Steuertipps: Das kommt 2022

IHK Reutlingen, Tübingen und ZollernalbFoto: 3dkombinat-Fotolia.com

Im Jahr 2022 treten wieder zahlreiche Steueränderungen in Kraft. Hier ein Überblick über die wichtigsten steuerlichen Änderungen.

Sachbezugsfreigrenze steigt auf 50 Euro

Zum 1. Januar 2022 wird die Sachbezugsfreigrenze von bisher 44 Euro monatlich auf 50 Euro angehoben. Die Freigrenze gilt für Sachzuwendungen, z. B. Gutscheine, die monatlich an Arbeitnehmer überlassen werden. Bis zur Freigrenze können die Zuwendungen steuerfrei behandelt werden.

Hinweis: Aber Achtung: Es handelt sich um eine Freigrenze. Das Überschreiten um nur 1 Cent der monatlichen Grenze führt zu einer Steuerpflicht des gesamten zugewendeten Betrages. Ein Zusammenrechnen der monatlichen Beträge auf einen Jahresbetrag ist nicht zulässig.

Corona-Bonus läuft am 31. März 2022 aus

Arbeitgeber können ihren Mitarbeitern einen Bonus von bis zu 1.500 Euro steuer- und sozialversicherungsfrei auszahlen oder als Sachleistungen gewähren (§ 3 Nr. 11a EStG). Erfasst werden Sonderleistungen, die die Mitarbeiter zwischen dem 1. März 2020 und dem 31. März 2022 erhalten. Voraussetzung ist, dass die Sonderzahlung zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn erfolgt. Die Bonusregelung gilt für alle Branchen und Berufe. Ist eine Extra-Prämie für Arbeitnehmer im Betrieb geplant, sollte diese also möglichst zeitnah gewährt werden, denn ab April 2022 werden dafür wieder Steuern und Sozialabgaben fällig. Dann ist der Betrag, der beim Mitarbeiter netto ankommt, deutlich geringer.

Hinweis: Die Steuerbefreiung ist bis Ende März 2022 aktuell befristet. Aber es bleibt dabei: Insgesamt kann der Bonus nur einmal steuer- und sozialversicherungsfrei ausgezahlt werden.

Hybrid-Dienstwagen – Höhere Reichweiten bei Neuanschaffung ab 2022 notwendig

Werden betriebliche Hybridelektrofahrzeuge vom Arbeitgeber dem Arbeitnehmer zur privaten Nutzung gewährt, so kann bei der Bewertung im Rahmen der Pauschalmethode vom hälftigen Bruttolistenpreis ausgegangen werden. Voraussetzung dafür ist aber, dass Hybridelektrofahrzeuge, die ab 1. Januar 2022 vom Arbeitgeber erstmals an Arbeitnehmer überlassen werden, eine Mindestreichweite von 60 km nachweisen können. Für erstmalige Überlassungen bis 31. Dezember 2021 liegt diese bei 40 km.

Hinweis: Maßgeblich für die Reichweite ist bei Überlassungen an Arbeitnehmer nicht das Anschaffungsdatum des Fahrzeugs sondern die erstmalige Überlassung an einen Arbeitnehmer, so ein BMF-Schreiben vom 5. November 2021.

Fahrtkostenzuschuss – 15 Tage-Vereinfachungsregel nicht generell für Homeoffice

Arbeitnehmer können vom Arbeitgeber einen Zuschuss für die Fahrten zur ersten Tätigkeitsstätte mit einem PKW erhalten, die vom Arbeitgeber mit 15 Prozent pauschal versteuert werden. Die Höhe des Fahrtkostenzschusses darf nicht über dem möglichen Werbungskostenbetrag liegen. Das heißt der Arbeitgeber darf nur max. die Entfernungspauschale pro Tag mit einer Fahrt zur ersten Tätigkeitsstätte zahlen. Um die Aufzeichnungen zu erleichtern, erlaubt die Finanzverwaltung die Annahme von 15 Arbeitstagen. Mit BMF-Schreiben vom 18. November 2021 hat die Finanzverwaltung bekannt gegeben, dass ab 1. Januar 2022 bei der 15 Arbeitstageregelung auf eine 5 Tagewoche an der ersten Tätigkeitsstätte abzustellen ist. Bei Homeoffice – oder Teilzeitmodellen sind entsprechend weniger Tage anzusetzen.

Beispiel: Der Arbeitnehmer arbeitet 3 Tage in der ersten Tätigkeitsstätte und 2 Tage im Homeoffice. Für den Fahrtkostenzuschuss sind 3/5 von 15 Arbeitstagen also 9 Tage zu berücksichtigen.

Einkommensteuererklärung – höhere Pflichtgrenze

Wird beim monatlichen Lohnsteuerabzug ein Freibetrag, zum Beispiel wegen hoher Werbungskosten, berücksichtigt, besteht grundsätzlich die Pflicht, eine Einkommensteuererklärung abzugeben. Ausnahme: Der Steuerzahler hat nur geringe Einkünfte. Beträgt der im Jahr 2021 erzielte Arbeitslohn maximal 12.250 Euro bzw. bei Ehepaaren 23.350 Euro, so muss keine Einkommensteuererklärung abgegeben werden. Es besteht aber die Möglichkeit, freiwillig eine Erklärung beim Finanzamt einzureichen. Wer seine Einkommensteuererklärung selbst anfertigt, muss die Erklärung für das Steuerjahr 2021 spätestens am 1. August 2022 beim Finanzamt einreichen. Wird ein Berater eingeschaltet, bleibt bis zum 28. Februar 2023 Zeit.

Homeofficepauschale bleibt eventuell auch für 2022

Wer im Homeoffice arbeitet, konnte diese Kosten steuerlich für die Jahre 2020 und 2021 absetzen. Die Homeoffice-Pauschale betrug 5 Euro pro Tag, maximal 600 Euro im Jahr 2020 und 2021. Es handelte sich dabei um eine Werbungskostenpauschale, die mit dem sog. Arbeitnehmer-Pauschbetrag verrechnet wurde. Die Regelung zum Homeoffice galt befristet für 2020 und 2021. Die Koalitionsparteien haben aber in ihrem Koalitionsvertrag bekannt gegeben, dass die Homeofficepauschale auch für das Jahr 2022 gelten solle. Dies muss aber noch gesetzlich umgesetzt werden.

Sachbezugswerte wieder aktualisiert

Stellt der Arbeitgeber seinen Mitarbeitern Mahlzeiten bzw. vergünstigte Mahlzeiten, z. B. in einer Betriebskantine zur Verfügung, so sind diese Leistungen bei der Lohnabrechnung mit den amtlichen Sachbezugswerten zu berücksichtigen. Die Sachbezugswerte werden regelmäßig an die Preisentwicklung angepasst. Der Wert für eine verbilligte oder unentgeltliche Mahlzeit, beispielsweise in einer Betriebskantine, beträgt ab 2022 für ein Frühstück 1,87 Euro und für ein Mittag- oder Abendessen 3,57 Euro. Bisher lagen die Werte bei 1,83 Euro bzw. 3,47 Euro. Der Monatswert für Miete und Unterkunft wird 241 Euro betragen. Der Wert der Unterkunft kann auch mit dem ortsüblichen Mietpreis bewertet werden, wenn der genannte Tabellenwert nach Lage des Einzelfalls unbillig wäre.

Gesetzlicher Mindestlohn steigt –ggf. Anpassung bei Minijobs erforderlich

Ab dem 1. Januar 2022 steigt der gesetzliche Mindestlohn von 9,60 Euro auf 9,82 Euro pro Stunde. Das gilt auch für Minijobber, die zum Beispiel im privaten Haushalt als Haushaltshilfe oder Gärtner tätig sind. Da der Minijobber im Monat maximal 450 Euro verdienen darf, muss eventuell die Arbeitszeit angepasst werden. Anderenfalls kann durch die Anhebung des Stundenlohns der sozialversicherungsfreie Minijob in Gefahr geraten.

Ab dem 1. Juli 2022 steigt der Mindestlohn erneut: Er beträgt dann 10,45 Euro die Stunde. Daher sollte auch im Laufe des Jahres 2022 an die Anpassung der Verträge gedacht werden. Zudem steigen die Mindestlöhne in weiteren Branchen aufgrund der Tarifverträge z. B. bei Gebäudereinigern oder Gerüstbauern.

Hinweis: In den aktuellen Koalitionsverhandlungen wird aktuell sowohl eine Anhebung des Mindestlohnes als auch die Anhebung der Minijobgrenze diskutiert. Hier muss die Entwicklung weiter beobachtet werden.

Mindestausbildungsvergütung steigt erneut 2022

Für Lehrverträge, die seit dem 1. Januar 2022 beginnen, gilt jeweils für das erste Ausbildungsjahr eine gesetzliche Mindestausbildungsvergütung von 585 Euro. Für das zweite, dritte und vierte Ausbildungsjahr gibt es Aufschläge. Der Auszubildende erhält 18 Prozent, 35 Prozent beziehungsweise 40 Prozent über den Einstiegsbetrag des ersten Ausbildungsjahres.

Degressive Abschreibung für Anschaffungen ab 2022 nicht mehr möglich

Mit dem 2. Corona-Steuerhilfegesetz wurde befristet wieder eine degressive Abschreibung eingeführt. Sie gilt für bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, die in den Jahren 2020 und 2021 angeschafft oder hergestellt werden. Die Abschreibung beträgt 25 Prozent, höchstens das 2,5-fache der linearen Abschreibung.

Hinweis: Für Anschaffungen ab dem 1. Januar 2022 kann keine degressive Abschreibung mehr in Anspruch genommen werden. Hier gilt dann wieder die lineare Abschreibung in gleichen Jahresbeträgen.

Abschreibung digitaler Wirtschaftsgüter gilt weiter

Für Computerhardware und Zubehör (Drucker, Scanner, etc.) sowie Software wurde eine Sofortabschreibung eingeführt. Das heißt, für Geräte, die ab dem 1. Januar 2021 gekauft wurden, können die Ausgaben direkt als Werbungskosten oder Betriebsausgaben im Anschaffungsjahr abgezogen werden. Eine Verteilung der Kosten über drei Jahre, wenn das Gerät mehr als 800 Euro netto kostete, entfiel damit. Dies gilt für Arbeitnehmer und Unternehmer gleichermaßen auch im Jahr 2022.

Erhöhter Verlustrücktrag abgelaufen

Negative Einkünfte (Verluste), können in das Vorjahr zurückgetragen werden. Dadurch kann die Steuerlast gesenkt werden. Die Höchstgrenzen für den Verlustabzug sind durch das 2. Corona-Steuerhilfegesetz vorübergehend von 1 Mio. Euro auf 5 Mio. Euro bzw. von 2 Mio. Euro auf 10 Mio. bei zusammenveranlagten Ehepaaren erhöht worden. Die Regelung gilt nur für den Veranlagungszeitraum 2020 und 2021. Für das Jahr 2022 gelten wieder die alten Grenzen bei den Verlusten.

Optionsmodell zur Körperschaftsteuer ab 2022

Ab dem Jahr 2022 haben alle Personenhandels- und Partnerschaftsgesellschaften die Möglichkeit, auf Antrag wie eine Körperschaft besteuert zu werden. Durch den Wechsel erfolgt eine Gleichstellung mit einer Kapitalgesellschaft für die Einkommen-, Körperschaft- und Gewerbesteuer. Für die Option ist ein mehrheitlicher Gesellschafterbeschluss von mindestens 75 Prozent der abgegebenen Stimmen erforderlich.

Hinweis: Der Antrag auf Besteuerungswechsel muss spätestens einen Monat vor Beginn des Wirtschaftsjahres beim zuständigen Finanzamt gestellt werden. Die Finanzämter dürfen den Wechsel nicht ablehnen.

Längere Frist beim Investitionsabzugsbetrag

Der Investitionsabzugsbetrag nach § 7g EStG ermöglicht, dass für bestimmte künftige Investitionen eine gewinnmindernde Rückstellung gebildet werden kann. Innerhalb von 3 Jahren muss die Anschaffung oder Herstellung dann erfolgen. Wird die 3-Jahres-Frist nicht genutzt, so muss die Gewinnminderung rückgängig gemacht werden und die Steuernachzahlung wird zudem noch verzinst. Mit der Coronakrise konnten viele Unternehmer die geplanten Investitionen nicht vornehmen. Daher wurde der Zeitraum verlängert. Für in 2017 und 2018 gebildete Abzugsbeträge endet die Frist Ende 2022.

Hinweis: Für in 2019, 2020 und 2021 gebildete Investitionsabzugsbeträge gilt wieder die 3-jährige Frist.

Frist für alte Registrierkassen läuft ab

 Das sogenannte Kassengesetz ist seit 2018 in Kraft. Bis Ende September 2020 mussten Registrierkassen mit einer zertifizierten technischen Sicherheitseinrichtung (TSE) aufgerüstet werden. Für Betriebe, die nicht aufrüstbare Altkassen zwischen dem 26. November und 31. Dezember 2019 gekauft haben und die den gesetzlichen Anforderungen vom 1. Januar 2017 entsprechen, endet eine Übergangsfrist im Jahr 2022. Entsprechende Kassen können nur noch bis 31. Dezember 2022 eingesetzt werden. Dann muss eine neue Registrierkasse, die die technischen Voraussetzungen erfüllt, angeschafft werden.

Quelle: Bund der Steuerzahler

Dr. Jens Jasper

Dr. Jens Jasper

Recht und Steuern
IHK-Zentrale
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Schwerpunkte: Wirtschaftsrecht, Arbeitsrecht, außergerichtliche Streitbeilegung, Sachverständigenwesen, Steuern, IHK-Gremium Kreis Tübingen: Geschäftsführung, Koordination Hoheitliche Aufgaben
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