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05.12.2018

Seit 40 Jahren im Einsatz

„Man profitiert voneinander“

Fritz Kern prüft seit 40 Jahren Azubis bei der IHK. Obwohl der Tübinger im Ruhestand ist, ist er immer noch gerne in seinem Ehrenamt aktiv.

40 Jahre im Einsatz: Dafür wurde Prüfer Fritz Kern vor Kurzem von IHK-Präsident Christian O. Erbe ausgezeichnet. Foto: Trinkhaus

Herr Kern, Sie sind seit 40 Jahren ehrenamtlich als Prüfer im Einsatz. Wie hat es angefangen?
Kern: Ich habe als junger Ausbilder für Mechaniker beim Strickmaschinenhersteller Stoll in Reutlingen mein erstes Ehrenamt übernommen. Das war damals bei fast allen Ausbildern üblich. Das muss 1972 oder 1973 gewesen sein. Ich war in vielen anderen Firmen bei der Abnahme von Prüfungen ehrenamtlich eingesetzt, bis ich 1986 Ausbildungsleiter wurde. Damals wie heute sind die Ausbildungsleiter für die Prüfungen im eigenen Haus zuständig.

Sie sind im Ruhestand und trotzdem noch aktiv. Es muss Ihnen wohl Spaß machen.
Kern: Ich mache das immer noch sehr gerne. Der Kontakt mit anderen Ausbildern und vor allem mit den jungen Menschen in Ausbildung ist mir wichtig. Man profitiert voneinander. Sie glauben gar nicht, welch große Kreativität in den Auszubildenden von heute steckt. Es gibt noch eine ganze Menge von uns Rentnern im Ehrenamt. Dadurch kompensiert man auch den Personalmangel bei den Prüfern. Der „Absprung“ aus dem Ehrenamt sollte eigenständig geschehen. Mein Amt endet im Dezember kommenden Jahres. Ob es dann weiter gehen wird – da bin ich selber gespannt.

Wie hat sich das Prüfungswesen in der Ausbildung während Ihrer Zeit als Prüfer verändert?
Kern: Man kann, zumindest im gewerblich technischen Bereich, schon eine Entwicklung weg von der Praxis beobachten. Die Anforderungen, etwas manuell auszuführen, sind nicht mehr so hoch wie zu meiner Zeit. Heute verläuft eine Prüfung in zwei Schritten: Der Azubi erstellt ein Dokument über die geleistete Arbeit, das dem Prüfungsgremium vorgelegt wird. Auf dessen Basis wird der Azubi dann im Fachgespräch befragt. So wird entschieden, ob es der Prüfling wirklich drauf hat. Die Praxis gerät etwas in den Hintergrund. Sie spielt zwar in der letzten Phase der Ausbildung eine größere Rolle, nicht aber in der Prüfung. Das ist auch eine Kostenfrage, denn der betriebliche Auftrag lautet, so wenig wie möglich in die "Schrottkiste" zu produzieren.

Prüfungen sind für Azubis oft mit viel Stress verbunden. Wie kann man dem vorbeugen oder damit umgehen?
Kern: Da sehe ich das Elternhaus in der Pflicht. Für Eltern sollte es sehr wichtig sein, dass das Kind die Ausbildung souverän abschließen kann. Bei Schwierigkeiten beruflicher Art sollte der Ausbilder der erste Ansprechpartner sein, bei Privatem die Eltern. Reicht diese Hilfe nicht aus, gibt es genügend Institutionen wie die IHK und einige andere, die Auszubildenden mit Problemen selbst zur Seite stehen oder gute Hilfe vermitteln können. In jedem Fall lohnt es, sich über ausbildungsbegleitende Hilfen zu informieren. Ich hatte in den letzten fünf Jahren meiner Dienstzeit selbst mit einigen Fällen zu tun, bei denen die Zusammenarbeit mit Sozialarbeitern nötig war. Nach meiner Beobachtung nimmt der Anspruch auf Hilfsangebote zu.

Frage zum Schluss: Sie haben als Prüfer sicher schon viel Kurioses erlebt. Haben Sie ein Beispiel?
Kern: In meiner eigenen Ausbildung gab es noch ein Berichtsheft, das mitbewertet wurde. Heute gibt es das nicht mehr. Ersetzt wurde das Berichtsheft durch sogenannte Ausbildungsnachweise, die stichwortartig geführt werden und oft nur das Allernötigste beinhalten. Ich erinnere mich an einen Nachweis, in den der Lehrling schrieb: „Dem Betriebsratsvorsitzenden die Pfeife geputzt.“ Das war schon ziemlich ungewöhnlich und sorgte für Heiterkeit. Wir Ausbilder haben darüber diskutiert, ob der Vermerk stehen bleiben kann. Wir kamen zu dem Schluss: „Was der Bub gemacht hat, soll er auch reinschreiben.“

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