Brückenteilzeit - Das müssen Unternehmen wissen

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Seit Anfang 2019 gibt es die neue Brückenteilzeit. Arbeitnehmer können darüber ihre Arbeitszeit vorübergehend reduzieren. Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Was ist neu an der befristeten Teilzeit?
Bislang konnten Mitarbeiter ihre Arbeitszeit nur dauerhaft reduzieren. Wenn sie wieder zur bisherigen Arbeitszeit zurückkehren wollten, mussten sie neu mit dem Arbeitgeber verhandeln. Einzige Ausnahme war bisher die befristete Teilzeit in der Eltern- oder Pflegezeit. Mit der neuen Regelung können Beschäftigte ihre Arbeitszeit nun ohne einen bestimmten Grund für einen Zeitraum zwischen einem und fünf Jahren reduzieren. Der Mitarbeiter beantragt, für welchen Zeitraum die Reduzierung gelten soll, sowie den Umfang der Reduzierung. Voraussetzung ist, dass der Arbeitnehmer mindestens sechs Monate im Unternehmen beschäftigt ist.

Gelten die Regeln für alle Unternehmen?
Nein, nur Firmen mit mehr als 45 Mitarbeitern müssen die befristete Teilzeit ermöglichen. Entscheidend ist dabei die tatsächliche Anzahl der Mitarbeiter und nicht die der Vollzeitstellen. Für Unternehmen mit 46 bis 200 Beschäftigten gibt es eine Zumutbarkeitsgrenze: Sie können die befristete Teilzeit ablehnen, wenn je angefangene 15 Arbeitnehmer bereits mindestens einer in der neuen befristeten Teilzeit arbeitet.

Aus welchen Gründen kann der Arbeitgeber die Brückenteilzeit ablehnen?
Firmen können die befristete Teilzeit – wie die bisherige Teilzeit – aus betrieblichen Gründen ablehnen. Diese Gründe liegen vor allem dann vor, wenn die Verringerung der Arbeitszeit Organisation, Arbeitsablauf oder Sicherheit im Betrieb wesentlich beeinträchtigt oder unverhältnismäßige Kosten verursacht. So ist eine Ablehnung zum Beispiel erlaubt, wenn die Aufgaben des Mitarbeiters – etwa zur Sicherstellung des Informationsflusses – über einen bestimmten Zeitraum von ein und derselben Person ausgeführt werden müssen, oder es für die Firma unmöglich ist, eine Ersatzkraft zu finden, die die fehlenden Stunden befristet ausgleicht. Der Arbeitgeber muss die betrieblichen Gründe nachweisen können.

Welche Formalia gibt das neue Gesetz vor?
Der Arbeitnehmer muss seinen Antrag auf Brückenteilzeit mit Nennung des Zeitraums der befristeten Reduzierung mindestens drei Monate vor dem Start in Textform stellen. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, den Wunsch mit dem Mitarbeiter zu erörtern, der Mitarbeiter kann den Betriebsrat hinzuziehen. Ziel ist es, zu einer Vereinbarung zu kommen. Will der Arbeitgeber den Teilzeitwunsch ablehnen, muss er dies spätestens einen Monat vor dem geplanten Beginn tun – mit einem handschriftlich unterschriebenen Dokument.

Wie sollen betroffene Firmen auf die neuen Regeln reagieren?
Wenn die Mitarbeiter die Ziele des Unternehmens kennen und hinter ihnen stehen, ist es einfacher, eine einvernehmliche Lösung zu finden, die die Bedürfnisse des Mitarbeiters erfüllt, aber auch die Belange des Betriebs in Sachen Arbeitsorganisation, Planbarkeit und Wirtschaftlichkeit berücksichtigt. Eine offene Gesprächskultur zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer trägt dazu bei: Der Arbeitnehmer muss seine Beweggründe für die Teilzeit nicht nennen, dennoch sollte der Arbeitgeber das Gespräch suchen. Vielleicht ist dem Mitarbeiter auch ohne Brückenteilzeit bereits mit flexiblerer Arbeitszeit oder Homeoffice geholfen. In großen Firmen kann es sinnvoll sein, konkrete Teilzeitmodelle zu schaffen.

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