Leistungsbericht 2022 - 10 Projekte für die Zukunft

Die Krise ist leider zum Dauerbegleiter für die heimische Wirtschaft geworden. Auf Corona folgte der russische Angriffskrieg auf die Ukraine – mit all seinen schrecklichen Folgen. Die Unternehmen von hier spürten es vor allem bei Energiesicherheit, Preissteigerungen und Lieferketten.

Trotzdem galt und gilt es in der Arbeit der IHK auch den Blick nach vorne zu richten, um mit eigenen Projekten die aktuellen und kommenden Herausforderungen anzugehen. Für diesen Leistungsbericht hat die Redaktion exemplarisch zehn Projekte herausgesucht, mit denen die regionale Wirtschaft genau das tut: Hilfe zur Selbsthilfe, damit der Standort Neckar-Alb auch morgen noch zu den besten Adressen dieses Landes gehört.

Für Ausbildung begeistern

IHK Reutlingen, Tübingen und Zollernalb

Ausbildung bleibt das A und O der Fachkräftegewinnung. Über 2.200 junge Leute haben 2022 ihre Lehre in einem IHK-Beruf begonnen und werden durch die IHK auf dem Weg zur Prüfung begleitet. Dazu gehört mittlerweile auch eine Willkommenskultur für Auszubildende, die die Wertschätzung für die Karriere mit Lehrer und jede und jeden Einzelnen, der sich ausbilden lässt, zum Ausdruck bringt. Neben regelmäßigen Events gehören die Azubi-Card, das bewährte Azubi-Kolleg sowie der Azubi-Blog und der Azubi-Newsletter dazu.

Gleichwohl werden Fachkräfte mit einer dualen Berufsausbildung in Zukunft fehlen. Nach IHK-Berechnungen werden es allein in der Region Neckar-Alb 2035 etwa 50.000 sein. Um Unternehmen zu unterstützen, sich als attraktive Ausbildungsbetriebe zu positionieren und dieses Engagement nach außen sichtbar darzustellen, hat die IHK die IHK-Goldcard entwickelt. Sie stärkt die Wahrnehmung und bietet einen Beitrag zur Ausbildungsqualität. Die teilnehmenden Unternehmen bekommen zusätzlich im Paket vergünstigte Leistungen der IHK in Form von Weiterbildungen für Ausbilderinnen und Ausbilder, Netzwerk-Teilnahmen oder Vermarktungsunterstützung.

Weiterbildung machen

IHK Reutlingen, Tübingen und ZollernalbFoto: Geber86 - iStockphoto.com

Weiterbildung bleibt der entscheidende Faktor bei der Weiterentwicklung der eigenen Fachkräfte. So nutzten 2.674 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in 2022 die Möglichkeit, sich über Seminare, Zertifikatslehrgänge oder Lehrgänge der Höheren Berufsbildungpersönlich weiterzubilden. Im vergangenen Jahr schlossen 994 Frauen und Männer einen Aufstiegslehrgang zum Meister, Betriebswirt oder Fachwirt erfolgreich ab.

Für spezielle Themen hat die IHK mittlerweile sechs unterschiedliche Akademien angelegt, unter anderem für Technik, IT & Digitalisierung, Azubis und Ausbilderinnen und Ausbildern, um besondere Schwerpunkte innerhalb des umfassenden Kursangebots setzt zu können. Übrigens: Die IHK bietet auch individuell auf die Bedürfnisse zugeschnittene Weiterbildungen und Inhouse-Trainings an.

Nachhaltigkeit angehen

IHK Reutlingen, Tübingen und ZollernalbFoto: j-mel - stock.adobe.com

Um Unternehmen in Fragen von Umwelt, Energie- und Ressourceneffizienz noch umfassender zu beraten, hat die IHK Reutlingen ihre bisherigen Aktivitäten in ein eigenes IHK-Institut für Nachhaltiges Wirtschaften integriert. Betriebe erhalten eine Erstberatung und konkrete Hilfe bei Umwelt- und Nachhaltigkeitsfragen aber auch zum „Green Deal“. Der Klimaschutzplan der Europäischen Union sieht vor, dass die EU bis zum Jahr 2050 klimaneutral wird – ein Vorhaben, das auch stark auf die Wirtschaft durchschlägt. Mit dem neuen Klimaschutzgesetz Baden-Württemberg wird angestrebt bereits bis 2040 klimaneutral zu werden, was die regionalen Unternehmen zusätzlich fordert: Die IHK will die Betriebe über Beratung und Projekte auf diesem Weg begleiten, aber auch der Politik im direkten Gespräch verdeutlichen, welche Vorschriften für Unternehmen machbar sind und welche die Wirtschaft vor immense Herausforderungen stellen.

Innenstädte stärken

IHK Reutlingen, Tübingen und ZollernalbFoto: Monkey Business Images/shutterstock.com

Seit Anfang 2022 gibt es das Projekt Innenstadtberater in der Region Neckar-Alb. In Kommunen zwischen 10 und 50.000 Einwohnern konnten gemeinsam mit den Akteuren vor Ort „Innenstadt-Checks“ und darauf aufbauend Konzepte zur Stärkung der Innenstädte erstellt werden. In der Region waren Ammerbuch, Burladingen, Hechingen, Mössingen, Münsingen und Pfullingen die sechs Modellkommunen.

Das Projekt hat in allen Kommunen sehr gut funktioniert, weil neue Netzwerke geschaffen und sich alle Mitmacher vor Ort mit ihren Ideen einbringen konnten. Das Hauptaugenmerk lag in den beteiligten Kommunen darauf, die Innenstadt als Zentrum des gesellschaftlichen Lebens zu stärken und die Aufenthalts- und Erlebnisqualität auszubauen. Denn: Innenstädte sind nicht nur Orte der Nahversorgung. Sie sind das Herz der Kommune, hier wird gelebt und gefeiert und jeder hat seinen eigenen Mix und seine eigenen Stärken. Das Projekt soll bis Ende 2024 mit weiteren Gemeinden nun weitergehen.

Internationale Märkte entwickeln

Container auf einem FrachtschiffFoto: Parilov - stock.adobe.com

Der Export in der Region hat auch 2022 klar zugelegt. Heimische Firmen exportierten Waren im Wert von 13 Milliarden Euro. Nach 11 Milliarden Euro in 2021 war das ein Zuwachs von über 18 Prozent. Wichtigster Markt der regionalen Unternehmen blieben 2022 die USA mit 16 Prozent Anteil an allen Exporten. Die Schweiz (7,5 Prozent) löste China (7,4 Prozent) als Zielmarkt Nummer zwei ab.

Trotz insgesamt guter Lage im Außenhandel unterstützt die IHK ihre Mitgliedsbetriebe dabei, ihre Ländermärkte weiter zu diversifizieren, um Abhängigkeiten zu vermeiden. Mit dem IHK-eigenen Institute for Emerging Markets entwickelt sie über Kooperationsprojekte Zugänge in Länder wie Äthiopien oder Ecuador. Weitere werden folgen, gerade mit Fokus auf Asien und Afrika.

Fachkräfte international suchen (und finden)

IHK Reutlingen, Tübingen und Zollernalb

Die nötigen Fachkräfte werden nicht allein in der Region zu finden sein. Daher geht der Blick immer häufiger in die Welt hinaus. Die IHK beteiligt sich am Pilotprojekt „Hand in Hand for International Talents“. Dabei erhalten kleine und mittlere Unternehmen Unterstützung, wenn sie Fachkräfte aus Brasilien, Vietnam und Indien rekrutieren möchten. In der Region Neckar-Alb haben mittlerweile fünf Fachkräfte in drei Unternehmen über das Projekt Fuß gefasst.

Aus Sicht der IHK sollte allerdings der ganze Einwanderungsprozess reformiert werden. Dabei sollte vor allem die Einwanderung zur Ausbildungsplatzsuche vereinfacht werden und die bestehende Vorrangprüfung für einheimische Bewerbungen wegfallen. Nach einer Ausbildung stünden nach deutschen Standards ausgebildete Fachkräfte zur Verfügung.

Digitalisierung und KI in die Praxis bringen

IHK Reutlingen, Tübingen und ZollernalbFoto: ipopba/iStockphoto.com

Die digitale Transformation ist die größte Herausforderung für die regionale Wirtschaft in den kommenden Jahren. Die IHK unterstützte Unternehmen dabei, ihre digitale Entwicklung voranzutreiben. Über Beratungen des Digital-Hub Neckar-Alb konnten Firmen ihren Digitalisierungsgrad mit Expertinnen und Experten diskutieren und sich Anregungen für nächste Schritte und konkrete Projekte holen. Firmen, die Bedarf bei der Weiterbildung ihrer eigenen Beschäftigten sehen, können die Angebote der IHK-Weiterbildung nutzen. Mit der eigenen Akademie IT und Digitalisierung wurde ein eigenes Angebot geschaffen, um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fit für die Herausforderungen der Digitalisierung zu machen – von Online-Marketing über Geschäftsmodellentwicklung bis hin zu IT-Grundlagen für Entscheider und Fragen der IT-Sicherheit. 

Für Unternehmen, die in den Bereich künstliche Intelligenz (KI) einsteigen wollen, stehen darüber hinaus die „KI-Checker Neckar-Alb“ zur Verfügung. Experten zum Thema gehen in Unternehmen und klopfen in einem mehrstündigen Beratungsgespräch ab, welche Potenziale es für KI gibt.

Das Verbundprojekt KI B³, ein gemeinsames Projekt der baden-württembergischen IHKs mit Kooperationspartnern aus Politik und Hochschulen, vermittelt Azubis Zusatzqualifikationen in Sachen KI.

Kleine Unternehmen und Selbständige unterstützen

UnternehmerinFoto: contrastwerkstatt - stock.adobe.com

Kleinstunternehmen haben weniger Ressourcen zur Krisenabwehr und sind daher stärker in ihrer Existenz gefährdet. Das zeigte 2022 ein Stimmungsbild der IHK Reutlingen. So verbuchten 70 Prozent der befragten Einpersonen- und Kleinstunternehmen einen Rückgang der Nachfrage. 33 Prozent gaben dabei an, dass sie die Umsätze aus der Vor-Corona-Zeit bislang nicht mehr erreichen konnten. Besonderer Stressfaktor: 63 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sehen Bürokratie und die Einhaltung aller gesetzlichen Vorschriften als größte Belastung an.

Die IHK Reutlingen hat in 2022 erneut einen thematischen Schwerpunkt auf die Information von Einpersonen- und Kleinstunternehmen bei betrieblichen Fragestellungen gelegt. Mit der landesweiten Webinar-Reihe „Digitale Impulse“ konnten nicht nur über 3.500 Soloselbstständige erreicht werden, sondern auch relevante Themen wie digitale Transformnation, Rhetorik im Verkauf, Preisverhandlungen oder Social-Media-Marketing vorgestellt und diskutiert werden. Die Reihe Digitale Impulse wird in diesem Jahr fortgesetzt.

Die Chancen der Vernetzung nutzen

IHK Reutlingen, Tübingen und ZollernalbFoto: Poganka06/iStockphoto.com

2.174 Unternehmerinnen und Unternehmer sowie Fach- und Führungskräfte treffen sich regelmäßig in den IHK-Netzwerken zum Erfahrungsaustausch, zum Knüpfen neuer Kontakte und zur persönlichen Weiterbildung. Das Angebot ist breit: 55 Branchen-, Fach- und Themennetzwerke stehen zur Auswahl. Die Treffen zeigen immer wieder: Gute Netzwerke sind ein entscheidender Faktor für den persönlichen und unternehmerischen Erfolg – auch und gerade in Zeiten, die herausfordernd und anspruchsvoll sind. 175 Treffen im Jahr 2022 zeigen, dass der Bedarf vorhanden ist und die regionale Wirtschaft das Miteinander schätzt.

Politische Kontakte ausbauen

Unternehmerin im GesprächFoto: SolStock/istockphoto.com

Die Interessensvertretung ihrer Mitgliedsbetriebe ist eine wesentliche Aufgabe der IHK. Mit vielen Gesprächen, Schreiben und Gutachten haben wir auch 2022 die Anliegen der Unternehmen in der Region transportiert. Es gab über 100 Politiktermine – von Bürgermeisterinnen und Bürgermeister auf der lokalen Ebene über die Abgeordneten auf Landes-, Bundes- und Europa bis hin zu den Entscheiderinnen und Entscheidern und Fachleuten aus den Ministerien und Behörden. Das Ziel dabei: Es geht darum, die Interessen der Unternehmen verständlich zu machen und den Beitrag der Wirtschaft zu Innovationen und Wohlstand in der Region deutlich zu machen. Knapp 2.000 Unternehmerinnen und Unternehmer sind dabei ehrenamtlich mit aktiv, um die Anliegen vorzutragen und Positionen zu erarbeiten.

Dabei helfen immer wieder auch die von der IHK erstellen Studien. In 2022 legte die IHK erneut die Standortzufriedenheitsumfrage sowie eine Neuauflage der regionalen Stärken-Schwächen-Analyse vor.

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Dr. Wolfgang Epp

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Christoph Heise

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