IHK-Mitgliederstatistik 2020

Gründung als Chance

Die Mitgliederstatistik 2020 der IHK Reutlingen zeigt: Die Region bleibt Industriestandort, die Krise wirkt sich auf den Handel aus, Informations- und Kommunikationstechnik legen zu. Bei den Sitzverlegungen schließt die Region Neckar-Alb mit einem leichten Minus ab.

Gründung als ChanceFoto: Lane V. Erickson/shutterstock.com

Die Branchenstatistik der IHK Reutlingen über das Jahr 2020 bestätigt weitestgehend die Entwicklung der letzten Jahre: Die Anzahl der Unternehmen im produzierenden Gewerbe legt von 6.001 auf 6.175 Betriebe leicht zu (+2,9 Prozent). Ebenso steigt die Anzahl der Betriebe in der Informations- und Kommunikationstechnik von 2.089 auf 2.117 (1,3 Prozent) und im Gastgewerbe von 1.962 auf 1.994 (1,6 Prozent). Die Dienstleistungsbranche wächst im vergangenen Jahr ebenfalls von 12.024 auf 12.275 (2,1 Prozent). Das heißt: Die Region bleibt geprägt von der Industrie, neue Technologien und Dienstleistungen machen Boden gut.

Blick auf den Handel
Eine starke Dynamik gibt es im Einzelhandel. Während die Anzahl dieser Unternehmen in den vergangenen Jahren konstant abgenommen hat, steigt die Anzahl im Corona-Jahr von 7.089 Betrieben auf 7.328 Betriebe (+3,4 Prozent). Den 617 Aufgaben stehen 856 Gründungen gegenüber. In Krisenzeiten ist diese Entwicklung häufig zu beobachten. Die Menschen wagen eher den Schritt in die Selbstständigkeit, Zugangsbeschränkungen in dieser Branche sind gering. „Das Gründen in diesem Bereich war für viele im letzten Jahr die Alternative zur Arbeitslosigkeit“, sagt Dr. Wolfgang Epp, IHK-Hauptgeschäftsführer. „Das heißt aber nicht, dass in den Innenstädten entsprechend viele Ladenlokale eröffnet haben. In die Statistik fließen beispielsweise auch Online-Händler, Handelsvertreter oder der Verkauf von Produkten in Privaträumen ein.“

Gleichzeitig hat die Corona-Krise Gründerinnen und Gründern ungeahnte Potenziale im Handel eröffnet, viele haben diese Chance ergriffen. „Corona hat der Digitalisierung einen kräftigen Schub versetzt, dadurch haben sich neue Verkaufsmöglichkeiten aufgetan“, so Epp. Die IHK Reutlingen hat die Gründerinnen und Gründer auch im Krisenjahr 2020 beraten und sie auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit unterstützt.

Leichtes Minus bei den Umzügen
Die IHK hat zudem alle Sitzverlegungen aus dem Jahr 2020 erfasst, die die Region Neckar-Alb betreffen. Die Statistik schließt mit einem leichten Minus ab: 115 Unternehmen haben ihren Firmensitz in die Region Neckar-Alb verlegt, 122 Unternehmen haben die Region verlassen. Insgesamt 44 Unternehmer davon hat das Kunden-Info-Center telefonisch erreicht und nach ihren Beweggründen gefragt.

Die Kurzumfrage ergab: Bei der Verlegung des Firmensitzes spielen sowohl geschäftliche als auch private Gründe eine Rolle. 34 Prozent der befragten Zuwanderer verlegten ihren Firmensitz in die Nähe ihres Wohnorts. Damit einhergehen weitere 22 Prozent, die ein bestehendes Unternehmen übernommen haben. Außerdem gaben 16 Prozent der Befragten strategische Gründe an, beispielsweise die Ansiedlung mehrerer Firmen an einem Standort. Bei den Abwanderern gaben 31 Prozent an, dass sie an einem anderen Standort neue Gewerbeflächen gefunden haben. 27 Prozent nannten den privaten Wohnsitzwechsel als Grund für die Verlegung. Es folgen mit jeweils elf Prozent die Nähe zum Kunden sowie die Infrastruktur des Standorts.

Handlungsbedarf
Sowohl für Unternehmen, als auch für Städte und Gemeinden gibt es viel zu tun. In den Firmen werden sich die Strukturen in Zeiten der Corona-Krise noch stärker als in den vergangenen Jahren verändern. Arbeitsprozesse werden auf den Prüfstand gestellt, die Digitalisierung wird stark vorangetrieben. Für die Unternehmen heißt das: Sie müssen noch stärker Innovationen und neue Produkte vorantreiben, Netzwerke bilden. Außerdem brauchen sie ein intelligentes Gewerbeflächenmanagement und insbesondere ein flächendeckendes Breitbandnetz. Die IHK Reutlingen wird ihre Mitgliedsunternehmen dabei unterstützen. Sie wird sich weiter für gute Infrastrukturen einsetzen und neue Themenfelder wie die Künstliche Intelligenz vorantreiben.

Städte und Gemeinden müssen ihren Beitrag dazu leisten, dass der Standort für Unternehmerinnen und Unternehmer attraktiv bleibt. Dazu gehören die klassischen Standortfaktoren: Die Verfügbarkeit von Gewerbeflächen ist genauso wichtig wie die Infrastruktur des Standorts. Ebenso wichtig ist den Unternehmern, dass ihr Betrieb in der Nähe ihres Wohnsitzes liegt. „Deswegen sollten Städte und Gemeinden auch dafür sorgen, dass die Lebensqualität vor Ort stimmt“, sagt Epp. Die IHK Reutlingen dient ihnen als Plattform, vernetzt Unternehmen, Städte und Gemeinden und sorgt für einen konstruktiven Austausch zwischen den Beteiligten.

Dr. Wolfgang Epp

Dr. Wolfgang Epp

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