Digitalisierung - Den digitalen Wandel gestalten

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Die Digitalisierung verändert unsere Arbeits- und Lebenswelt von Grund auf. Von der intelligenten Fabrik, in der Maschinen aller Wertschöpfungsstufen über informationstechnologische und elektrotechnische Elemente miteinander kommunizieren, über die Nutzung von Big Data, Cloud Computing, und die zunehmende Vernetzung von Unternehmen, Kunden und Zulieferern mittels Internet, führt zu einem radikalen Wandel in nahezu jeder Branche.

Auf diese Veränderungen müssen Wirtschaft und Politik reagieren. Durch ihre Stärken in den Bereichen Automotive, Medizintechnik, Biotechnologie, Technische Textilien und Maschi-nenbau, ist die Region Neckar-Alb schon jetzt ein Hightech-Standort. Damit das so bleibt und die Region ihre Vorreiterrolle beim technologischen Fortschritt aufrechterhält, müssen die entsprechenden Voraussetzungen in Bildung und Infrastruktur geschaffen werden.

1. Flächendeckende Versorgung mit leistungsfähigem Breitband

Die Breitbandversorgung ist vor allem in ländlichen Gebieten, in Teilen aber auch in städtischen Ballungsgebieten der Region, noch lückenhaft. Eine Grundversorgung im Sinne der Bedarfsplanung der Bundesregierung ist weitgehend – allerdings noch nicht allerorts – verwirklicht. Deshalb müssen alternative Versorgungstechniken wie Microtrenching oder die Versorgung über die Frischwasserleitung ergebnisoffen auf Realisierbarkeit und ihre schnelle Umsetzbarkeit hin untersucht werden.

Unsere Forderung für die Region
Der Ernennung zur „Pilotregion 50 Mbit/s“ durch die Landesregierung sollten auch Taten folgen. Schließlich stellt die Versorgung mit wirklich leistungsfähigen Breitbandprodukten weiterhin ein Problem dar. Für die Digitalisierungsoffensive müssen die entsprechenden Förderprogramme des Landes aufgestockt werden. Zudem muss perspektivisch flächendeckend eine Erhöhung der Bandbreiten auf 100 Mbit/s und mehr vorgesehen werden.

2. Transparenz bei der Verteilung der EU-Fördermittel für Breitband

Allein im Jahr 2015 hat die EU-Kommission Fördergelder in Höhe von drei Milliarden Euro für den Breitbandausbau bewilligt. Diese werden über verschiedene Fördertöpfe auf Mitgliedsstaaten und Förderprogramme verteilt. Wie viele Gelder an welches Land gehen und für welche Maßnahmen verwendet werden, bleibt dabei unklar. Transparenz ist aber die wichtigste Voraussetzung, um Gelder bedarfsgerecht vergeben zu können. Mit Blick auf die große Bedeutung von Breitband für die Weiterentwicklung der Region erwartet die Wirtschaft, dass die Landesregierung Transparenz über die verfügbaren Mittel und deren Verwendung schafft. Die Einrichtung eines Transparenzportals für Fördermittel für Baden-Württemberg ist hier ein erforderlicher Weg. Dabei sollten auch alle verfügbaren Fördergelder ausschließlich für den Breitbandausbau verwendet werden.

3. Mittel für qualitativen IT-Unterricht an Schulen

Die zunehmende Vernetzung zwischen Technik, Organisation und Mensch wird den Arbeits-alltag revolutionieren. Junge Menschen in der Hightech-Region Neckar-Alb müssen frühzeitig auf diese Anforderungen vorbereitet werden. Eine Ausstattungslücke wie sie laut der Ergebnisse einer Forsa-Umfrage von 2014 bei Geräten, Internet und einer adäquaten Ausbildung für Lehrer vorliegt, ist ein schlechtes Zeichen. Hier müssen die entsprechenden Mittel durch die künftige Landesregierung bereitgestellt werden, damit der IT-Unterricht den Erfordernissen der Zeit entspricht.

4. Anpassung der Aus- und Weiterbildung an neue Entwicklungen und Innovationen

Eine enge Verzahnung zwischen beruflicher und akademischer Weiterbildung ist unabdingbar, um die Arbeitskräfte der Region adäquat auf die sich ändernden Anforderungen vorzubereiten. Dabei muss auch der Hochschulzugang von Berufstätigen flexibler und durchlässiger gestaltet werden. Die Wirtschaft fordert von der Landesregierung klare Konzepte zur Unterstützung der Beschäftigten und spezifische Qualifizierungsprojekte über alle Wirtschaftsbereiche hinweg. Gerade die Region Neckar-Alb mit ihrer starken Industrieorientierung sollte hier eine Vorreiterrolle übernehmen und sich zur Region der Aus- und Weiterbildung für Industrie 4.0 entwickeln können.

Unsere Forderung für die Region
Der für das Thema Industrie 4.0 wichtige Ausbau der IHK-Lehrwerkstatt in Albstadt sollte gefördert werden. Die Unterstützung bei der Etablierung einer Lernfabrik 4.0 in der Region wäre gleichermaßen wünschenswert. Die Berufsschule Philipp-Matthäus-Hahn in Balingen und die Ferdinand-von-Steinbeis-Schule Reutlingen haben sich beworben.

5. Akademie für Technikfolgenabschätzung für mehr Technologieakzeptanz

Im Zuge von Industrie 4.0 und anderer technologischen Möglichkeiten werden viele weitläu-fige Änderungen auch in unserem Alltag ankommen. Vor dem Hintergrund der zum Teil niedrigen Akzeptanz von neuen Technologien bei den Bürgern der Region Neckar-Alb muss die Transparenz bezüglich der positiven und negativen Folgen der Einführung neuer Technologien durch Aufzeigen der Chancen und Risiken gesteigert werden.

Unsere Forderung für die Region
Die im Jahr 2003 geschlossene Akademie für Technikfolgenabschätzung in Baden-Württemberg sollte die Landesregierung wiederaufleben lassen. Zukünftige Entwicklungen können so ernsthaft diskutiert, negative Auswirkungen von neuen Technologien effektiv reduziert, innovative Produkte schneller umgesetzt und die Akzeptanz für neue Technologien am High-Tech-Standort Neckar-Alb gesteigert werden.

6. Ausbau der Telematikinfrastruktur im Gesundheitswesen

Vor allem im ländlichen Raum der Region Neckar-Alb könnten telemedizinische Anwendungen für die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung von großem Nutzen sein. Die Landesregierung kann über die Bereitstellung entsprechender Investitionsbudgets zur raschen Einführung der notwendigen Telematikinfrastruktur beitragen. Grundlage für eine telemedizinische Versorgung ländlicher Regionen ist die ausreichende Netzinfrastruktur zur Datenübermittlung. Die Investitionskosten der Krankenhäuser werden im Wege der öffentlichen Förderung durch die Bundesländer getragen. Die Landesregierung kann zur raschen Einführung der notwendigen Telematikstruktur beitragen, indem sie den Krankenhäusern über die Bereitstellung entsprechender zweckgebundener Investitionsbudgets Anreize zur Umsetzung bereitstellt und den zügigen Ausbau flächendeckender Breitbandinfrastruktur vorantreibt.

7. Verwaltung 4.0: E-Government nutzen, um Unternehmen zu entlasten

Komplizierte, langwierige und kostspielige Verwaltungsverfahren hemmen wirtschaftliches Handeln und verteuern Investitionen. Die Verwaltung muss sich – genau wie die Wirtschaft – ständig modernisieren und dem digitalen Wandel anpassen, um im Standortwettbewerb konkurrenzfähig zu bleiben. Denn nur eine digitale Verwaltung kann gegenüber der Wirtschaft und den Bürgern leistungsfähig sein. Das geplante E-Government-Gesetz Baden-Württemberg ist ein Schritt in die richtige Richtung. Die Landesregierung sollte aber den Bedarf von Unternehmen stärker in den Vordergrund stellen. Außerdem kann ein Mehrwert nur entstehen, wenn Verwaltungen in Bund, Ländern und Kommunen (sowie innerhalb der EU) stärker zusammenarbeiten und ihr Vorgehen über Ressortgrenzen hinweg abstimmen.

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