ESA-BIC in Reutlingen und Friedrichshafen

Umwelt schützen durch Weltraumtechnologie

Umweltschutz und Weltraumtechnik? Passt das zusammen? Im Business Incubation Centre der ESA in Baden-Württemberg (ESA-BIC) tüfteln junge Firmen an Lösungen für die Umweltprobleme der Welt.

Umwelt schützen durch WeltraumtechnologieFoto: ESA

„Ohne Weltraumtechnik wüssten wir nicht um die derzeitige Situation der Erde“, sagt Prof. Ernst Messerschmid. Der Astronaut weiß als ehemaliger Direktor des Instituts für Raumfahrtsysteme der Universität Stuttgart, wovon er spricht. Ohne die Sensoren und Kameras im All wäre das Bewusstsein um die Lage unseres Planeten unbekannt. „Das Meiste erfährt man über Messungen etwa zum Anstieg des Meeresspiegels.“ Zudem kämen die für die Raumfahrt entwickelten Technologien häufig beim Klima- und Umweltschutz zum Einsatz. „Raumfahrt ist ein Sprungbrett für neue Technologien.“

Um diese entwickeln, Geschäftsideen ausbauen und effektiv einsetzen zu können, werden Gründer mit Bezug zur Weltraumtechnik im Business Incubation Centre der ESA, kurz ESA-BIC, in Friedrichshafen und Reutlingen gefördert. Dr. Stefan Engelhard, Leiter des ESA-BIC in Baden-Württemberg, kann seit 2018 auf 22 Unternehmen blicken, die bereits in den Genuss dieser Kooperation gekommen sind. Gut zehn der 22 Start-ups setzen auf Geschäftsideen mit Bezug zum Umweltschutz. „Wir sind eine Art Geburtshelfer in diesem Start-up Ökosystem und versuchen, die Unternehmen soweit zu unterstützen, dass Investoren bei ihnen einsteigen.“

Best-Practice-Beispiele Umwelttechnik aus der ESA-BIC-Förderung

Das junge Karlsruher Start-up Heliopas.ai hilft Landwirten, mit weniger Düngemitteln und Pestiziden auf Unwetter und Pflanzenkrankheiten zu reagieren. „Auf diese Weise können wir die Welt ernähren und gleichzeitig weniger verschmutzen“, sagt Ingmar Wolff, CEO Heliopas.ai. Dazu werden weltweit landwirtschaftliche Felder mit Satelliten und künstlicher Intelligenz überwacht. „Unsere Feldüberwachung versteht die Realität auf dem Feld und warnt vor Krankheiten und Unkräutern, bevor sie sich ausbreiten.“ Zudem liefert das Unternehmen automatisierte Handlungsempfehlungen für die Bewässerung der Felder über die App Waterfox, die Satellitendaten der ESA und Wetterstationen auswertet und auf die Felder des jeweiligen Landwirtes anwendet.

Der digitale Wandel bildet die Grundlage des Geschäftsmodells der vaireco, die die Thermografie in die 2D- oder 3D-Welt überträgt. Das Unternehmen aus Konstanz setzt moderne Werkzeuge, wie 3D-Laserscanning oder Photogrammetrie ein, erstellt dreidimensionale Modelle, digitale Zwillinge oder zweidimensionale Orthobilder und wertet diese aus. Die automatisierten Inspektionen decken Wärmeverluste von Häusern und Fehler von Photovoltaik-Modulen auf und tragen so zur Energieeffizienz bei.

Navigation und Kommunikationstechnik setzt das Reutlinger Unternehmen Xylene ein, um den Abbau und die Lieferkette von Rohstoffen zu kontrollieren. Dies unterbindet den unregulierten Abbau dieser Rohstoffe und stellt Transparenz für die Kunden dar. „Wir wollen Importeuren und Produzenten transparente und vertrauenswürdige Lieferketten für ihre Rohstoffe ermöglichen“, erläutert Christopher Edwards, CEO Xylene.

Über ESA-BIC in Baden-Württemberg

20 Business Incubation Centre der europäischen Weltraumagentur ESA in 17 Ländern Europas nehmen im Jahr 180 Start-ups in ihr Incubationsprogramm auf. Die zwei ESA BIC Standorte in Baden-Württemberg in Friedrichshafen und Reutlingen bilden mit dem ESA BIC Standort in Darmstadt das ESA BIC Hessen & Baden-Württemberg. Airbus Defence and Space in Friedrichshafen und die IHK Reutlingen betreiben die beiden Standorte. Die Aktivitäten für Baden-Württemberg werden koordiniert vom Institut für Wissensmanagement und Wissenstransfer der IHK Reutlingen.

Über die IHK

Die Industrie- und Handelskammern (IHKs) sind Interessenvertreter und Dienstleister der regionalen Wirtschaft. Als Körperschaften des öffentlichen Rechts regeln sie aber auch staatliche Aufgaben. Sie sind zudem für Ministerien, Gerichte und Behörden ein sachkundiger Partner in wirtschaftlichen Fragen. Die Mitgliedsunternehmen der IHKs kommen aus Industrie, Handel und dem Dienstleistungsgewerbe. Die IHK Reutlingen vertritt das Gesamtinteresse ihrer rund 42.000 Mitgliedsunternehmen in der Region Neckar-Alb. Dazu gehören die Landkreise Reutlingen, Tübingen und der Zollernalbkreis. Mit dem IHK-Institut für Wissensmanagement und Wissenstransfer (IHK-IWW) hat sie eine eigene Einheit gebildet, die sich um Innovationstransfer und Technologieprojekte kümmert.

Mehr Informationen zum ESA-BIC in Baden-Württemberg unter www.esa-bic-bw.de/ sowie im Blog unter www.weltraum-bw.de

Dr. Stefan Engelhard

Dr. Stefan Engelhard

Innovation und Umwelt
IHK-Zentrale
Position: Leiter Institut für Wissensmanagement und Wissenstransfer (IHK-IWW) / Bereichsleiter Innovation und Umwelt
Schwerpunkte: Innovationsberatung, Beratung zu FuE-Förderprogrammen, gewerbliche Schutzrechte, CE-Kennzeichnung und Qualitätsmanagement, Cluster Technische Textilien Neckar-Alb
Telefon: 07121 201-158
E-Mail schreiben
vCard herunterladen
Zur Detailseite


Zur Übersicht