglichkeit, sich professionelle Hilfe durch ein Inkassobüro zu holen. Falls das außergerichtliche Mahnverfahren keinen Erfolg hat, so kann ein gerichtliches Mahnverfahren eingeleitet werden. Dies hat den Vorteil schnell und kostengünstiger als eine Klage zu sein. Das Gericht prüft nicht, ob die Forderung des Gläubigers wirklich besteht, sondern der Schuldner muss Einwände gegen die Forderung bei Gericht erheben. In Baden-Württemberg ist das Amtsgericht Stuttgart, und dort die Mahnabteilung, für das ganze Bundesland zuständig. Um ein Mahnverfahren in Gang zu setzten muss das hierfür offizielle Formular ausgefüllt werden. Dieses erhalten Sie bei den Amtsgerichten oder elektronisch sowie im Schreibwarenhandel.

Online gibt es Mahnanträge auf der Seite der Mahngerichte.

Ihr Ansprechpartner

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IHK Reutlingen Bereich: Recht und Steuern
Position: Rechtsassessor
Schwerpunkte: Wettbewerbsrecht, Finanzanlagenvermittler, Versicherungsvermittler, Gewerberecht, Immobiliardarlehensvermittler § 34 i GewO, Einigungsstelle in wettbewerbsrechtlichen Streitigkeiten
Telefon: 07121 201-198
Fax: 07121 201-4198
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