Länderinformationen Myanmar

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Chancen und Herausforderungen

Das Land verfügt über große Erdgasvorräte, Hölzer, Kupfer, Edelsteine und andere Rohstoffe sowie über große Wasserkraftreserven und umfangreiche landwirtschaftliche Nutzflächen. Die Wirtschaft Myanmars zeigte sich in den Jahren vor dem Putsch 2021 mit Wachstumsraten von fast 8 Prozent sehr dynamisch. Die wachstumstragenden Branchen waren dabei das Baugewerbe, die Warenproduktion und der Dienstleistungssektor. Großprojekte in der Infrastruktur und bei Wohn- und Gewerbekomplexen haben das Baugeschäft sichtbar belebt.  Die Rahmenbedingungen waren bereits vor dem Militärputsch 2021 angesichts unzureichender Infrastruktur, Modernisierungsbedarfs der entsprechenden Gesetze sowie Anpassungsbedarfs in der öffentlichen Verwaltung schon schwierig.

Ausländische Investitionen sind wichtiger Wirtschaftsmotor

Rund 70 Prozent der ausländischen Investitionen flossen in die Gas- und Ölförderung sowie die Energieerzeugung. Zuletzt wurde jedoch auch in weiteren Branchen investiert. Auch das verarbeitende Gewerbe, der Tourismus und die Telekommunikation haben grundsätzlich ein großes Wachstumspotenzial. Zu den Standortvorteilen Myanmars zählen die geografische Lage, die reichlichen Naturressourcen, die Größe des Marktes sowie die Verfügbarkeit junger Arbeitskräfte. Nachteile sehen auch potenzielle Investoren in der unzureichenden Infrastruktur und dem geringen Qualifikationsniveau potenzieller Arbeitnehmer, in mangelnder politischer Transparenz sowie in der dominanten Staatswirtschaft.

Stromversorgung

Der Ausbau der Stromversorgung spielt für die wirtschaftliche Entwicklung Myanmars eine wichtige Rolle. Denn bisher hat nur circa ein Drittel der Bevölkerung Zugang zum Stromnetz. Der Bedarf soll jährlich um 15% zunehmen. Den größten Anteil an der Stromerzeugung hat derzeit mit 75% die Wasserkraft. Der 2014 verabschiedete „Electric Master Plan“ sah bis 2030 eine Verschiebung der Verteilung vor, weg von der Wasserkraft, hin zu mehr Kohle und Erneuerbaren Energien. Um die Ziele zu erreichen, müssen enorme Investitionen folgen. Insbesondere beim Ausbau Erneuerbarer Energien stellen sich viele Herausforderungen. Das ausländische Engagement in Myanmar konzentrierte sich bislang auf die Exploration und Förderung von Erdgas und Erdöl sowie auf die Stromerzeugung mit dem Schwerpunkt Wasserkraft. Wind, Biomasse, Geothermie und vor allem Sonne bilden auf lange Sicht weitere Stromquellen.

Agrarsektor

Traditionell wird Myanmars Wirtschaftsstruktur durch die Landwirtschaft geprägt. Obwohl größter Arbeitgeber und stärkster Beitragender zum Bruttoinlandsprodukt, zeigt der Agrarsektor aufgrund niedriger Produktivität wenig Dynamik: Laut OECD trägt er 32 Prozent zum BIP und 20% zu den Exporterlösen bei, doch beschäftigt die Branche etwa 70 Prozent der Bevölkerung. Der Agrarsektor bietet großes Potenzial für Expansion und Diversifikation, bedarf aber einiger struktureller und technologischer Modernisierungen. Bisher bestanden für deutsche Firmen Geschäftschancen bei Maschinen, Ausrüstungen, Agrarchemie und technischem Know-how. Der Nahrungsmittel- und Getränkesektor bot ebenfalls großes Potenzial für ausländische Direktinvestitionen.

Textilindustrie

Myanmars Bekleidungsindustrie entwickelte sich nach der Öffnung des Landes zu einem treibenden Wirtschaftszweig in der Entwicklung des Landes. Die Beschäftigung der gesamten Textil- und Bekleidungsbranche wurde vor der Corona-Pandemi auf rund eine Millionen Personen geschätzt und hat sich damit in zehn Jahren mehr als verzehnfacht.Die Attraktivität des Standorts Myanmar fußt vor allem auf den niedrigen Lohnkosten. Herausforderungen sind hingegen die Sicherung der Stromversorgung und die wachsenden Qualitätsansprüche.

Interkulturelle Kompetenzen im Geschäft

Wer geschäftliche Beziehungen zu Myanmar sucht, sollte sich unbedingt mit der Kultur des Landes auseinandersetzen, um durch in Myanmar noch unbekannte, typisch europäische Verhaltensweisen die aufkeimenden Geschäftsbeziehungen nicht augenblicklich zu ersticken. In einem Land, in dem knapp 90 Prozent der Bevölkerung dem buddhistischen Glauben angehören und das stark hierarchisch geprägt ist, sind vor allem Erfahrung und Sensibilität gefragt. Das Pochen auf Entscheidungen oder starke Gefühlsregungen sind wenig erfolgversprechend. Der burmesische Gruß "Mingalaba", der so viel bedeutet wie "Glück euch allen", sollte in den Wortschatz aufgenommen werden. Eine leichte Verbeugung zollt dem Gegenüber Respekt, die Hände werden dabei nicht vor dem Körper aneinander gelegt.

Ausführliche Informationen zu Geschichte, Wirtschaft und Gesellschaft bietet das Länder-Informations-Portal der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit.

Quellen: Germany Trade and Invest, GIZ GmbH

Weitere Informationen und Links:

Länderinformationen zusammengefasst: Myanmar

Alle Informationen kompakt zusammengefasst: "Neue Märkte - Neue Chancen: Myanmar"

Delegation der Deutschen Wirtschaft in Myanmar

Germany Trade & Invest (GTAI)

Länder-Informations-Portal der GIZ

Auswärtiges Amt

Martin Fahling

Martin Fahling

International
IHK-Zentrale
Position: Bereichsleiter
Schwerpunkte: Grundsatzfragen, Außenwirtschaftspolitik, Beratungen
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