IHK vor Ort in Tübingen

"Wirtschaft trifft Kommune" in Tübingen fand erstmals 2011 statt. Mittlerweile führen wir die Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der Stadt jährlich durch.

Ziel der Veranstaltung ist es, Betriebe aus Industrie, Handel, und Dienstleistungsgewerbe gemeinsam mit dem Bürgermeister und den Vertretern des Gemeinderats an einen Tisch zu bekommen um über aktuelle Themen der Stadtentwicklung zu diskutieren. Die Unternehmerinnen und Unternehmer können ihre Anliegen direkt an die Lokalpolitik adressieren.

Nächster Termin

Alle anstehenden Termine finden Sie in dieser Übersicht. Für dort nicht aufgeführte Städte und Gemeinden sind die Treffen noch in Planung.

Wirtschaft trifft Kommune bei Paul Horn: Markus Horn, Dr. Hans-Ernst Maute, Boris Palmer, Lothar Horn und Harald Herrmann (von links).

Keine Sonderabgabe für Betriebe

Corona-Warnungen zum Trotz trafen sich Tübinger Unternehmerinnen und Unternehmer mit der Stadtspitze bei Paul Horn, um sich über die aktuellen Themen Verpackungssteuer sowie die städtische Klimastrategie auszutauschen. Um schließlich doch bei den Folgen des Virus zu landen.

Dass sich die Tübinger Verwaltung für ein sauberes Stadtbild einsetze, sei im Interesse der Betriebe, betonte IHK-Vizepräsident Dr. Hans-Ernst Maute vor den rund 230 Gästen. In Richtung Oberbürgermeister Boris Palmer appellierte er dennoch: „Unternehmen sollten nicht mit Sonderabgaben belastet werden, für Müll sind alle zuständig.“ Der Oberbürgermeister warb hinsichtlich der Verpackungssteuer um Verständnis. „Der Verursacher des Mülls soll auch bezahlen.“ Maute lobte dennoch die guten Beziehungen zwischen der Stadt und den Betrieben. „Diese gute Praxis des Gehört-Werdens muss weiter gepflegt werden.“ Damit meinte er auch, dass die Firmen in den Tübinger Umweltschutz-Plan eingebunden werden. Der Energieverbrauch der Stadt soll bis 2030 ohne CO2-Belastung erfolgen.

Aus Sicht Mautes gehöre nachhaltiges Wirtschaften ohnehin zum Selbstverständnis der heimischen Betriebe. „Es geht um mehr als pekuniäre Wirtschaftsinteressen.“ Er zählte IHK-Initiativen wie die Netzwerke virtuelles Kraftwerk oder Nachhaltigkeit auf, die Betriebe bei der Umsetzung von ressourcenschonendem Handeln unterstützen. Harald Herrmann, Präsident der Handwerkskammer betonte die Rolle des Handwerks. „Energiewende geht ohne das Handwerk nicht, ich wage sogar zu behaupten: Wir machen die Energiewende.“

Boris Palmer nutzte die Chance, die anwesenden Unternehmerinnen und Unternehmer zum Mitmachen aufzufordern. „Bauen Sie PV-Anlagen auf Ihre Wirtschaftsgebäude, Strom vom Dach ist so billig wie nie“, sagte Palmer. Eine weitere Maßnahme zum Weg der Klimaneutralität könnte sein, durch konsequente Parkraumbewirtschaftung kostenlosen Nahverkehr zu finanzieren, Autos sollten raus aus der Innenstadt.

Gleichzeitig sagte er aber auch: „Die unheilige Allianz des Diesel-Betrugs und der Fahrverbote seitens der Politik haben die Automobilindustrie massiv beschädigt.“ Diskussionen rund um Fahrverbote wie in Reutlingen hält er für eine „totale Überreaktion“. Gleiches gelte auch für den Umgang mit dem Corona-Virus. „Das ist reine Panikmache.“ Nicht nur die Wirtschaft leide darunter, wie Messeabsagen, Hotel-Stornierungen oder gestörte Lieferketten zeigten, sondern am Ende auch die Menschen selbst. „Die Leute haben Angst vorm Blut spenden. Das kostet Leben. Die Angst richtet mehr Schaden an, als das Virus selbst.“

Wirtschaft und Kommune: IHK-Vizepräsident Dr. Hans-Ernst Maute, Handwerkskammerpräsident Harald Herrmann und Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (von links).

"Wirtschaft braucht Wachstum"

Der Saal im Tübinger Museum war gefüllt: Über 150 Vertreterinnen und Vertreter der Wirtschaft kamen bei "Wirtschaft trifft Kommune" im Februar 2019 mit der Stadtspitze und Kommunalvertretern ins Gespräch. Das bestimmende Thema des Abends war, wie viel Wachstum die "Seele der Stadt" verträgt

Beim Tübinger Neujahrsempfang kündigte Oberbürgermeister Boris Palmer an, auf die Wachstumsbremse treten zu wollen. Der Flächenverbrauch solle verringert, die Stadt langsamer entwickelt werden und das auch zu Ungunsten neuer Gewerbegebiete. IHK-Vizepräsident Dr. Hans-Ernst Maute ging beim jährlichen Treffen von Stadtverwaltung und Wirtschaft auf den Vorstoß der Stadtspitze ein. "Da haben Sie letztes Jahr noch etwas anderes gesagt", richtete Maute das Wort an Oberbürgermeister Palmer, "den Status quo zu erhalten reicht nicht aus, Wirtschaft braucht Wachstum." Schon jetzt zeigten sich Anzeichen für eine schwächere Konjunktur, so Maute weiter, zudem seien die Exportzahlen für den Landkreis Tübingen im Vergleich zu Reutlingen oder dem Zollernalbkreis gesunken. "Und das sind die Zahlen vor dem Brexit", warnte der IHK-Vizepräsident, "weitere Hemmnisse seitens der Stadt brauchen wir nicht."

Eine Chance für den Standort sei aus Sicht der Wirtschaft das Cyber Valley. Geschätzte 2.000 Arbeitsplätze könnten hier entstehen und Tübingen eine Spitzenstellung in der Zukunftsbranche "Künstliche Intelligenz" bringen. Maute sprach sich dafür aus, dieses Potenzial weiter auszubauen. Palmer bekannte sich mit einem "klaren Ja" zu einem KI-Forschungszentrum, hier trage die Stadt "Verantwortung über die Grenzen hinaus". Gleichzeitig machte er aber auch deutlich, dass hinter den bereits verplanten Flächen rund um die Sternwarte Schluss sei. "Waldhausen soll nicht von Industriegebäuden umzingelt sein", so Palmer.

Der Oberbürgermeister legte dar, dass er bei der Stadt-Erweiterung auf die "Seele der Stadt" Rücksicht nehmen wolle. Tübingen sei idyllisch und beschaulich, dieser Charakter solle nicht verloren gehen. "Wachstumsbremse heißt nicht Wachstum abwürgen", erklärte er den Unternehmerinnen und Unternehmern. Neue Flächen sollen maßvoll und strukturiert ausgewiesen, der Fokus auf Innenentwicklung und die bessere Nutzung auf Bestandsflächen gelegt werden. Das müsse zunächst genügen.

Dr. Jens Jasper

Dr. Jens Jasper

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