Erneuerbare Energien in Subsahara Afrika - Ein Überblick

Subsahara-Afrika

Der Energiebedarf in Schwellen- und Entwicklungsländern steigt schnell und Investitionen in die Energieversorgung können nicht länger warten. Gleichzeitig verfügen diese Länder über großes natürliches und technisches Potential für erneuerbare Energien. Da die Kosten für die Technologien stetig sinken, bieten Erneuerbare auch wirtschaftlich eine zunehmend interessante Alternative zur herkömmlichen Energieproduktion. Für ihren Ausbau können deutsche Unternehmen zuverlässige und qualitativ hochwertige Produkte und Dienstleistungen zur Verfügung stellen.

Ein Engagement in Schwellen- und Entwicklungsländern ist jedoch eine besondere Herausforderung für Unternehmen. Deshalb unterstützt das Projektentwicklungsprogramm (PEP) der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) deutsche Unternehmen bei ihrem Schritt in diese vielversprechenden, aber oft schwierigen Märkte. Es soll Unternehmenspartnerschaften zwischen deutschen und lokalen Firmen fördern und sie langfristig in den verschiedenen Phasen der Marktpositionierung und der konkreten Projektentwicklung begleiten. Dabei unterstützt das PEP beim Transfer von Technologien und Know-how und fördert nachhaltige Marktstrukturen und die Verbreitung erneuerbarer Energien.  

Marktstudien zu Solar, Biogas, Wind und Wasser in Ostafrika gibt es auf der Internet-Seite der GIZ.

Nachrichten  und zentrale Informationen zu Erneuerbaren Energien aus den Ländern gibt es im Auslandshandelskammer-Portal renewablesb2b.

Weitere Online-Informationen bieten die Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena)
und
Germany Trade & Invest (GTAI).

News

FRANKFURT (NfA)--Zur Elektrifizierung des afrikanischen Kontinents sind über ein Jahrzehnt hinweg jährliche Investitionen in Höhe von mehr als 40 Mrd EUR nötig. Diesen Bedarf hat die Europäische Kommission ermittelt. Das mittelfristige Ziel der EU lautet zunächst einmal, bis zum Jahr 2030 etwa 50 Mio Menschen Zugang zu elektrischem Strom zu verschaffen. Hierfür will die EU vermehrt auf erneuerbare Energien setzen. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion während der Africa Business Week in Frankfurt wies Janna Schonfeld von der Kommissions-Abteilung EuropeAid darauf hin, dass die EU-Kommission zu diesem Zweck mehrere Förderprogramme aufgelegt hat, deren Mittel ab der zweiten Hälfte diesen Jahres abrufbar sind. 65 Mio EUR wurden in die Sustainable Energy (SE) Technical Assistance Facility eingestellt, mit dem technische Unterstützung bei der nationalen Implementierung der SE-Aktionspläne geleistet werden soll. Der 330 Mio EUR schwere EU-Africa Infrastructure Trust Fund fördert konkrete Projekte, die insbesondere auf den Anschluss ans Elektrizitätsnetz abzielen. Besonders risikoreiche Vorhaben hat die EU-European Finance Institutions Private Sector Development Facility im Fokus. Projektentwickler im Bereich erneuerbare Energien haben die Möglichkeit, sich aus dem Global Energy Efficiency and Renewable Energy Fund zu bedienen.

mb/NfA/29.4.2013

 

Energiesektor in Afrika boomt
1 Billion Euro an Investitionen geplant / Deutsche Unternehmen gerade bei Beratung mit guten Chancen / Von Carsten Ehlers

Hamburg (gtai) - In Afrika beginnt eine nie dagewesene Investitionswelle im Energiebereich. Energieknappheit aufgrund maroder Stromnetze in vielen Staaten gepaart mit hohem Wirtschaftswachstum machen Investitionen unumgänglich. Die Finanzierung erfolgt zunehmend von privater Seite, wobei inzwischen auch die afrikanischen Regierungen in der Lage sind, größere Investitionen zu stemmen. Erneuerbare Energien kristallisieren sich als kommerziell attraktive Ergänzungslösungen zu Dieselgeneratoren heraus.

"Die Staaten Afrikas wollen bis 2040 rund 1 Billion Euro in den Energiesektor investieren. Allein deutsche Unternehmen könnten daran einen Anteil von 80 Mrd. Euro erlangen." Sagte Stefan Liebing, Vorsitzender des Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft, bei der Eröffnung des 7. Deutsch-Afrikanischen Energieforums vom 8. - 10.4. in Hamburg. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen für ein Engagement im Sektor wurden in den letzten Jahren substanziell verbessert. Ebenso verfügen viele Regierungen nun erstmals über eigenes Investitionskapital, nachdem der Rohstoffboom der letzten Jahre reichlich Geld auch in die Staatskassen gespült hat. Minen zählen zu den großen Steuerzahlern afrikanischer Staaten. Derzeit verfügt der afrikanische Kontinent über eine Elektrizitätserzeugungskapazität von etwa 125 Gigawatt, bis 2040 sollen es 700 Gigawatt sein.

Privatinvestitionen sind jetzt möglich
Bei einem Blick auf die größeren Volkswirtschaften der Subsahara zeigt sich, dass in nahezu allen Staaten massiv in die Energieinfrastruktur investiert wird. Der mit Abstand größte Markt ist Südafrika mit allein derzeit etwa 50.000 MW installierter Kapazität. Derzeit baut Südafrikas Stromversorger Eskom zwei riesige Kohlekraftwerke mit je 4.800 MW. Insgesamt sieht das Budget der Regierung etwa 30 Mrd. Euro für Energieinvestitionen in den kommenden Jahren vor. Hinzu kommen zahlreiche private Investitionen im Bereich der Erneuerbaren Energien. Bis 2016 wird die Regierung Projekte mit einer Gesamtkapazität von 3.750 MW per Bieterverfahren ausschreiben. Für September 2013 ist die nächste Bieterrunde vorgesehen mit Projekten im Umfang von 1.164 MW.

Nigeria hat riesigen Nachholbedarf bei Investitionen und will bis 2020 auf eine Erzeugungskapazität von derzeit 4.900 MW auf dann 35.000 MW kommen. Geplant ist ein Energiemix aus Wasser, Kohle und Gas. Auch Ghana plant hohe Investitionen im Energiebereich in Höhe von derzeit etwa 4,2 Mrd. US$. In Kenia werden vor allem Kraftwerksbauten mit erneuerbaren Energieträgern geplant: Der Bau eines Windparks wurde erst kürzlich genehmigt, darüber hinaus setzt die Regierung auf zwei Geothermiekraftwerke. Großinvestitionen in Wasserkraft werden in den kommenden Jahren die Staaten Mosambik, Sambia, DR Kongo und Angola tätigen.

Alleine die zunehmende Urbanisierung macht den Bau von Großkraftwerken notwendig. Alleine entlang der afrikanischen Westküste wachsen die Millionenstädte in atemberaubendem Tempo. In Städten wie Lagos, Luanda, Accra, Abidjan, Dakar oder Duala ist die Infrastruktur nur für einen Bruchteil der dort lebenden Bevölkerung ausgelegt.

Immer mehr wird auch das Potenzial von erneuerbaren Energien in die staatlichen Versorgungsstrategien mit einbezogen. Ohnehin spielt Wasserkraft schon seit Jahrzehnten eine wichtige Rolle. Die Subsahara verfügt zudem über ausgedehnte sonnenreiche und zudem dünn besiedelte Flächen, die sich für Solarparks eignen. Hierfür kommen vor allem die Wüsten oder wüstennahen Gebiete, wie Sahara, Sahel oder Kalahari in Betracht. Für Windparks herrschen häufig gute Verhältnisse entlang der Atlantikküste und Geothermiepotenzial besteht entlang des ostafrikanischen Grabenbruchs. Als kommerziell attraktive Lösung für Afrika stellen sich Erneuerbare gerade im dezentralen Bereich heraus. Entlegene Siedlungen, die nicht ans Stromnetz angeschlossen sind müssen bislang ebenso auf teure Dieselgeneratoren zurückgreifen, wie Industrieunternehmen, Krankenhäuser oder Minen. Diese mögen zwar ans Netz angeschlossen sein, da es aber zu ständigen Stromausfällen kommt, benötigen sie die Generatoren als Backup. Angesichts hoher Dieselpreise bieten sich Hybridsysteme, bestehend aus Diesel und Solar, bei an Flüssen liegenden Ortschaften auch aus Diesel und Wasserkraft an.

Dringend gebaut werden müssen nicht nur Kraftwerke sondern auch Übertragungsleitungen. So liegen zum Beispiel die großen Wasserkraftwerke in Äthiopien, Mosambik, der DR Kongo oder Angola weit von den Stromverbrauchszentren entfernt. Auch werden zunehmend länderübergreifende Leitungen verlegt, um so genannte Power Pools zu bilden. Mit diesen häufig weltbankfinanzierten Projekten will man dafür sorgen, dass Engpässe ausgeglichen werden können. Simbabwe zum Beispiel könnte bei eigener Stromknappheit Elektrizität aus Sambia oder Mosambik importieren. Derzeit werden derartige Power Pools in Westafrika, Ostafrika und im südlichen Afrika realisiert.

Problemlösungen statt Teilelieferungen
Laut Ute Menigkeim, Leiterin des Bereichs Energie für Siemens Südafrika, sind alle großen Player der Energiebranche bereits in Afrika aktiv. Allerdings bietet gerade Subsahara-Afrika mit seinen 48 teils sehr kleinen Ländern viele Nischenmärkte, die auch für deutsche Mittelständler interessant sein können.

Für afrikanische Abnehmer sind Problemlösungen entscheidend, nicht so sehr, welches Einzelteil man für ein Kraftwerksprojekt liefern könne. Zu den nachgefragten Dienstleistungen gehören neben dem Kraftwerks- und Leitungsbau auch der Betrieb als Independent Power Producer (IPP), die Wartung, Ausbildung und die Finanzierung des Ganzen. Ideal ist es, wenn alles en bloc angeboten werden kann. Liebing sieht daher in "Paketlösungen" einen erfolgversprechenden Ansatz. Wichtig für die Wegbereitung zukünftiger Geschäfte ist häufig auch die Beratung der Regierung über mögliche Energie-Strategien.

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IHK Reutlingen Bereich: International
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