Konjunkturumfrage: Besser als im Sommer

Mehr Optimisten in der Region

Die Konjunktur in der Region hat laut jüngster IHK-Umfrage ihren Tiefpunkt überwunden. „Die Optimisten kehren trotz Corona vorsichtig zurück“, sagt IHK-Präsident Christian O. Erbe.

Mehr Optimisten in der RegionFoto: rudall30 - stock.adobe.com

Der IHK-Konjunkturklimaindex aus Lage und Erwartungen der heimischen Unternehmen legt in der aktuellen Herbstumfrage um 23 Punkte zu und erreicht einen Wert von 107. Damit liegt die Region sieben Punkte besser als der Konjunkturindex auf Landesebene. Über alle Branchen haben sich in der Region Lagebeurteilung und Ausblick gegenüber dem Sommer verbessert. „Die Talsohle ist im Moment durchschritten, aber viele Firmen liegen weiter hinter ihren Vorjahreswerten zurück“, so Erbe.

Besonders betroffen sind Gastgewerbe, Einzelhandel, Schausteller, Veranstaltungswirtschaft sowie Reise-, Bus- und Taxiunternehmen. Der Außenhandel hat sich zwar zuletzt verbessert, ihre Aussichten sehen die Exportunternehmen derzeit noch verhalten: 28 Prozent der Betriebe rechnen mit Rückgängen, 24 Prozent mit Zuwächsen. Erbe: „Viel wird in den kommenden Wochen von der Entwicklung der Infektionszahlen abhängen. Ich appelliere an die Vernunft aller, die Abstands- und Hygieneregeln unbedingt einzuhalten. Ein neuerliches Herunterfahren würde alle Anzeichen auf Erholung zunichtemachen und damit Firmen und Arbeitsplätze gefährden.“

Im Vergleich zum Land sind die Unternehmen in der Region Neckar-Alb derzeit etwas besser gestimmt. Während landesweit 28 Prozent ihre Lage als „gut“ einschätzen, sind dies in der Region 34 Prozent. Das führt die IHK vor allem auf vermehrt optimistische Einschätzungen in Industrie, Großhandel und bei Dienstleistern zurück. Auch bei den geplanten Investitionen sind die Signale aus der Region über dem Landesschnitt: Während in ganz Baden-Württemberg 16 Prozent der an der Umfrage beteiligten Unternehmen verstärkt investieren wollen, sind dies in den drei Landkreisen der Region 20 Prozent.

Unternehmen nicht weiter belasten
Der IHK-Präsident plädiert dafür, die Firmen in der Krise nicht mit weiteren Vorschriften zu belasten. Kritisch sieht er etwa das geplante Unternehmensstrafrecht. Darüber soll eine neue Form strafrechtlicher Haftung von juristischen Personen beschlossen werden. Für Erbe führt das Gesetz aber eher dazu, Unternehmen in der Öffentlichkeit latent zu kriminalisieren und als unseriös darzustellen. „Unternehmen sollen für Geschehnisse haften, auf die sie keinerlei Einfluss und die sie nicht verschuldet haben“, so Erbe. Mit Blick auf das geplante Lieferkettengesetz mahnt Erbe das eigentliche Ziel, bessere Produktionsbedingungen in den Ursprungsländern, nicht aus den Augen zu verlieren. „Die Unternehmen wollen ihren Beitrag für eine bessere Lieferkette leisten, das liegt in ihrem ureigensten Interesse, denn sie wollen stabile und verlässliche Lieferketten. Es darf aber nicht so enden, dass wir am Ende vor allem mehr Bürokratie haben. Daher brauchen wir eine realistische und leistbare Ausgestaltung des Gesetzes.“

Gerade jetzt sollte weiter in Innovationen investiert werden. Die jüngste IHK-Clusteranalyse hat gezeigt, dass Künstliche Intelligenz, Biotechnologie und individualisierte Medizin die neuen wichtigen Technologiefelder in der Region sind. „Diese müssen wir dringend weiter ausbauen. Die IHK wird dazu ihren Beitrag leisten“, sagt Erbe. Zukunftsfelder ergeben sich darüber hinaus bei neuer Mobilität, alternativen Antriebstechniken und technischen Textilien. „Wir sind Hightech-Standort und sollten alles tun, damit wir vorne bleiben. Das ist der Anspruch!“ Erbe spricht sich außerdem dafür aus, bei neuen Technologien die Bevölkerung stärker mitzunehmen. „Wir müssen diese Chancen besser erklären“, so der Präsident. „Die Zukunft der Region liegt in den Technologien von morgen.“

Konjunkturbericht in neuem Design
Der aktuelle Konjunkturbericht erscheint in neuem Design. Auf fünf Seiten stellt er die regionalen Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage dar. Neu ist, dass die Einzelindikatoren „Aktuelle Geschäftslage“, „Erwartungen“, „Investitionsverhalten“, „Beschäftigungsverhalten“ und das aktuelle Exportgeschehen im Zeitverlauf der letzten fünf Befragungen dargestellt sind. Auch die Branchenergebnisse gibt es im Detail.

Hintergrund
An der Konjunkturumfrage der IHK Reutlingen hat sich eine repräsentative Auswahl von 382 Unternehmen aus den Bereichen Industrie und Bau (170), Groß- und Einzelhandel (98) sowie dem Dienstleistungssektor (114), darunter Hotel- und Gaststättengewerbe, beteiligt. Die Umfrage der IHK lief bis zum 30. September 2020.

Der Bericht steht hier zum Download zur Verfügung.

Antonia Hettinger

Antonia Hettinger

Standortpolitik
IHK-Zentrale
Position: Projektmanagerin Volkswirtschaft und regionale Wirtschaftspolitik
Schwerpunkte: Volkswirtschaft und regionale Wirtschaftspolitik, Gesundheitswirtschaft, Netzwerke Bau- und Immobilienwirtschaft, Projektmanagement, Young Professionals und Bauleitplanung
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