Warenverkehr mit Großbritannien

Unabhängig vom Freihandelsabkommen gelten seit Januar 2021 Zollförmlichkeiten. Zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich ist wieder eine Zollgrenze entstanden. Aus innergemeinschaftlichen Lieferungen wurden Exporte beziehungsweise Importe.

1. Ausfuhr nach Großbritannien
2. Einfuhr in Großbritannien
3. Einfuhr aus Großbritannien
4. Versandhandel
5. Carnet ATA
6. Warenursprung und Präferenzen
7. Exportkontrolle
8. Transport

Unternehmen, die bisher nur innerhalb der EU tätig waren finden grundlegende Informationen zum Warenverkehr mit Drittländern unter diesen Links:

Importe aus Drittländern
Exporte in Drittländer

1. Ausfuhr nach Großbritannien

Für Exporte aus Deutschland bzw. der EU nach Großbritannien muss eine Zollanmeldung abgegeben werden. Für Nordirland hingegen ändert sich nichts, diese Lieferungen werden weiterhin als normale innergemeinschaftliche Lieferungen behandelt. Dabei sind folgende Zollformalitäten zu beachten:

  • Beantragung einer EORI-Nummer, falls nicht bereits vorhanden
  • elektronische Ausfuhranmeldung mit einer Zollsoftware oder über die Internetzollanmeldung IAA+ (mittels Elster-Online-Zertifikat)
  • Ausfuhrgenehmigungen werden gegebenenfalls für sensible Güter benötigt, alternativ die Nutzung von Allgemeinen Genehmigungen
  • Umsatzsteuerliche Folgen: steuerfreie Ausfuhrlieferung; EU-Richtlinien verlieren in GB Geltung, zum Beispiel für Konsignationslagerregelungen.

Die französsiche Zollverwaltung stellt Informationen zur Grenzabfertigung auch auf Englsich zur Verfügung:

French customs: information available in English (douane.gouv.fr)

2. Einfuhr in Großbritannien

In GB erfolgt eine Einfuhrabfertigung. Die Höhe der Zölle richtet sich grundsätzlich nach dem VK-Zolltarif. Je nach gewählter Lieferbedingung (“frei Haus”) kann es sein, dass der EU-Exporteur für den Import in GB eine britische EORI-Nr. benötigt, was wiederum eine umsatzsteuerliche Registrierung erfordert.

Wichtig: Lieferbedingungen anpassen! Im Binnenmarkt ist das Risiko einer Lieferbedingung „frei Haus” oder DDP überschaubar. Im Warenverkehr mit einem Drittland bedeutet es, dass der Lieferant Kosten und Risiko der Zollabfertigung trägt, Zölle und Steuern zahlen und sich gegebenenfalls im Empfängerland steuerlich registrieren muss.

Die Einfuhrformalitäten im UK werden je nach Warenkateogorie stufenweise eingeführt (Border Operating Model).Nähere Informationen zum 3-Stufenplan finden Sie im Dokument "The Border with the European Union - Importing Goods". Das Dokument wird laufend akualisert.

Die britischen Behörden stellen zudem eine Datenbank mit Zolldienstleistern im Vereinigten Königreich zur Verfügung.

3. Einfuhr aus Großbritannien

Beim Import von Waren aus Großbritannien nach Deutschland bzw. in die EU ist folgendes zu beachten:

4. Versandhandel

Es gibt keine Versandhandelsschwelle. B2C-Lieferungen unterliegen immer der britischen Umsatzsteuer. Versandhändler, die Lieferungen an private Abnehmer mitWErt bis zu 135 GBP tätigen, müssen daher im VK umsatzsteuerlich registriert sein.   Vorhandene Registrierungen und USt-ID-Nummern bleiben aber gültig. Bzgl. Nordirland gibt es Sonderregelungen.

Wichtige Unterscheidung ist

  • erfolgt der Verkauf über einen Onine-Marktplatz (OMP) oder nicht
  • hat der britische Kunde eine Umsatzsteuernummer oder nicht (Privatkunden)

Erleichterungen gelten nur für in Großbritannien ansässige Unternehmen. Voraussichtlich wird die Einfuhranmeldung nicht auf B2C-Kunden ausgelagert werden können.
Für Zollformalitäten benötigen Versandhändler künftig grundsätzlich eine britische EORI-Nummer, die mit der britischen USt-ID-Nummer verknüpft wird.
Get an EORI Number: https://www.gov.uk/eori

Versandhändler ohne Niederlassung im UK brauchen einen zuverlässigen Zollagenten, Spediteur oder Paketdienst, der sie bei der Einfuhrabwicklung nach Großbritannien als indirekter Vertreter unterstützt. Dieser muss im britischen Zoll-IT-System CHIEF (entspricht dem deutschen ATLAS-System) Zollerklärungen abgeben dürfen. HMRC hat hierzu eine Liste mit Zolldienstleistern veröffentlicht.
List of customs agents and fast parcel operators

5. Carnet ATA

Das Carnet ATA kann für die vorübergehende Ausfuhr nach Großbritannien genutzt werden. Informationen zur Ausstellung des Carnets finden Sie hier Der britische Zoll besteht häufig auf der Anmeldung im GMS (siehe auch: Transport), auch wenn die Waren im provaten PKW oder Kleintransporter gelifert werden. Das Thema ist in Klärung mit den beteiligten Zollverwaltungen und dem DIHK.

6. Warenursprung und Präferenzen

Das Vereinigte Königreich und die EU haben ein Handels- und Kooperationsabkommen (Freihandelsabkommen) abgeschlossen.

Eine gegenseitige Zollbefreiung gibt es nur auf präferenzielle Ursprungswaren des jeweiligen Abkommenspartners (EU-UK). Hierzu müssen materiell-rechtliche (Be- und Verarbeitung von Waren) und formell-rechtliche (Dokumentation) Voraussetzungen erfüllt werden. Mehr zum Thema Ursprungsnachweise

Waren, die keinen nachgewiesenen präferenziellen EU- oder GB-Ursprung haben, werden nicht vom zollfreien Handel profitieren, für diese werden Zölle gemäß des gültigen Zolltarifs erhoben.

Begünstigt im Rahmen des Abkommens sind Waren, die

  • vollständig gewonnen oder hergestellt sind 
  • ausreichend be- oder verarbeitet wurden.

Das Abkommen wurde im Amtsblatt Nr. L444 am 31. Dezember 2020 veröffentlicht. Die Verarbeitungsregeln sowie der Wortlaut der Erklärung zum Ursprung finden sich im Anhang des Abkommens und können über die Zoll-Datenbank "Warenursprung und Präferenzen Online"  komfortabel ermittelt werden.

Zur Anwendung des Abkommens im Bereich der Präferenzen informiert der Zoll auf seiner Webseite. Unter anderem hat die Generalzolldirektion dort en umfangreiches Merkblatt zur Nwendung des Handels- und Kooperationsabkommens publiziert.

Die Schweiz hat ebenfalls ein Handelsabkommen mit dem Vereinigten Königreich unterzeichnet, Da jedoch die Ursprungsregeln beider Abkommen unterschiedlich sind, ist eine Kumulierung nicht möglich. Schweizer Ursprungswaren können also nicht in die Ursprungsermittlung einbezogen werden. Auch profitieren Schweizer Ursprungswaren nicht von der Zollfreiheit in Großbritannien, wenn sie sich zuvor in der EU im freien Verkehr befunden haben.

Britische Waren haben ihren präferenziellen EU-Ursprung gegenüber anderen Abkommensstaaten der EU verloren. Unternehmen sollten daher ihre Ursprungs- bzw. Präferenzkalkulationen überprüfen. Es empfiehlt sich, fertige Produkte, Vormaterialien und auch Lagerwaren hinsichtlich des präferenziellen Ursprungs näher zu betrachten, insbesondere der Anteil der britischen Vorerzeugnisse sollte genau ermittelt werden.

7. Exportkontrolle

Da Lieferungen in das VK nun „Ausfuhren“ sind (ausgenommen Nordirland) besteht entsprechend eine Genehmigungspflicht nach Artikel 3 der EG-Dual-Use-Verordnung. Allgemeine Genehmigungen (EU 001) sind für das VK anwendbar. Darüber hinaus sind die Catch-all Regelungen des Artikels 4 der EG-Dual-Use Verordnung zu beachten.

Weitere Informationen – zum Beispiel zur Allgemeinen Genehmigung Nr. 15 – sowie ein Merkblatt zum Thema "Brexit und Exportkontrolle" gibt es auf der Homepage des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle.

8.. Transport

Die britische Regierung hat einen Leitfaden für Speditionsunternehmen und gewerbliche Fahrer veröffentlicht, die Waren zwischen Großbritannien (England, Schottland und Wales) und der Europäischen Union befördern. Der Leitfaden informiert deutsche Unternehmen über die neuen Arbeitsabläufe und gibt unter anderem Hinweise darüber, welche Dokumente benötigt werden, welche neuen Regeln für das Verkehrsmanagement an Häfen und welche neuen Grenzkontrollverfahren gelten.

Spediteure/Transporteure die Güter nach Großbritannien befördern, benötigen eine Registrierung im GVMS (Goodes Vehicle Movement Service) um sicherzustellen, dass keine Ware ohne Zollanmeldung die Grenze passiert. Vor Ausreise aus der EU müssen Anmeldedetails in einer sog. Goods Movement Reference (GMR) erfasst sein. Ist dies unvollsätndig besteht die Gefahr, dass LKW nicht an Bord des Zuges oder der Fähre gelassen wird.

Quelle: IHK Südlicher Oberrhein

Sina Gollmer

Sina Gollmer

International
IHK-Zentrale
Position: Mitarbeiterin Zoll und internationaler Warenverkehr
Schwerpunkte: Carnet ATA, Ursprungszeugnisse, Bescheinigungen, Formulare, Export- und Importabwicklung
Telefon: 07121 201-176
E-Mail schreiben
vCard herunterladen
Zur Detailseite

Andreas Kirwald

Andreas Kirwald

International
IHK-Zentrale
Position: Projektmanager Zoll und internationaler Warenverkehr
Schwerpunkte: Ursprungszeugnisse, Bescheinigungsdienst, Carnet ATA, Export- und Importabwicklung, Exportkontrolle, Ursprungsrecht, Zollverfahren
Telefon: 07121 201-181
E-Mail schreiben
vCard herunterladen
Zur Detailseite