Wafios: Fortschritt aus Tradition

Foto: Wafios AG

Der Hype um die Industrie 4.0 hilft, dass man versteht, was heimische Firmen machen. So etwa ist es im Fall von Wafios. Das Unternehmen kann mittlerweile Federn in Echtzeit messen.

Bei Industrie 4.0 sind viele Traditionsunternehmen ganz vorne mit dabei. So etwa die Wafios AG aus Reutlingen, gegründet 1893, als die Industrie unter der Achalm gerade erst das Laufen lernte. Das Unternehmen ist Weltmarktführer für Maschinen zur Umformung von Draht und Rohren. Heute tragen 700 Beschäftigte in der nicht börsennotierten AG zu einem Umsatz von 115 Millionen Euro bei.

Die Landesregierung hat das Unternehmen als einen von "100 Orten für Industrie 4.0 in Baden-Württemberg" ausgezeichnet. Im Kundenzentrum zeigt ein Mitarbeiter die prämierte Lösung an einer Federwindemaschine: Von einem Haspel wird ein Draht abgewickelt, in rascher Folge flackert an der Maschine das Licht einer Kamera auf - in kürzester Zeit ist der Draht zu einer Feder gewunden. "iQcontrol" heißt das prämierte System, dessen Vorteil Entwicklungsleiter Klaus Wurster so beschreibt: "Normalerweise würde durch die Messung der Feder die Länge der nachfolgenden Feder beeinflusst, hier aber erhalten wir Bilder in Echtzeit".

Hat die Feder die richtige Länge?
Das ist deshalb wichtig, weil so schon während der Herstellung der Feder gemessen werden kann, ob diese die richtige Länge hat. Ist sie zu kurz, wird noch während der Herstellung nachjustiert. "Wir haben hier ein System entwickelt, das in Millisekunden ungeheure Datenmengen verarbeiten und als Befehle an die Maschine weitergibt, erklärt Dr.-Ing. Uwe-Peter Wegmann, Vorstand Technik und Sprecher des Vorstands. Es gibt weniger Ausschuss, weil die Länge der Feder vor Abschluss des Windeprozesses geregelt werden kann. Die Federn, die mit Maschinen von Wafios hergestellt werden, sind in Kugelschreibern ebenso zu finden wie in Autos oder Maschinen. Wafios hat sein System schon vor einigen Jahren entwickelt, aber "der Hype um Industrie 4.0 hilft uns, weil jetzt jeder versteht, was wir machen", meint Dr. Weigmann.