Wirtschaft im ZAK: Export treibt, Verkehr bremst

„Der Zollernalbkreis muss wettbewerbsfähig bleiben“

In letzter Zeit gab es vermehrt Anzeichen der Erholung im Kreis, vor allem der Export legte zu. „Der Herbst stellt die Unternehmen allerdings erneut vor Herausforderungen“, kommentiert IHK-Vizepräsident Dr. Thomas Lindner die aktuelle Lage im Zollernalbkreis.

„Der Zollernalbkreis muss wettbewerbsfähig bleiben“Grafik: Julien Eichinger - Fotolia.com

Im ersten Halbjahr hat der Außenhandel im Zollernalbkreis deutlich die Milliarden-Marke überschritten und erreichte 1,17 Milliarden Euro, 22 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. In der Industrie läuft es im Schnitt noch sehr gut. Allerdings trüben Materialengpässe insbesondere bei Rohstoffen und Microchips und ein Abschwächen der Konjunktur in China die Erwartungen der Unternehmen etwas ein. „Sorgen machen uns auch weiter Handel, Gastgewerbe und viele Dienstleister, die von der Pandemie stark getroffen sind und aufgrund der Corona-Fallzahlen wieder etwas pessimistischer Richtung Herbst schauen “, so Lindner, im Ehrenamt auch Vorsitzender des IHK-Gremiums Zollernalb.

Der Ausbildungsmarkt in der Region Neckar-Alb hat sich mit einem Plus von 1,7 Prozent leicht positiv entwickelt. Im Zollernalbkreis stellt sich die Lage noch anders dar: Bei der IHK wurden im Zollernalbkreis zum 1. September 628 neue Lehrstellen in Industrie, Handel und Dienstleistungsgewerbe eingetragen, ein leichtes Minus von 0,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. „Corona ist weiter deutlich spürbar. Viele Schülerinnen und Schüler konnten sich kaum über Praktika oder Ausbildungsmessen orientieren. Dieser Input fehlt jetzt“, so Lindner. Immerhin gibt es regionsweit derzeit noch 237 freie Lehrstellen in der IHK-Onlinebörse. „Kurzentschlossene können auf jeden Fall noch ihren Ausbildungsplatz finden!“

Klare Positionierung gewünscht
Mit der Erholung der Wirtschaft rücken aus Sicht der IHK Themen wie Verkehrsprojekte und Energieversorgung verstärkt wieder in den Fokus. So soll der Kreis mit dem vierspurigen Ausbau der B27 zwischen Nehren und Bodelshausen und der Ortsumfahrung Lautlingen deutlich besser angeschlossen werden. „Der Zollernalbkreis braucht diese beiden Strecken dringend, damit er wettbewerbsfähig bleibt“, sagt Dr. Thomas Lindner. „Weitere Verzögerungen können wir uns nicht leisten.“

Vor diesem Hintergrund begrüßt Lindner, dass das Regierungspräsidium Tübingen an der sogenannten Endelbergtrasse zwischen Nehren und Bodelshausen festhalten will. Ein Tunnel, wie von einigen Kritikern ins Spiel gebracht, sei nicht umsetzbar, so die Behörde. Für die Ortsumfahrung Lautlingen startet aktuell das Planfeststellungsverfahren und damit die Möglichkeit, Einwände und Stellungnahmen abzugeben. Daran wird sich auch die IHK Reutlingen beteiligen. „Es ist wichtig, dass Befürworter wie Gegner im Planungsprozess Gehör finden, um Akzeptanz für die am Ende zu fällenden Entscheidung zu schaffen“, sagt Lindner. Verschärfungen des Klimaschutzgesetzes hätten keinen Einfluss auf die laufenden Planungen.

Wirtschaft für Elektrifizierung
Lindner bekräftigt das klare Votum der regionalen Wirtschaft zur vollständigen Elektrifizierung der Bahnstrecken in der Region Neckar-Alb. „Wir brauchen umsteigefreie Verbindungen von Albstadt bis nach Stuttgart und zum Filderbahnhof.“ Das Projekt Regionalstadtbahn sei weiterhin am besten dazu geeignet, dieses Ziel möglichst schnell zu erreichen. „Wichtig ist, dass die Ergebnisse der erneuten standardisierten Bewertung bald vorliegen und wir damit Planungssicherheit haben, so Lindner weiter.

Stromversorgung
Sorge bereitet der Wirtschaft zurzeit die Frage, ob die Stromversorgung in den nächsten Jahren zuverlässig gesichert ist. Um die Klimaziele der EU zu erreichen, muss der Anteil der erneuerbaren Energien unweigerlich steigen. Damit erhöht sich aber auch das Risiko, dass zu Spitzenzeiten zu wenig Energie verfügbar ist und es zu Stromausfällen kommt. „Um dies zu verhindern brauchen wir konkrete Prognosen für den Zollernalbkreis, wie sich der Energiebedarf in den nächsten Jahren entwickeln wird und Pläne, wie dieser gedeckt werden kann“, fordert Lindner. „In diesem Zusammenhang sollte auch die Frage geklärt werden, wie dezentrale Projekte der Energieversorgung auf kommunalpolitischer Ebene gefördert und durchgesetzt werden können.“

IHK-Geschäftsstelle Zollernalbkreis

Matthias Miklautz

Matthias Miklautz

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