IHK: Lockdown bremst Erholung ab

Umsatzentschädigung muss schnell kommen

„Wir machen uns große Sorgen, ob die betroffenen Firmen den zweiten Lockdown überstehen können“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Wolfgang Epp. Die angekündigten Hilfen müssen aus Sicht der IHK schnell fließen.

Umsatzentschädigung muss schnell kommenFoto: OSORIOartist - stock.adobe.com

„Die Schließungen im Gastgewerbe und das Verbot von Veranstaltungen sind für die Unternehmen ein sehr schwerer Schlag. Das zeigen alle Rückmeldungen, die wir derzeit von unseren Mitgliedern bekommen“, so Wolfgang Epp. Zwar ist nachvollziehbar, dass die Politik angesichts steigender Infektionszahlen handeln musste. Viele Betriebe verstehen jedoch nicht, warum gerade ihre Branche zum Schließen verpflichtet wird. „Die Schließungen werden im Vergleich zu anderen als ungerecht empfunden. Die Betriebe haben zuvor viel Geld und Zeit in Hygienekonzepte investiert.“

Die angekündigten Umsatzentschädigungen sind richtig, sagt der IHK-Hauptgeschäftsführer. Die neuerliche Soforthilfe sollte allerdings zügiger ausgezahlt werden, nicht erst im Januar. Epp: „Die Politik hat mit dem ersten Soforthilfe-Programm gezeigt, dass sie unbürokratisch und schnell handeln kann. Nur dann kann es gelingen, eine Welle von Insolvenzen, Schließungen und Arbeitsplatzverlusten zu verhindern.“

Verkaufsoffene Sonntage denkbar?

Der Lockdown für Gastronomie, Hotellerie und Eventbranche wird den regionalen Aufschwung der vergangenen Monate nach Prognosen der IHK abschwächen und auch in andere Branchen wie den Einzelhandel abstrahlen. Eine neuerliche Erholung ist erst für das Frühjahr zu erkennen. „Wir hoffen, dass die Infektionszahlen zurückgehen und wenigstens das Weihnachtsgeschäft halbwegs vernünftig laufen kann.“ Auch mit Blick auf die Flächenbeschränkungen im Einzelhandel sollte geprüft werden, ob im Dezember verkaufsoffene Sonntage denkbar sind. „Dann kann es zu Nachholeffekten im Konsum kommen.“

Stabilisierend wirkt derzeit vor allem die Industrie. Die dortigen Unternehmen vermelden im Schnitt eine gute Auftragslage. Das Produzierende Gewerbe steht regional für knapp 35 Prozent der Bruttowertschöpfung in den drei Landkreisen der Region und ist damit derzeit „der Rettungsanker unserer konjunkturellen Entwicklung“, so der Hauptgeschäftsführer. Handel, Verkehr, Gastgewerbe und IT stehen für etwa 16 Prozent.

Die Industrie profitiert aktuell vom Export, so die Daten der IHK. Die Lücke im Exportvolumen gegenüber dem Vorjahr schließt sich bis Ende des Jahres voraussichtlich auf fünf bis sieben Prozent. Dass der Export läuft, zeigt sich auch bei den Zahlen für die Außenhandelsdokumente, die für zahlreiche Lieferländer bei der IHK bescheinigt werden. Sie liegen, Stand Ende Oktober, knapp zwölf Prozent hinter dem Vorjahr. Die Lücke nimmt aber seit dem ersten Lockdown kontinuierlich ab. „Außerhalb Europas läuft vor allem China sehr gut, die USA sind noch etwas schwächer, werden aber wieder aufholen“, sagt Wolfgang Epp.

Langfristige Perspektiven nötig

Für die weitere Unterstützung der Wirtschaft mahnt die IHK leicht zu beantragende Hilfsprogramme an. „Die Soforthilfen und die Unterstützungen für einzelne Unternehmensgrößen und Branchen haben sich bewährt. Bund und Länder haben hier gut und schnell reagiert“, so Epp. Mit Blick auf die Bewältigung der Krise benötigen die Unternehmen jedoch mehr Transparenz und Klarheit. „Die weiteren Maßnahmen müssen breiter debattiert werden. Hier sind die Parlamente gefragt. Dabei müssen wir einen vernünftigen Weg zwischen möglichen Einschränkungen der Wirtschaft und Sicherheit von Mitarbeitern und Kunden finden.“ Einen weiteren Lockdown gilt es unter allen Umständen zu vermeiden.

Dr. Wolfgang Epp

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