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03.12.2019

Geflüchtete in der Ausbildung

Parallel gelernt: Beruf und Sprache

Deutschkurse, Nachhilfe, Beratungen – die Hilfe für Geflüchtete in der beruflichen Ausbildung ist vielseitig. Doch wie sieht er aus, der beste Weg zum Abschluss? Aleksandra Vohrer von der IHK verrät: Oft ist es eine Mischung aus allem.

Aleksandra Vohrer grüßt freundlich in die Runde. Knapp 20 Auszubildende haben sich um einen Tisch im Haus der Wirtschaft in Reutlingen versammelt. Einige kennen sich bereits aus der Berufsschule oder aus dem Betrieb. Noch eines haben die jungen Leute gemeinsam: Die Region Neckar-Alb liegt für jeden Einzelnen am Ende einer sehr langen und beschwerlichen Reise ohne Aussicht auf Rückkehr. Zwischen 19 und 33 Jahre alt sind die Gäste der Gesprächsrunde. Sie kommen aus Syrien, Afghanistan, Gambia, Guinea, Eritrea, Palästina und dem Iran. Zwischen zwei und vier Jahre sind die meisten bereits in Deutschland. Aleksandra Vohrer ist Integrationsberaterin bei der IHK. Sie hilft den Geflüchteten beim Einstieg in die berufliche Ausbildung. Das jährliche Treffen dient dem Kennenlernen und gibt eine Gelegenheit, Probleme anzusprechen und Fragen zu beantworten.

Mathe ist mehr als nur Zahlen
Die deutsche Sprache – da sind sich alle Anwesenden einig – stellt die größte Hürde für Geflüchtete in der Ausbildung dar. Hört man den Azubis jedoch beim Austausch zu, ist das schwer zu glauben. Für die kurze Zeit in einem Land, das nicht gerade für seine einfache Sprache bekannt ist, haben sie sich ein erstaunliches Vokabular angeeignet. Das gilt es in der Ausbildung um die Fachbegriffe des jeweiligen Berufs auszubauen. Auch das scheint gut zu gelingen. Anders sei das an der Berufsschule, wie die Anwesenden berichten, speziell in den stark theoretisch geprägten Fächern, wie Wirtschaftskunde oder Mathematik. „Rechnen ist für mich leicht“, sagt etwa eine junge Frau aus Palästina, die am Anfang einer kaufmännischen Ausbildung steht. „Ich muss aber erst einmal die Aufgaben verstehen“, betont sie. Mathe besteht eben nicht nur aus Zahlen. Englisch ist ein weiteres Problemfach. Wenn man bereits eine Fremdsprache lernt, sorgt eine weitere schnell für Verwirrung. „Ich vermische manchmal Wörter oder Grammatik“, erzählt ein angehender Industriemechaniker.

Schreckensgespenst Prüfung
Um spezielle Sorgen und Unsicherheiten der Azubis auszuräumen, hat sich Aleksandra Vohrer dieses Mal Verstärkung mitgebracht. IHK-Ausbildungsbegleiterin Sabine Schwinghammer stellte das IHK-Projekt „Erfolgreich ausgebildet“ vor, das zusätzliche Hilfe für kleine und große Probleme bei der Ausbildung anbietet. Die Beratung durch die IHK-Experten ist kostenfrei, streng vertraulich und steht allen Azubis jederzeit offen.

Besonders die gefürchteten Prüfungen verlieren anschließend durch die Erklärungen von Martin Hepper, der das Team Ausbildungsprüfungen bei der IHK leitet, etwas von ihrem Schrecken. Wie sich herausstellt, bereitet den Anwesenden vor allem ein Gedanke Kopfzerbrechen: eine Prüfung nicht zu bestehen. Der IHK-Experte beruhigt: „Keine Ausbildung endet wegen der ersten vermasselten Prüfung.“ Bis zu zwei Wiederholungen dürften sich Auszubildende in der Regel leisten. Allerdings seien diese jeweils frühestens sechs Monate danach möglich. Auf die Frage nach den Voraussetzungen für die Prüfungszulassung durch die IHK fasste Hepper, leicht verständlich, zusammen: „vollständige Berichtshefte, hohe Anwesenheit und die Teilnahme an der Teil1-, oder Zwischenprüfung.“ Schließlich äußern die Azubis noch den Wunsch nach mehr Zeit für das Lesen und Verstehen der Prüfungsaufgaben. Außerdem würden sie gerne ein Wörterbuch benutzen. Beides widerspricht derzeit der gesetzlichen Regelung.

Der Weg ist das Ziel
Geflüchteten und ihren Ausbildungsbetrieben steht in Baden-Württemberg das Programm „Integration durch Ausbildung – Perspektiven für Flüchtlinge“ zur Seite. Seit dem Projektstart vor drei Jahren konnten allein in Neckar-Alb fast 150 Azubis in hiesige Betriebe vermitteln werden. Die Initiative des Landes fördert sogenannte Kümmerer an Institutionen, wie der IHK. Dazu zählt Aleksandra Vohrer, die Praktika und Lehrstellen vermittelt und Auszubildende mindestens für ein ganzes Jahr begleitet. Kümmerer stellen sich in dieser Zeit der Herausforderung, für Azubis und Betriebe individuelle Unterstützung anzubieten. Aleksandra Vohrer fragt sich dazu: „Welcher ist der beste Weg zum Abschluss?“ Nachhilfe in Problemfächern, beispielweise, oder weiterführende Sprachkurse. Auch die Vermittlung bei Konflikten im Beruf oder privat gehört zu den Aufgaben der Kümmerer. „Fast immer ist es eine Mischung aus allem, das die besten Ergebnisse liefert“, so die Integrationsberaterin.

Ihr Ansprechpartner

IHK-Zentrale
IHK Reutlingen Bereich: Ausbildung
Position: Integrationsberaterin
Schwerpunkte: Projekt "Integration durch Ausbildung - Perspektiven für Flüchtlinge"
Telefon: 07121 201-264
Fax: 07121 201-4264
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