Jung, pleite, aber nicht alleine

Heiner Gutbrod (rechts) geht mit einem Praktikanten einen Fall durch. Foto: pr

„Ausgerechnet?“ fragt das Schild im Büro von Heiner Gutbrod, Ansprechpartner der Jugend-Schulden-Beratung in Tübingen. Der Sozialpädagoge weiß, dass die Jugendlichen in finanziellen Notlagen direkte und schnelle Ansprache brauchen: „Das Problem von allgemeinen Schuldenberatungen ist, dass es zu lange dauert. Die jungen Leute brauchen sofort Hilfe. Termine gibt es bei mir innerhalb einer Woche, sonst sind sie wieder weg.“ Vor bald zwei Jahren angelaufen, verzeichnet die Beratungsstelle großen Zulauf. 2014 waren es 112 Anfragen von 16- bis 25-Jährigen aus dem Landkreis Tübingen, in diesem Jahr wird mit mehr gerechnet. „Wir sind speziell auf die Bedürfnisse unserer Klienten zugeschnitten. Der Kontakt läuft auf allen Kanälen, bei Whatsapp & Co. Die Bürokratie ist bewusst niedrig gehalten.“

Puzzle aus vielen Teilen

Unbezahlte Handyrechnungen, rückgeforderte Ausbildungsförderung, finanziertes Auto. Dazu ein fehlender familiärer Background, ein Ausbildungsabbruch, eine Krankheit. Warum junge Leute das Wasser bis zum Hals stehen haben, ist oft ein Puzzle aus vielen Teilen. Doch stecken sie in der Spirale von Mahnungen, Inkassoforderungen und einem Stapel ungeöffneter Post, ist die Situation ohne Unterstützung kaum zu bewältigen. Die Erfahrung zeigt, dass mehr unter die Arme gegriffen werden muss, als gedacht. Der Spagat zwischen wachsender Selbstverantwortung und wirtschaftlicher Unsicherheit, gepaart mit jugendlichem Stolz, ist nicht leicht zu meistern - für beide Seiten.  „Die Jugend ist ein Experimentierfeld. Da geht auch mal was schief.“ Man sieht, dass es Gutbrod am Herzen liegt, dass aus Fehlern in frühen Jahren kein Schicksal wird.

Tabuthema Geld
Bei 7.000 Euro liegen die Schulden im Schnitt, von wenigen hundert Euro bis 35.000 Euro reicht bislang die Spanne. Männer und Frauen kommen gleichermaßen zur Beratung. Allein die Herren belasten ihre Konten oft höher – eine „schnelle Karre“ ist meist der Grund. Die Hälfte der Jugendlichen ist als arbeitslos oder -suchend gemeldet, die andere absolviert eine Ausbildung oder ist gerade im Job angekommen. Umso wichtiger sei es, meint Gutbrod, die Auszubildenden davon zu überzeugen, dass es sich lohne, die Ausbildung trotz Schwierigkeiten abzuschließen. Den Chefs und Ausbildern rät er, bei der zweiten Bitte um Lohnvorschuss einfach mal nachzuhaken, ob es ein Problem gebe. Wenn der Azubi von seinem Gehalt Wohnung und Auto finanziere, könne er das aus eigener Kraft kaum schaffen. „In Deutschland wird nicht offen über Geld geredet“, so Gutbrod, „die eigenen Finanzen sind immer noch Tabuthema.“

Kontakt zur Schuldenberatung
Einfach melden! Schuldenberater Heiner Gutbrod ist telefonisch unter 07071 930480 oder mobil unter 0157 57 93 10 40 zu erreichen. Mails erreichen den Schuldenberater unter ausgerechnet@freenet.de. Das Büro ist in der Villa Metz, Hechinger Straße 13, Tübingen. Für Schüler und Azubis werden Präventionskurse an Schulen und Unternehmen angeboten.

Zur Homepage der Jugend-Schulden-Beratung:

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