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07.11.2019

IHK-Herbstempfang in Hechingen

„Wohlstand ist kein Naturgesetz“

„Die Automobil- und Zulieferindustrie steht vor dem größten Wandel ihrer Geschichte“, sagte Dr. Stefan Wolf, Vorstandschef von Elring Klinger und Vorsitzender von Südwestmetall, beim Herbstempfang der IHK.

Dr. Stefan Wolf Foto: Haas

Für den Gesetzgeber ist das Ziel klar: Bei 95 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilometer liegt künftig die Höchstgrenze für die Flotten der Hersteller. „Eine enorme Herausforderung“, so Wolf, die nur in Kombination von Verbrennungs- und Elektromotor sowie Brennstoffzelle gelöst werden könne. Aktuell ist Deutschland davon weit entfernt. Nur ein Prozent der Neuzulassungen sind Elektro- oder Hybrid-Fahrzeuge.

Vor 300 Gästen in der Stadthalle Hechingen plädierte Stefan Wolf in seinem Festvortrag dafür, vor allem auch die Brennstoffzelle als „Multitalent“ der modernen Antriebe stärker in den Blick zu nehmen. Gerade auf langen Strecken und für Nutzfahrzeuge sei dieser Antrieb klar besser. Dazu komme: Die Infrastruktur für Wasserstofftankstellen sei deutlich schneller aufzubauen als Ladestationen für Elektromobile. „2.000 Zapfsäulen richtig über Deutschland verteilt und wir können alle mit Wasserstoff fahren.“

„Das ist Irrsinn“
Stefan Wolf rief die Zulieferbranche auf, sich noch viel schneller auf die neuen Gegebenheiten einzustellen. „Wer jetzt nicht umsteuert, wird auf der Strecke bleiben“, mahnte er. Der Großteil der Branchenjobs hänge derzeit am Verbrennungsmotor. Dessen Bedeutung werde aber im Mix der Antriebe rapide zurückgehen. Sein Unternehmen hat schon vor 15 Jahren mit der Entwicklung von Batteriesystemen und vor 20 Jahren mit ersten Projekten zur Brennstoffzelle begonnen. „Wir haben 150 Millionen Euro in diese Zukunftsthemen investiert.“ Eine klare Absage erteilt er den Plänen der Politik, jetzt noch eine Zellfertigung in Deutschland aufbauen zu wollen. „Das ist Irrsinn.“ Die Teile kämen längst aus China.

Politik für Betriebe
In seiner Begrüßung hatte IHK-Vizepräsident Dr. Thomas Lindner kritisiert, dass die Politik den wirtschaftlichen Boom der letzten zehn Jahre nicht genutzt hat, ihre Hausaufgaben zu machen. Nennenswerte unternehmerfreundliche Gesetzesinitiativen habe es keine gegeben. „Es ist höchste Zeit, dass wieder Politik für Betriebe gemacht wird“, so Lindner. Die Defizite bei Digitalisierung, Infrastrukturausbau und Bildung werden sich in wirtschaftlich schwächeren Zeiten rächen. „Wohlstand ist kein Naturgesetz“, mahnte Lindner und forderte, die Rolle von Unternehmerinnen und Unternehmern für Arbeitsplatzaufbau und Innovationsentwicklung stärker zu würdigen.

Hechingens Bürgermeister Philipp Hahn nahm den Ball in seinem Grußwort auf und dankte den regionalen Unternehmerinnen und Unternehmern für ihre Treue zum Standort, Risikobereitschaft und Innovationskraft, die am Ende in für die Kommunen wichtige Gewerbesteuereinnahmen münden: „Das ist das Geld, mit dem wir viele Investitionen vor Ort stemmen können.“

Die Bilder vom Herbstempfang gibt es hier.

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