Start ins neue Ausbildungsjahr

Corona bremst Lehrstellenmarkt

Zum Start ins Ausbildungsjahr liegen bei der IHK Reutlingen 1.945 neu abgeschlossene Ausbildungsverträge aus Industrie, Handel und Dienstleistungsgewerbe vor. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein Minus von 18,4 Prozent oder 439 Verträgen. In der IHK-Börse gibt es aktuell 543 freie Lehrstellen.

Corona bremst LehrstellenmarktFoto: SolStock - iStockphoto.com

Der Rückgang der abgeschlossenen Ausbildungsverträge kommt nicht überraschend. Corona hat den Ausbildungsmarkt gleich in zweifacher Hinsicht getroffen: „Im Frühjahr läuft die Bewerbungsphase für das neue Ausbildungsjahr eigentlich immer auf Hochtouren, aber Corona hat viele Unternehmen gezwungen, ihre Auswahlprozesse zu unterbrechen“, sagt IHK-Präsident Christian O. Erbe. Zudem konnten die für Schülerinnen und Schüler wichtigen Angebote zur Berufsorientierung wie Praktika oder Berufsberatung nicht stattfinden. „Das Ergebnis sehen wir jetzt in Form von weniger Ausbildungsverträgen.“

Junge Frauen und Männer in der Region, die eine Lehrstelle suchen, können gleichwohl noch einen Ausbildungsplatz finden. Aktuell sind in der IHK-Lehrstellenbörse 40 offene Lehrstellen für einen Ausbildungsbeginn 2020 zu haben. In Abstimmung mit dem Lehrbetrieb und der Berufsschule kann die Ausbildung zu jedem Zeitpunkt begonnen werden. Die IHK berät dazu sowohl Mitgliedsunternehmen als auch potenzielle Bewerberinnen und Bewerber. Unterstützung während der Ausbildung bieten die Angebote des IHK-Azubis-Kollegs. Pünktlich zum neuen Ausbildungsjahr führt die IHK Reutlingen zudem eine Azubi-Card ein und schafft damit für Azubis zusätzliche Anreize in Form von Preisnachlässen und Zusatzangeboten. „Das sind weitere gute Gründe, warum die Ausbildung mit ihrer praktischen und arbeitsmarktnahen Ausrichtung höchst attraktiv ist“, sagt IHK-Präsident Christian O. Erbe.

Landkreise und Branchen
Der Rückgang hat alle drei Landkreise der Region erfasst. Der Landkreis Reutlingen verzeichnet zum Stichtag 31. August ein Minus von 21 Prozent oder 235 Ausbildungsverträgen. Mit einem Rückgang von 13,8 Prozent oder 101 Verträgen schneidet der Zollernalbkreis noch am besten ab. Im Landkreis Tübingen wurden 430 Ausbildungsverträge geschlossen, ein Minus von 19,3 Prozent oder 103 Verträgen.

Die kaufmännischen Ausbildungen haben um 18,3 Prozent verloren, die technisch/gewerblichen um 18,6 Prozent. Am stärksten waren der Rückgänge in der Versicherungsbranche (- 45,9 Prozent), im Verkehrs- und Transportwesen (- 36,8 Prozent), im Bankensektor (- 28,3 Prozent) sowie im Bereich von Hotellerie und Gastronomie (- 24,7 Prozent). Wenig Bewegung gibt es bei der Wahl der Ausbildungsberufe. Zu den stärksten technischen Ausbildungsberufen zählen die Berufe der Metalltechnik, bei denen die IHK Reutlingen allein 410 neue Lehrverträge registrierte, sowie in der Elektrotechnik (205). Bei den kaufmännischen Berufen liegen die Handelsberufe (546) und Berufe in der Industrie (166) vorn.

Programm „Ausbildungsplätze sichern“
Einen hilfreichen Impuls für den Ausbildungsmarkt bietet das Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ mit Hilfen von 2.000 oder 3.000 Euro je neuem Ausbildungsplatz. „Für kleine und mittlere Betriebe, die durch Corona erheblich getroffen wurden, kann das Programm eine echte Hilfe sein, um ihr Ausbildungsplatzangebot aufrecht zu erhalten, Kurzarbeit für Azubis zu vermeiden oder auch Anreize zur Übernahme im Falle einer Insolvenz zu schaffen“, so Christian O. Erbe. Der IHK-Präsident appelliert an die Betriebe, ihre Ausbildungsbereitschaft aufrecht zu erhalten. „Der nächste Aufschwung kommt bestimmt und da werden gut ausgebildete Fachkräfte dringend gebraucht.“

Nachvermittlung
Am 18. September gibt es von 13.30 bis 16.30 Uhr bei den Arbeitsagenturen in Balingen (Telefonbörse) und Reutlingen eine Nachvermittlungsaktion, an der sich auch die IHK Reutlingen beteiligt.

Petra Brenner

Petra Brenner

Ausbildung
IHK-Zentrale
Position: Bereichsleiterin Ausbildung
Schwerpunkte: Bildungspolitik, Lehrstelleninitiative Neckar-Alb, Arbeitskreis Europäischer Sozialfonds Neckar-Alb, IHK-Berufsbildungsausschuss
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