IT-Kompetenzen Neckar-Alb

Die "IT-Kompetenzen Neckar-Alb" wurden beim Tübinger Unternehmen itdesign im Rahmen der Tübinger Innovationstage 2017 vorgestellt (vlnr.): Dr. Stefan Engelhard, IHK Reutlingen; Professor Dr. Oliver Bringmann, Lehrstuhl für Eingebettete Systeme der Universität Tübingen; Professor Holger Morgenstern, Dekan der Fakultät Informatik der Hochschule Albstadt-Sigmaringen; Professorin Dr. Kay Nieselt, Geschäftsführung des Zentrums für Bioinformatik Tübingen (ZBIT) der Universität Tübingen; Professor Dr. Andreas Zell, Lehrstuhl für Kognitive Systeme der Universität Tübingen; Dr. Jörg Leute, Geschäftsführung itdesign GmbH und Professor Dr. Uwe Kloos, Dekan der Fakultät Informatik der Hochschule Reutlingen.

Wissenschaft und Lehre im Bereich Informatik sind in der Region Neckar-Alb gut aufgestellt. Das zeigt eine Kurzstudie der IHK in Zusammenarbeit mit den regionalen Hochschulen.

Die Hochschulen Albstadt-Sigmaringen und Reutlingen sowie die Universität Tübingen und das Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme in Tübingen verfügen über viel Know-how in der Informationstechnologie.

Die vier Lehr- und Forschungseinrichtungen

Die Bedeutung der Informationstechnik (IT) wächst stetig und rasant. Zusammengefasst wird dieser Veränderungsprozess unter Begriffen wie Digitaler Wandel oder Industrie 4.0. Um bei dieser Entwicklung nicht den Anschluss zu verlieren oder um selbst Akzente setzen zu können, bedarf es Spezialisten, die zumeist eine wissenschaftliche Ausbildung durchlaufen haben.

Der Erkenntnisgewinn der Wissenschaft im Bereich IT fließt, im Vergleich zu anderen Wissenschaftsdisziplinen, schnell in die wirtschaftliche Anwendung. Dies belegt beispielsweise die hohe Anzahl der IT-orientierten Hochschul-
Start-ups.

Sowohl für konkrete Unternehmensprojekte wie für die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung einer Region ist daher der Austausch mit den wissenschaftlichen Lehr- und Forschungseinrichtungen von Bedeutung. Die Region Neckar-Alb verfügt im Wesentlichen über vier Einrichtungen

  • Hochschule Albstadt-Sigmaringen
  • Hochschule Reutlingen
  • Universität Tübingen
  • Max-Planck-Institute

Diese Einrichtungen und deren Wissenschaftler zeichnen sich durch ein breites Wissensspektrum aus. Obgleich eine Zusammenfassung deshalb schwierig ist, werden die folgenden Abschnitte den Versuch einer Eingruppierung vornehmen. Sie geben damit einen Einblick in diese Einrichtungen, konkret in deren Informatik-Bereiche, ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Fazit
Eine weltweit hervorgehobene IT-Kompetenz besitzt die Wissenschaft der Region Neckar-Alb im Bereich Maschinellen Lernens beziehungsweise Künstliche Intelligenz. In der Bioinformatik und Digitalen Forensik zählt man national zu den Besten und im Bereich Industrie 4.0 und Medieninformatik auf Landesebene.

Hochschule Albstadt-Sigmaringen: Digitale Forensik und Industrie 4.0

Foto: psdesign1-Fotolia.com

Leider ist die Digitale Forensik der Fakultät für Informatik der Hochschule Albstadt-Sigmaringen eine Erfolgsgeschichte. Frühzeitig hat man den Bereich Cyber Security an der Fakultät besetzt und mit dem Studiengang Digitale Forensik deutschlandweit ein Alleinstellungsmerkmal erhalten. Trauriger Grund: Die Kriminalität hat sich in der virtuellen Welt breit gemacht. Wie in der realen Welt heißt es nun Spuren sichern und verfolgen. Das Cyber Security Lab bietet sich dazu als passende Austausch- und Anschauungsplattform an.

Weitere Schwerpunkte liegen in der Wirtschafts- und technischen Informatik. Besonders beim Thema Industrie 4.0 werden Projekte umgesetzt. Etwa zur Gestaltung von risikoarmen und widerstandsfähigen Geschäftsprozessen in der digitalen Produktion oder zu neuen Protokollen, wo wiederum der Sicherheitsaspekt eine große Rolle spielt.

In und in Zusammenarbeit mit der Engineering Fakultät werden Projekte zur Roboterprogrammierung mit Virtuell-Reality-Techniken, der virtuellen Inbetriebnahme oder Wartung mit Augmented Reality umgesetzt. Ein VR-Labor steht beispielsweise für Konstruktionsprojekte mit 3D-CAD-Software zur Verfügung.

Weitere Informationen gibt es hier.

Hochschule Reutlingen: Mensch-Maschine-Interaktion

Foto: Informatik/Reutlingen University

Der Mensch steht bei den Informatik-Studiengängen und den IT-Forschungsthemen der Hochschule Reutlingen im Mittelpunkt. So hat sich ausgehend von der Wirtschaftsinformatik und der Medieninformatik ein Bereich entwickelt, der die Visualisierung von Informationen zum Schwerpunkt hat. Das an der Hochschule entwickelte Management-Cockpit ist eines der Elemente dieses Lehr- und Forschungsfeldes. Im Motion Capture Labor stehen die Bewegungen des Menschen im Fokus. Für die Erforschung des autonomen Fahrens ist dies von Bedeutung. Auch  computerassistierte Medizin, Smart Home und Bekleidung mit Sensorik sowie die Zusammenarbeit mit Kollege Roboter stehen für die Reutlinger Informatik-Ausrichtung „Human-Centred Computing“.

Im Herman Hollerith Zentrum (HHZ) geht es um die Analyse menschlichen Verhaltens. So analysiert man zum Beispiel das menschliche Kaufverhalten sowie die Auswirkung der Digitalisierung auf die Arbeitswelt und Geschäftsmodelle. Gemeinsam mit den Fakultäten Technik und ESB Business School setzt die Informatik-Fakultät Projekte um. Das Automatisierungs-Know-how der Technik-Fakultät reicht in viele Themenfelder hinein. Exemplarisch zeugen Virtuelle Kraftwerke, Autonomes Fahren sowie Flug- und Fahr-Simulatoren von IT-Kompetenz. Eins von mehreren Beispielen der ESB ist die Testumgebung Industrie 4.0, bei der in Kooperation mit Unternehmen Realbedingungen zum Test neuer Anwendungen geschaffen werden.

Hier gibt es weitere Informationen zu den Forschungsgruppen an der Hochschule Reutlingen und am Herman Hollerith Zentrum (HHZ).

Universität Tübingen: Maschinelles Lernen und Bioinformatik

Foto: Universität Tübingen

Tübingen nimmt mit der Universität und den Max-Planck-Instituten im Bereich Maschinelles Lernen und Künstliche Intelligenz eine weltweite Spitzenstellung ein. Mit Stolz verweist man dabei zu Recht auf Wilhelm Schickard, der vor 400 Jahren in Tübingen die Ära der rechnenden Maschinen eingeleitet hat. Das Wilhelm-Schickard-Institut bildet den Fachbereich Informatik innerhalb der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät, der im Übrigen einer der größten Informatik-Fachbereiche in Baden-Württemberg ist.

Europaweit zählt ferner die Tübinger Bioinformatik zu den besten wissenschaftlichen Einrichtungen. Im QBiC, dem Quantitative Biology Center, ist insbesondere die Durchforstung von Unmengen an Daten von Bedeutung. Etwa bei der Gen-Analyse zum Aufspüren und Therapieren von Krankheiten ist dieses Big Data Know-how gefragt. So werden beispielsweise unter dem Begriff „personalisierte Medizin“ medikamentöse Therapien an die Bedürfnisse des einzelnen Patienten angepasst und der derzeit weltweit schnellste Algorithmus zur Entschlüsselung des Genoms wurde entwickelt.

Eingebettete Systeme, die in Kombination mit Elektronik, Sensorik und Chipentwicklung bei aktuellen Themen wie autonomes Fahren und Industrie 4.0 eine große Bedeutung haben, sind eine weitere Kompetenz der Uni-Informatik. Mit diesem Teilbereich sind die Tübinger auch im Direktorium des Forschungszentrums Informatik FZI in Karlsruhe vertreten. Auch für die Teilbereiche Kommunikationsnetze sowie grafische Datenverarbeitung hat Tübingen hohe wissenschaftliche Kompetenz. Bei den Kommunikationsnetzen geht es beispielsweise um die EDV-Netze von Unternehmen und deren Widerstandsfähigkeit gegenüber Angriffen und Teilausfällen.

Hohe Kompetenz besitzen die Wissenschaftler auch beim Umgang mit am Markt verfügbarer Bildverarbeitungssoft- und -hardware. Bei der grafischen Datenverarbeitung geht es aber nicht nur um die reine Bildverarbeitung, sondern auch um die Generierung von Bildern. Für Virtuelle oder Augmented Reality Anwendungen (VR und AR) geht es um die Realitätsnähe der eingeblendeten Objekte, denn bereits bei kleinsten Abweichungen zum realen Bild tritt bei Nutzern durch das erzeugte Bild Übelkeit auf. Auch am haptischen Feedback wird gearbeitet. Künstliche Intelligenz und Maschinelles Lernen sind auch dabei Werkzeuge der Wissenschaft.

Weitere Informationen gibt es online auf der Seite des Fachbereichs Informatik und am Quantitative Biology Center der Universität Tübingen.

Max-Planck-Institute: Künstliche Intelligenz und Kognitive Systeme

Um das Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme haben sich Kompetenzen zu Künstlicher Intelligenz (KI) und Maschinellen Lernen herausgebildet, die im weltweiten Wissenschaftsumfeld zu den Besten gehört. Die Algorithmen kommen derzeit vor allem in der Internetwelt zum Einsatz, werden aber schon bald die reale Welt erobern. Wenn aufgrund von Ähnlichkeiten zielsicher ein Objekt zugeordnet werden kann, ist KI im Einsatz. Beim autonomen Fahren wird dies schon bald der Fall sein. Derzeit werden beim MPI in Tübingen beispielsweise Roboter trainiert, die sich auf unbekanntem Terrain bewegen sowie mit unbekannten Objekten agieren. Mit dem nun ebenfalls am MPI in Tübingen angesiedelten Cyber Valley wird diese Kompetenz deutlich gestärkt, um im weltweiten Vergleich beim Einsatz der KI-Algorithmen jenseits des Internets eine führende Stellung einzunehmen.

Im Nachbarinstitut, dem Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik, geht es um die Wahrnehmung, um kognitive Prozesse. Gerade die aus der Bildanalyse abzuleitende Wahrnehmung ist komplex. Letztlich kann das menschliche Gehirn sehr schnell Nützliches von Nutzlosem unterscheiden. Sowohl mit der Erforschung des menschlichen Denkens wie in der Umsetzung auf IT-Systeme nähert man sich am MPI dem Thema Wahrnehmung an.

Weitere Informationen:
Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme

Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik

Cyber-Valley

Die Kurzstudie kann als gedrucktes Exemplar zum Preis von 10 Euro angefordert werden.

Ihr Ansprechpartner

IHK-Haus der Wirtschaft
IHK Reutlingen Bereich: Innovation und Umwelt
Position: Bereichsleiter Innovation und Umwelt
Schwerpunkte: Innovationsberatung, Beratung zu FuE-Förderprogrammen, gewerbliche Schutzrechte, CE-Kennzeichnung und Qualitätsmanagement, Cluster Technische Textilien Neckar-Alb
Telefon: 07121 201-158
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