Endspurt für Steuersparer

Das sollte in diesem Jahr noch erledigt werden

Wer jetzt noch schnell seine Abgabenlast für 2017 optimieren möchte, sollte die
letzten Wochen des Jahres zum Steuerendspurt nutzen. An was Unternehmerinnen und Unternehmer jetzt denken sollten.

Bei schlauer Planung können Ausgaben noch in dieses Jahr vorgezogen oder bewusst ins neue Jahr verschoben werden, um Steuern zu sparen. Welche Anträge bares Geld wert sind, hat der Bund der Steuerzahler zusammengestellt.

Betriebsweihnachtsfeier richtig planen

Zuwendungen des Chefs an seine Mitarbeiter auf einer Betriebsfeier sind lohnsteuer- und sozialversicherungsfrei, soweit die Aufwendungen für die Betriebsfeier den Betrag von 110 Euro je Arbeitnehmer (inklusive Umsatzsteuer) nicht übersteigen und nicht mehr als zwei Feiern im Jahr stattfinden. Zu den Zuwendungen zählen zum Beispiel Speisen und Getränke oder die Übernahme der Übernachtungs- und Fahrtkosten, auch Aufwendungen für eine Eintrittskarte zu einer kulturellen oder sportlichen Veranstaltung sind in Ordnung. Der Arbeitgeber kann in diesem Fall die Ausgaben als Betriebsausgaben abziehen und den Vorsteuerabzug verlangen. Ist der Arbeitgeber etwas großzügiger und wird der 110-Euro-Betrag überschritten, unterliegt nur der Teil, der den Freibetrag übersteigt, der Lohnbesteuerung. Aber Achtung, diese Regel gilt nicht für die Umsatzsteuer. Bei Überschreiten des 110-Euro-Betrags kann der Unternehmer für den gesamten Betrag keinen Vorsteuerabzug beanspruchen. Wer den Vorsteuerabzug für die Kosten der Weihnachtsfeier nicht verlieren will, sollte maximal mit 110 Euro pro Nase planen.

Einzelunternehmer sollten Überentnahmen prüfen

Einzel- und Mitunternehmer bei einer Personengesellschaft sollten prüfen, ob sie dem Unternehmen zu viel entnommen haben. In diesem Fall gerät der betriebliche Schuldzinsenabzug in Gefahr. Grundsätzlich können betrieblich veranlasste Schuldzinsen in voller Höhe als Betriebsausgaben geltend gemacht werden. Um allerdings zu verhindern, dass betriebliche Eigenmittel zur Finanzierung privater Ausgaben entnommen werden und die daraus entstehende Finanzierungslücke durch die Aufnahme eines betrieblichen Darlehens ausgeglichen wird, ist der Schuldzinsenabzug bei Überentnahmen eingeschränkt. Diese liegt vor, wenn mehr entnommen wurde, als an Gewinnen und Einlagen erzielt wurde. Sie kann durch eine Einlage bis zum Jahresende kompensiert werden.

Geschenke an Mitarbeiter – Freibetrag beachten

Viele Arbeitgeber bedanken sich in der Weihnachtszeit bei ihren Mitarbeitern für die gute Zusammenarbeit und übergeben eine kleine Aufmerksamkeit oder spendieren eine Weihnachtsfeier. Seit dem Jahr 2015 bleiben Aufmerksamkeiten an Arbeitnehmer bis zu einem Betrag von 60 Euro pro Geschenk steuerfrei. Zuvor galt eine Höchstgrenze von 40 Euro. Übersteigt der Wert des Geschenks den Betrag von 60 Euro, so werden Lohnsteuer und Sozialabgaben fällig. Wird das Geschenk im Rahmen einer Betriebsveranstaltung übergeben, sollten die Kosten für das Präsent zusammen mit den übrigen Kosten der Feier 110 Euro je Arbeitnehmer nicht übersteigen, um die Steuerfreiheit zu erhalten.

Geschenke an Geschäftspartner – Pauschalierung weiterhin möglich

Sofern in diesem Jahr noch keine Geschenke an Geschäftspartner verteilt wurden, können Unternehmer dies noch bis Jahresende tun: Geschenke mit einem Wert von maximal 35 Euro können beim Schenkenden als Betriebsausgabe abgezogen werden. Ist der Schenkende zum Vorsteuerabzug berechtigt, gilt dieser Wert netto. Der Schenkende kann für den beschenkten Geschäftspartner beziehungsweise dessen Mitarbeiter auch die Lohnsteuer pauschal übernehmen (§ 37b EStG). Ausgenommen sind Geschenke bis zu einem Wert von 10 Euro, für diese fällt keine Steuer an. Der Bundesfinanzhof hat am 30. März 2017 (Az.: IV R 13/14 ) entschieden, dass die für ein Geschäftsgeschenk übernommene Pauschalsteuer ein zweites Geschenk ist. Das heißt, der Wert des Geschenks nebst Steuer werden zusammengerechnet. Überschreitet die Summe dann den Betrag von 35 Euro, entfällt der Betriebsausgabenabzug. Für die Praxis hätte das Urteil fatale Folgen gehabt, denn bisher wurde die Pauschalsteuer nicht in die 35 Euro -Grenze mit eingerechnet. Zugunsten der Unternehmer hat das Bundesfinanzministerium das Urteil jedoch mit einer Fußnote im Bundessteuerblatt veröffentlicht, sodass für den Betriebsausgabenabzug (35 Euro-Grenze) weiterhin allein der Geschenkewert maßgeblich (BStBl. 2017 II S. 892).

Grundstücksveräußerungen zwischen Unternehmern

Grundsätzlich fällt im Zusammenhang mit Grundstücken keine Umsatzsteuer an. Bei Grundstücksverkäufen zwischen Unternehmern kann aber zur Umsatzsteuer optiert werden. Dies ist vorteilhaft, weil beispielsweise die Vorsteuer aus Transaktionskosten gezogen werden kann. Nach einem Urteil des Bundesfinanzhofs kann die Option zur Umsatzsteuer ausschließlich im notariell beurkundeten Kaufvertrag erklärt werden. Eine spätere Erklärung ist unwirksam (Az.: XI R 40/13). Damit weicht das Gericht von der bisherigen Verwaltungsauffassung ab, die eine nachträgliche Änderungen des Kaufvertrags zuließ. Mit BMF -Schreiben vom 2. August 2017 schloss sich die Finanzverwaltung der strengeren Rechtsprechung an, gewährte aber bis Ende des Jahres Vertrauensschutz. Unternehmer sollten prüfen, ob für sie Handlungsbedarf besteht, denn für notarielle Vertragsergänzungen oder Änderungen wird noch bis Jahresende 2017 Vertrauensschutz gewährt, wenn die betreffende Jahressteuerfestsetzung formell noch nicht bestandskräftig ist.

Investitionsabzugsbetrag – prüfen, ob Investition getätigt werden sollte

Der Investitionsabzugsbetrag ermöglicht kleinen und mittleren Betrieben die Vorverlagerung von Abschreibungen in ein Wirtschaftsjahr vor der Anschaffung oder Herstellung eines Gegenstandes. Voraussetzung ist, dass die Investition in den drei folgenden Wirtschaftsjahren "voraussichtlich"
getätigt wird. Unterbleibt die beabsichtigte Investition in diesem Zeitraum oder ist diese geringer als vorgesehen, so kommt es insoweit zur Korrektur der Steuerbescheide und gegebenenfalls einer Verzinsung. Unternehmer sollten daher zum Jahresende prüfen, ob noch im laufenden Jahr eine Investition getätigt werden sollte, um eine rückwirkende Gewinnzurechnung nebst Zinsen zu vermeiden.

Krankenkassenbeiträge bei Privatversicherten – Erstattung oder Steuerersparnis

Privat krankenversicherte Steuerzahler sollten jedes Jahr genau überprüfen, ob die Beitragsrückerstattung oder die steuerliche Berücksichtigung der Krankenkassenbeiträge ohne Beitragsrückerstattung günstiger ist. Viele privat Versicherte entscheiden im Dezember, ob sie die im Jahr angefallenen Arzt- und Arzneikosten bei der Krankenkasse geltend machen oder selbst tragen und dafür eine Beitragsrückerstattung beanspruchen. Bereits bei einer überschlägigen Berechnung zeigt sich, ob es günstiger ist, auf die Beitragsrückerstattung zu verzichten. Sind beispielsweise für Arztbesuche und Medikamente im Jahr 1.700 Euro angefallen und kann sich der Versicherte aussuchen, ob er diese Kosten bei seiner Krankenkasse geltend macht oder nicht, ergibt sich folgendes Ergebnis: Die Versicherung gewährt zum Beispiel eine Beitragsrückerstattung von 2.000 Euro, wenn er keine Kosten geltend macht. Dies wäre eine „Ersparnis“ von 300 Euro. Allerdings kann er dann auch 2.000 Euro weniger Krankenkassenbeiträge in seiner Einkommensteuererklärung ansetzen. Bei einem Steuersatz von 20 Prozent ergibt dies eine Einbuße von 400 Euro. Zudem kann er die Arzt- und Medikamentenkosten nicht als außergewöhnliche Belastungen in der Einkommensteuererklärung ansetzen, weil er auf die Erstattungsmöglichkeit verzichtet hat (FG Rheinland -Pfalz – 2V 1883/11). Dieser Steuerzahler sollte  sich demnach gegen die Beitragsrückerstattung entscheiden und die Aufwendungen bei seiner Krankenkasse einreichen. So erhält er eine Erstattung von der Krankenkasse von 1.700 Euro. Andernfalls bekäme er zwar 2.000 Euro von der Krankenkasse erstattet, müsste deshalb aber 400 Euro mehr Steuern zahlen. Wurde ein Selbstbehalt vereinbart, ist dieser selbstverständlich auch bei der Berechnung zu berücksichtigen.

Kleinunternehmer – Umsatzgrenze prüfen

Unternehmer, die nur geringe Umsätze tätigen, werden als Kleinunternehmer eingestuft. Nutzt der Unternehmer die Kleinunternehmerregelung, muss er auf seine Leistungen keine Umsatzsteuer erheben; im Gegenzug darf er aber auch keinen Vorsteuerabzug geltend machen. Als Kleinunternehmer gelten Unternehmer, deren Umsatz im vergangenen Jahr den Betrag von 17.500 Euro nicht überstiegen hat und im laufenden Kalenderjahr 50.000 Euro voraussichtlich nicht übersteigen wird. Wer auch im Jahr 2018 von der Kleinunternehmerregelung Gebrauch machen möchte, sollte vor dem 31. Dezember 2017 seinen Gesamtumsatz für das Jahr 2017 ermitteln. Wird die Grenze von 17.500 Euro überschritten und greifen keine Steuerbefreiungsvorschriften, unterliegt der Unternehmer ab dem 1. Januar 2018 der Regelbesteuerung. Das heißt, er muss in seinen Rechnungen Umsatzsteuer ausweisen und Umsatzsteuer-Voranmeldungen abgeben. Darauf sollte sich der Unternehmer rechtzeitig einstellen. Wer hart an der Grenze zu 17.500 Euro ist und auch im Jahr 2018 als Kleinunternehmer tätig werden möchte, sollte darauf achten, dass die Umsätze erst im Jahr 2018 entstehen und damit die 17.500-Euro-Grenze in 2017 nicht geknackt wird.

Sammelposten – neue Regel ab 2018

Unternehmer können aktuell Wirtschaftsgüter mit Anschaffungs- beziehungsweise Herstellungskosten zwischen 150 und 1.000 Euro in einen Sammelposten einstellen und über fünf Jahre abschreiben. Die untere Wertgrenze wird angehoben: Für Güter, die ab dem Jahr 2018 angeschafft beziehungsweise hergestellt wurden, liegt sie dann bei 250 Euro. Ergänzend hat der Gesetzgeber die Grenze für die besondere Aufzeichnungspflicht für Wirtschaftsgüter von 150 auf 250 Euro angehoben. Deshalb müssen Unternehmer ab 2018 erst Wirtschaftsgüter, deren Wert 250 Euro übersteigt, unter Angabe des Anschaffungsdatums in ein besonderes Verzeichnis aufnehmen, soweit die Angaben nicht ohnehin aus der Buchführung ersichtlich sind. Wer mit der Anschaffung von Gütern noch etwas warten kann, sollte überlegen, die Anschaffung in das Jahr 2018 zu verschieben, dann kann man die günstigeren Regeln nutzen.

Steuervorauszahlungen prüfen – Hohe Nachforderungen vermeiden

Einige Unternehmer überschlagen zum Jahreswechsel bereits den Gewinn für das Jahr 2017. Fällt das erwartete zu versteuernde Einkommen deutlich geringer als im Vorjahr aus, kann ein Antrag auf Anpassung der Einkommensteuer-Vorauszahlungen gestellt werden. Dies hat den Vorteil, dass der Steuerzahler nicht bis zum nächsten Steuerbescheid warten muss, um die Vorauszahlungen nach unten anzupassen. Wer ein gutes Geschäftsjahr hinter sich hat, kann einen Antrag auf Anhebung der Vorauszahlungen stellen. Dies ist vor allem sinnvoll, wenn eine hohe Steuernachzahlung vermieden werden soll.