Tübingen: Touristisches Potenzial stärker nutzen

Die Neckarfront in Tübingen am Abend. Foto: Kolodziej/IHK

Wie steht es um den Tourismusstandort Tübingen? Die Antwort fällt leider nicht gut aus, zeigt die von der IHK in Auftrag gegebene Studie „Wirtschaftsfaktor Tourismus in Tübingen".

Im Auftrag der IHK Reutlingen hat das Münchner Gutachterbüro dwif-Consulting die touristische Wertschöpfung in Tübingen untersucht. Ergebnis der im Dezember 2011 veröffentlichten Studie: Im Vergleich zu neun Städten wie Bamberg, Göttingen oder Heidelberg schneidet Tübingen fast immer schlechter ab. So liegt die Übernachtungsintensität, das ist die Anzahl der Gästeübernachtungen je 100 Einwohner pro Jahr, mit 236 gegenüber den Vergleichsorten fast durchweg niedriger, die Ausgaben der Übernachtungsgäste sind mit 136,50 Euro pro Kopf und Tag für eine städtische Destination unterdurchschnittlich. Dabei können die Ausgaben von Tagesgästen die fehlenden Ausgaben im Übernachtungsbereich nicht kompensieren, sie liegen nur im Durchschnitt. Zwar stiegen in Tübingen in den letzten zehn Jahren die Zahlen der Übernachtungen und Ankünfte deutlich, die Stadt liegt damit jedoch im touristischen Trend.

Touristischer Beitrag
Auch der touristische Beitrag zum gesamten Primäreinkommen fällt in Tübingen mit vier Prozent niedriger aus als in den meisten anderen Städten. Am stärksten profitiert noch der Einzelhandel von den Touristen: 55,3 Prozent der touristischen Ausgaben erfolgen in den Geschäften zwischen Altstadt, Zinser-Dreieck und den weiteren Einzelhandelsstandor-ten. Rund 3.500 Personen können in Tübingen ihren Lebensunterhalt durch den Tourismus bestreiten. Die touristischen Leistungsträger erwirtschaften rund 21,4 Millionen Euro an Gesamtsteueraufkommen.

"Vornehme Zurückhaltung"
"Wir haben schon lange den Eindruck, dass Tübingen sein großes touristisches Potenzial sehr viel stärker nutzen könnte", kommentiert Max Richard Freiherr Rassler von Gamerschwang, Vorsitzender des IHK-Tourismusausschusses, die Ergebnisse der Studie. Auch bei der Vermarktung der Dachmarke „Schwäbische Alb“ gehört Tübingen bisher kaum zu den Antreibern. „Da spüren wir allenthalben vornehme Zurückhaltung.“ Mit einem Ausbau der touristischen Wertschöpfung könnten Arbeitsplätze entstehen und Investitionen finanziert werden, sagt Dr. Hans-Ernst Maute, Vorsitzender des IHK-Gremiums Tübingen. „Für einen Dienstleistungsstandort wie Tübingen geht es um wirtschaftliche Chancen. Die dürfen wir nicht verstreichen lassen.“ Das IHK-Gremium, Interessenvertretung der Unternehmen im Landkreis Tübingen, hatte sich von Beginn an für die Beauftragung der Tourismusstudie ausgesprochen.

Dialog mit der Stadtspitze
Im nächsten Schritt will die Tübinger Wirtschaft die Ergebnisse mit der Stadtspitze diskutieren. „Wir suchen den Dialog“, sagt Karin Goldstein, Tourismusexpertin der IHK. Dabei soll über die professionellere Vermarktung und die vorhandenen Strukturen gesprochen werden. „Wir müssen fragen wie es gelingen kann, hochwertige Fremdenverkehrsströme in die Stadt zu lenken, und ob dabei eine Vereinsstruktur für das Marketing der richtige Ansatz ist“, so Goldstein. Angesprochen werden soll auch die kritische Haltung von Teilen der Tübinger Bevölkerung. „Der Tourismus sorgt für Arbeitsplätze und Steueraufkommen, das gilt es zu vermitteln.“

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