Verkehrsinfrastruktur: Wirtschaft braucht Straßen

Verkehrsinfrastruktur: Gut ausgebaute Straßen sind ein zentraler Standortfaktor für die Wirtschaftbluedesign - Fotolia.com

Die Region Neckar-Alb wird fast ausschließlich durch Bundesstraßen erschlossen und nach außen angebunden. Diese Bundesstraßen sind in ihrem derzeitigen Zustand hoffnungslos überlastet und müssen dringend leistungsfähig ausgebaut werden.

Allein 200.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte sind als Pendler auf die B27 und die B28 angewiesen. Laut Gutachten der Universität Köln macht die verkehrliche Belastung der Bundesstraßen in der Region rund 15.000 Fahrzeuge pro Tag aus. Sie liegt damit über dem Bundesschnitt von 9.200 Fahrzeugen. Auf den Spitzenstrecken wie der B 27 und B 28 fahren sogar täglich rund 40.000 Fahrzeuge. Der Güterverkehr hat insgesamt einen Anteil von neun Prozent am Verkehrsaufkommen.

Die Wirtschaft erwartet von der Politik, die politischen und finanziellen Voraussetzungen für den Ausbau der Verkehrsadern in der Region zu schaffen. Alle Positionen der IHK zur Verkehrsinfrastruktur sind in der jüngsten Auflage des "Leitbild Verkehr" niedergelegt, welches die Vollversammlung beschlossen hat. Zu den Kernforderungen gehören unter anderen der durchgängig vierspurige Ausbau der B 27 vom Zollernalbkreis bis vor die Tore Stuttgarts mit Schindhautunnel und dem Abschnitt Nehren-Bodelshausen, die B 312/313 mit dem Albaufstieg bei Lichtenstein und die Ortsumfahrung Lautlingen (B 463).

Beim Ausbau der B 28 zwischen Rottenburg und Tübingen sowie der Ortsumfahrung Grafenberg der B 313 hat sich der Einsatz der Wirtschaft immerhin gelohnt: Das Bundesverkehrsministerium hat zwischenzeitlich grünes Licht gegeben. Der Bau beider Strecken hat in 2016 begonnen

Für den Ausbau der B 27 hat die IHK im September 2015 die regionale Aktion "Uns reicht's: B 27 jetzt!" gestartet. Über 270 Meinungsführer aus Politik und Wirtschaft machen sich darin erneut gemeinsam für den vierspurigen Ausbau der Strecke stark. Einer der Gründe ist auch, dass sich die Strecke nicht mehr optimieren lässt. Das hat Ende November 2015 eine Verkehrsschau von anliegenden Gemeinden, Regierungspräsidium und IHK noch einmal gezeigt.

Dass Verkehr belastet zeigt nicht zuletzt die von der IHK Reutlingen zum zweiten Mal durchgeführte Umfrage "Aufschreiben was stresst". Rund 2.000 einzelne Rückmeldungen erreichten die IHK. Die Liste der Problemfälle wurde von Staus auf den Bundesstraßen und Ampelproblemen im innerstädtischen Verkehr angeführt. Im Zentrum der Kritik: Die Bundesstraßen 27, 28 sowie 312 und 313 sowie die fehlende "grüne Welle" in Reutlingen und Tübingen.

Welche Bedeutung gut ausgebaute Straßen für die Wirtschaft und die Region haben, zeigten Gutachten der Universität Köln und der ESB Business School in Reutlingen.

Das Gutachten des Instituts für Verkehrswissenschaft der Universität Köln, im Auftrag von Regionalverband Neckar-Alb und IHK Reutlingen, zeigt, dass jeder Euro, der in den regionalen Ausbau der Bundesfernstraßen investiert wird, einen volkswirtschaftlichen Nutzen von 3,40 Euro bringt. Das Gutachten stellte dabei den Nutzen der jeweiligen Strecken - angefangen von den Einsparungen bei Schadstoffen und CO2-Emissionen bis hin zur Unfallvermeidung und Zeitersparnis - den Investitions- und Betriebskosten gegenüber. Das Ergebnis ist für alle zehn untersuchten Maßnahmen positiv.

Das Gutachten des Instituts für technische Logistik (IntechLog) der ESB Business School in Reutlingen, im Auftrag des Regionalverband Neckar-Alb, des Vereins "Pro Mobil" und der IHK Reutlingen, hat den volkswirtschaftlichen Schaden eines nicht gebauten Schindhaubasistunnels untersucht. 18 Kriterien haben die Forscher unter die Lupe genommen. Ein nicht gebauter Tunnel hätte deutliche Auswirkungen auf die Standortattraktivität, weil aus Sicht der Betriebe die Verkehrsinfrastruktur für den Wirtschafts- und Güterverkehr und die Erreichbarkeit des Standortes eine entscheidende Rolle spielt. Ansiedlungen könnten also ausbleiben, bestehende Firmen ihre Investitionen eher woanders tätigen oder - im schlimmsten Fall - sogar abwandern. Kritisch bewertet das IntechLog einen Nichtbau des Tunnels auch mit Blick auf Unfallhäufigkeit und Luftverunreinigung.

Downloads

Arbeitspapier: "Leitbild Verkehr"

IHK-Verkehrsumfrage: "Aufschreiben was stresst"

Volkswirtschaftlicher Nutzen ausgewählter Straßenbaumaßnahmen in der Region Neckar-Alb: Gutachten des Instituts für Verkehrswissenschaft der Universität Köln

Volkswirtschaftlichen Schaden eines nicht gebauten Schindhaubasistunnels: Gutachten des Instituts für technische Logistik der ESB Reutlingen

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