IHK-Konjunkturumfrage: Zwischen gut und richtig schlecht

Geschlossene Betriebe leiden unter Lockdown

Die regionale Konjunktur ist aktuell zweigeteilt: Industrie und Bau laufen gut, Handel, Gastgewerbe und viele Dienstleister leiden massiv unter den Folgen der Schließungen.

Geschlossene Betriebe leiden unter LockdownFoto: jesada-stock.adobe.com

Der IHK-Konjunkturklimaindex liegt zum Start des neuen Jahres bei 112 Punkten und damit fünf Punkte über dem Wert vom Herbst. Der Index bildet über alle Branchen die Lage und die Erwartungen der heimischen Unternehmen ab und zeigt einen verhaltenen Aufwärtstrend.

Deutliche Unterschiede offenbart jedoch der Blick in die einzelnen Wirtschaftszweige. In der Industrie bezeichnen derzeit 38 Prozent aller Unternehmen ihre Lage als „gut“ und 20 Prozent als „schlecht“, in der Baubranche sind sogar 68 Prozent mit der aktuellen Lage zufrieden bei acht Prozent negativer Wertung.

Ganz anders die Situation im Einzelhandel: Dort sprechen nur 17 Prozent von einer guten und 23 Prozent von einer schlechten Lage. „Während im Lebensmittelhandel die Umsatzzahlen steigen, ist insbesondere der textile Einzelhandel stark betroffen“, sagt IHK-Konjunkturexpertin Antonia Hettinger. Im Hotel- und Gastgewerbe gehen die Werte noch weiter auseinander. Hier stehen sieben Prozent „gut“ 86 Prozent „schlecht“ gegenüber.

Die Industrie und das Baugewerbe stehen für fast 40 Prozent der regionalen Bruttowertschöpfung. Knapp 15 Prozent machen die teilweise betroffenen Branchen Handel, Verkehr und das Gastgewerbe aus. Die IHK plädiert daher für Öffnungsszenarien. „Neben Handel und Gastgewerbe brauchen auch die Veranstaltungsbranche sowie die vielen personennahen Dienstleister dringend eine Aussicht, wann es unter welchen Bedingungen weitergehen kann. Wir benötigen einen verbindlichen Stufenplan, der festlegt, ab welcher Inzidenz geöffnet werden kann und welche Hygienevorschriften und Zugangsregeln jeweils gelten sollen“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Wolfgang Epp.

Export befeuert Industrie
Die gute Lage in der Industrie wird vor allem durch die Exportnachfrage befeuert. Trotz Corona konnten im vergangenen Jahr bis im November 8,1 Milliarden Euro Auslandsumsatz erzielt werden. Über die Hälfte des Gesamtumsatzes wurde im Ausland eingenommen. Für das laufende Jahr erwartet jeder Dritte Exporteur einen Zuwachs. Das ist eine Steigerung um acht Prozentpunkte im Vergleich zum Herbst.

Über alle Branchen haben laut IHK-Umfrage 68 Prozent der Unternehmen in 2020 einen Umsatzrückgang von bis zu 50 Prozent erlitten. Drei Prozent sehen sich von Insolvenz bedroht. Lediglich 20 Prozent der Betriebe kam ohne Auswirkungen auf den Gesamtumsatz durch das Jahr.

Aussichten: Bau geht zurück
Die Aussichten für 2021 gestalten sich über alle Branchen nur minimal rosiger als in der letzten Umfrage. In der Industrie erwarten 36 Prozent in den kommenden zwölf Monaten eine Verbesserung ihrer Geschäfte, 13 Prozent erwarten eine Verschlechterung. Im Einzelhandel halten sich die Optimisten (36 Prozent) und Pessimisten (38 Prozent) fast die Waage. Im Gastgewerbe sind mit 21 Prozent die Optimisten deutlich in der Unterzahl. 52 Prozent erwarten schlechtere Geschäfte. Einen deutlichen Dämpfer erwartet das Baugewerbe: Dort sehen nur noch vier Prozent bessere Geschäfte. Dem stehen 38 Prozent Pessimisten gegenüber.

Über alle Branchen nimmt die Investitionsbereitschaft im Vergleich zu Sommer und Herbst 2020 leicht zu. Knapp ein Viertel der Umfrageteilnehmer wollen in den kommenden Monaten investieren. Auch bei der Beschäftigung ist der Ausblick etwas weniger negativ. 20 Prozent wollen einstellen, im Herbst waren es nur zwölf Prozent gewesen. Entlassungen planen derzeit 25 Prozent – im Herbst lag dieser Wert bei 27 Prozent.

Hintergrund
An der Konjunkturumfrage der IHK Reutlingen hat sich eine repräsentative Auswahl von 369 Unternehmen aus den Bereichen Industrie und Bau (166), Groß- und Einzelhandel (89) sowie dem Dienstleistungssektor (114), darunter Hotel- und Gaststättengewerbe, beteiligt. Die Umfrage der IHK lief vom 14. Dezember 2020 bis zum 20. Januar 2021.

Der Bericht steht unter www.ihkrt.de/konjunktur zum Download zur Verfügung.

Antonia Hettinger

Antonia Hettinger

Standortpolitik
IHK-Zentrale
Position: Projektmanagerin Regionale Wirtschaftspolitik, Volkswirtschaft und Fachkräftesicherung
Schwerpunkte: Volkswirtschaft und regionale Wirtschaftspolitik, Gesundheitswirtschaft, Netzwerke Bau- und Immobilienwirtschaft, Projektmanagement, Young Professionals und Bauleitplanung
Telefon: 07121 201-256
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