Innovationen - Den Mittelstand mit ins Boot holen

Foto: Alexander Raths - Fotolia.com

Rund 29 Prozent der von der IHK im Rahmen der Konjunkturumfrage 2015 befragten Unternehmen der Region wollen verstärkt investieren und knapp die Hälfte der Betriebe will ihr Investitionsniveau halten. Dennoch lässt die Innovationskraft der heimischen mittelständischen Unternehmen nach.

Zwar steigen die Innovationsausgaben der Wirtschaft laut IHK-Konjunkturumfrage insgesamt. Das liegt aber nach Angaben des Zentrums für Europäische Wirtschaft (ZEW) häufig an den vermehrten Investitionen der ganz Großen. Die Zahl der KMUs in Deutschland, die an Innovationen arbeiten, ist von 47 Prozent im Jahr 2008 auf zuletzt 37 Prozent gesunken, so das ZEW. Und das, obwohl laut wiederholter IHK-Untersuchungen zwei Drittel dieser Firmen vielversprechende Ideen in der Hinterhand haben. Die richtigen Voraussetzungen bringt die Region Neckar-Alb mit ihren Hochschulen und der Vielzahl an hochschulnahen Forschungseinrichtungen bereits mit. Die Potenziale müssen aber noch besser ausgeschöpft werden, denn Innovationen sind die Triebfeder unserer wirtschaftlichen Entwicklungen.

1. Erweiterung der Innovationsgutscheine

Gerade kleinen Unternehmen, die den größten Teil der Unternehmen der Region Neckar-Alb ausmachen, mangelt es häufig nicht nur an Zeit, sondern auch an Geld für die Umsetzung von neuartigen Ideen. Umso wichtiger ist es, ihnen zur Stärkung ihrer Innovationskraft das notwendige Startkapital mit an die Hand zu geben. Deshalb müssen die bestehenden Innovationsgutscheine (maximale Fördersumme Gutscheine A+B: 7.500 Euro, Gutschein B-Hightech für junge Unternehmen: 20.000 Euro) um einen Gutschein mit höherer Fördersumme für etablierte Unternehmen (Vorschlag 40.000 Euro) ergänzt werden, um die de facto vorhandene „Förderlücke“ zum ZIM-Programm (Fördersumme typischerweise > 80.000 Euro) des Bundes zu schließen.

2. Besteuerung von High-Tech-Investitionen reduzieren

Unternehmen, die Hochtechnologien entwickeln, haben einen großen Kapitalbedarf. Das Know-how ist vorhanden, aber die passenden Rahmenbedingungen fehlen. So ist der deutsche Wagniskapitalmarkt schwach entwickelt. Außerdem müssen die innovationshemmende Besteuerung von Funktionsverlagerungen und die gewerbesteuerlichen Hinzurechnungen (zum Beispiel bei Lizenzen) entfallen sowie die Möglichkeiten zur Verlustverrechnung beim Anteilseignerwechsel verbessert werden.

Unsere Forderung für die Region
Das Land muss sich auf Bundesebene weiter für die Einführung einer steuerlichen Forschungsförderung in Ergänzung zur bisherigen Projektförderung stark machen. Durch diese steuerliche Berücksichtigung würden viele kleine und mittelgroße Technologieunternehmen der Region Neckar-Alb neue zukunftsträchtige Märkte erschließen. Darüber hinaus sollte das Land die Schaffung von Rechtssicherheit und die Vermeidung von Doppelbesteuerung für Wagniskapitalfonds auf Bundesebene vorantreiben. Nur so können kapitalintensive Branchen, wie die in der Region Neckar-Alb besonders starke Biotechnik, unterstützt werden.

3. Gesetzlicher Rahmen für den Zugang zu Geo- und Bewegungsdaten

Ein bislang unzureichend genutztes wirtschaftliches Potenzial stellen die bei öffentlichen Verwaltungen vorhandenen Informationen sowie die Bewegungsdaten dar. Der Markt für Geodaten, also die Verknüpfung von Informationen mit einer Ortsangabe, hat ein erhebliches Innovationspotenzial für die Region Neckar-Alb. Jedoch werden die damit zusammenhängenden Chancen auf Grund einer mangelhaften Standardisierung bei der Erhebung und der rechtlich noch unzureichend geklärten Verarbeitung und Weitergabe der Daten noch nicht ausgeschöpft. Die Initiativen des Bundes und der EU sind hier noch nicht ausreichend. So fordern die Unternehmer der Region einen leichteren Zugang zu Geodaten der öffentlichen Hand und klarere Vorgaben für deren Nutzung – natürlich unter Beachtung des Datenschutzes. Zusätzlich braucht es für die Nutzung und Bereitstellung von Benutzer- und Bewegungsdaten die passenden Rahmenbedingungen. Dazu ist es notwendig, öffentlich geregelte Betreibermodelle, basierend auf anonymisierten Benutzerdaten, zu definieren. Die Landesregierung soll sich dafür einsetzen, dass diese Rahmenbedingen geschaffen werden, damit die innovativen Unternehmen der Region Neckar-Alb durch die Vielzahl der dadurch entstehenden Geschäftsmodelle profitieren können.

4. Europäisches Satellitensystem Galileo realisieren

Unmittelbar damit zusammenhängend und mit nicht weniger Innovationspotenzial behaftet, ist die Entwicklung der europäischen Satellitennavigation Galileo. Diese bringt für die mittelständischen Unternehmen am High-Tech-Standort Neckar-Alb große Chancen mit sich. So sind die breiten Einsatzbereiche der Ortsdaten Ausgangspunkt für zahlreiche Innovationen. Vor allem in den Bereichen Mobilität, Logistik, Bauwesen, Vermessung und Landwirtschaft gibt es mittlerweile sehr viele Anwendungen. Die Unternehmen der Region Neckar-Alb können hier mit dem Cluster Automotive und Maschinenbau eine Vorreiterrolle bei der Entwicklung neuartiger Dienste und Produkte wie selbstfahrenden Autos einnehmen.

Unsere Forderung für die Region
Neben der bereits bei der IHK Reutlingen angesiedelten baden-württembergischen Geschäftsstelle des European Satellite Navigation Competition sollte in Zukunft auch ein "Business Incubation Center" der europäischen Weltraumagentur ESA am Standort Reutlingen etabliert werden. So können die aus der Satellitennavigation resultierenden Innovationen von Startups neben anderen Innovationen im High-Tech-Bereich gezielt gefördert werden.

5. Moderne Infrastruktur für virtuelle Kraftwerke

Der aus den Klimaschutzzielen von Bund und Ländern resultierende Ausbau der dezentralen erneuerbaren Energien führt zu einem Wandel der Energieversorgung. Teil davon sind so genannte virtuelle Kraftwerke, die unterschiedlichste Energieerzeugungs- und Speicheranla-gen untereinander koppeln können und neben der Wirtschaftlichkeit auch die Netzstabilität optimieren. Die Landespolitik muss hier sicherstellen, dass die erforderliche moderne Infrastruktur für diese dezentrale Energieversorgung geschaffen wird und Planungssicherheit gewährleistet ist.

Unsere Forderung für die Region
Die Region Neckar-Alb soll Pilotregion für den Einsatz dezentraler Energiesysteme werden. Die bereits von Bund und Land geförderten Projekte, wie das  „Virtuelle Kraftwerk Neckar-Alb“ und die Demonstrator-Anlage an der Hochschule Reutlingen, bieten die idealen Voraussetzungen. Nun müssen die Rahmenbedingungen für die Einbindung vieler Erzeuger und Verbraucher geschaffen werden.

6. Impulse für Entrepreneurship setzen

Neugründungen erhöhen die wirtschaftliche Dynamik und die Innovationskraft einer Region. Umso wichtiger ist es, das Interesse an Gründungen bereits an den Hochschulen zu wecken. Deshalb fördert die IHK Reutlingen das Thema aktiv mit ihrem IHK-Campus-Startup, bei dem Studierende, wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Alumni bei allen Fragen rund um die Existenzgründung aus der Hochschule unterstützt werden. Jedoch schneiden laut Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft die baden-württembergischen Hochschulen besonders bei der institutionellen Verankerung von Gründungsaktivitäten schlecht ab. Zwar ist im Landeshochschulgesetz festgehalten, dass Hochschulen in Baden-Württemberg einen Beitrag zum gesellschaftlichen Fortschritt zu leisten haben, im Sinne eines Wissens-, Gestaltungs- und Technologietransfers. Es fehlt aber eine konkrete Zielvorgabe zur Gründungsförderung an Hochschulen, wie ihn andere Bundesländer bereits vorschreiben. Die Landespolitik sollte deshalb explizit die Gründungsförderung in die Zielvorgaben der Hoch-schulen aufnehmen.

Unsere Forderung für die Region
Die IHK sollte in ihren Aktivitäten rund um das IHK-Campus-Startup unterstützt werden. Im nächsten Schritt sollte auch die Einrichtung eines Innovationszentrums am Campus Reutlingen gefördert werden. Die Landesregierung sollte dafür die erforderlichen Mittel für die Betriebskosten bereitstellen, damit Unternehmer, Professoren und Studierende aus der Region diese Räumlichkeiten als Entwicklungsabteilung nutzen können.

Ihr Ansprechpartner

IHK-Zentrale Tübingen
IHK Reutlingen Bereich: Hauptgeschäftsführung
Position: Leiterin Büro Hauptgeschäftsführung
Schwerpunkte: Politikkontakte, Regionalforum, BWIHK, Medien- und Filmwirtschaft, Koordination "IHK vor Ort"
Telefon: 07121 201-270
Fax: 07121 201-4270
E-Mail schreiben
vCard herunterladen