Prognos-Studie: So kommt die Region voran

Foto: juanjo tugores - Fotolia.com

Die Region Neckar-Alb muss sich in zentralen Feldern weiter entwickeln, sonst droht ein Rückfall im Standortwettbewerb. Das zeigt ein vom Forschungsinstitut Prognos erstelltes Regionalgutachten.

Die Experten von Prognos haben im Auftrag der IHK Reutlingen Indikatoren zu Arbeitsmarkt, Wirtschaft, Forschung und Entwicklung sowie Infrastruktur und Rahmenbedingungen untersucht. Aus der Analyse wurden eine Positionsbestimmung der Region und ein Stärken-/ Schwächen-Profil erarbeitet. Das Gutachten zeigt: Die Region steht grundsätzlich ordentlich dar. Zu den Pluspunkten zählt Prognos die diversifizierte Branchenstruktur mit prägenden Leitbranchen, den Beschäftigungsaufbau der letzten Jahre, die umfangreichen Investitionen der heimischen Industrie am Standort, die Studierendendichte bei gleichzeitig hohem Stellenwert von Facharbeitern mit beruflicher Ausbildung sowie der insgesamt hohe Wohlstand und die Lebensqualität.

Intensiver Strukturwandel
Zugleich haben die Prognos-Experten zahlreiche Schwächen ausgemacht. Dazu gehören absehbare Engpässe am Arbeitsmarkt, Erreichbarkeitsdefizite bei der überregionalen Verkehrsanbindung, schwächere Dynamik bei Forschungsintensität und Innovationen, unterdurchschnittliche Gründungsdynamik und schwaches Wachstum bei den Übernachtungszahlen.

Umfassendes Paket an Maßnahmen
Aus der Gesamtanalyse haben die Gutachter für die Region ein umfassendes Paket an Maßnahmen erstellt. Dazu gehören Investitionen in Verkehrsinfrastruktur auf Straße und Bahn sowie ein flächendeckender Breitbandausbau, mehr Technologietransfer vor allem durch zusätzliche anwendungsorientierte Forschungskapazitäten, Integration von Migranten in den Arbeitsmarkt, verbesserte Voraussetzungen für Firmengründungen, Stärkung der Region als Tourismusstandort sowie eine intensivierte überregionale Positionierung und Vermarktung der Region.

Zusammenfassung

Das Prognos-Gutachten gibt Handlungsempfehlungen in den Feldern "Infrastruktur und Erreichbarkeit", "Fachkräftesicherung und -gewinnung", "Innovation und Wettbewerbsfähigkeit" und "Kooperation und Standortmarketing". Die sechs wichtigsten Handlungsempfehlungen lauten:

1. Verkehrs- und IT-Infrastruktur ausbauen

  • Abbau von Defiziten der Verkehrsinfrastruktur/ Erreichbarkeit (u.a. Anbindung Autobahn, Fernverkehr DB) sowie flächendeckender Breitbandausbau
  • Bisherige IHK-Angebote/Dienstleistungen: Engagement für die Infrastruktur seit Jahrzehnten, Aktion B27, Verkehrsdelegationen auf Bundesebene sowie auf europäischer Ebene
  • Nächste Schritte: Intensivierung der Interessenvertretung gegenüber Land BW und Bund in Zusammenarbeit von Politik und Wirtschaft in der Region; Akquisition von Fördermitteln für den Breitbandausbau, Digitalisierungsoffensive

2. Zuwanderer/Migranten integrieren

  • Einbindung von Migranten in den Arbeitsmarkt erleichtern und Handlungsspielräume nutzen
  • Bisherige IHK-Angebote/Dienstleistungen: Welcome-Center, Kinder-Jugend-Wissen, Welcome-Broschüre, Task-Force Flüchtlinge, neue Integrationsbeauftragte innerhalb der dualen Ausbildung: Vermittlung von Flüchtlingen in Ausbildung, Werben für die duale Berufsausbildung
  • Nächste Schritte: Stärkere Vernetzung mit den unterschiedlichen Akteuren bspw. Fachkräfteallianz Neckar-Alb (u.a. Informieren, Qualifizierungsmaßnahmen), Stärkung des Ausbildungsmarketings (Karriere mit Lehre)

3. Anwendungsorientierte Forschungskapazitäten gezielt weiterentwickeln

  • Ausbau der FuE-Infrastruktur in Themenbereichen mit spezifischem Anwendungsbezug zur regionalen Wirtschaft
  • Bisherige IHK-Angebote/Dienstleistungen: IHK-Institut für Wissensmanagement und Wissenstransfer, Technologietransfer, Netzwerke, Kooperationsverträge mit allen Hochschulen in der Region
  • Nächste Schritte: Stärkung und Weiterentwicklung angewandter Forschungsinstitute in regionalen Leitbranchen (u.a. BioMedTech, Nanoanalytik); Potenzialanalyse und Vorsondierung für weiteren Ausbau bei Land BW sowie Trägergesellschaften (u.a. Fraunhofer-Gesellschaft)

4. Voraussetzungen für Unternehmensgründungen verbessern

  • Angebote zur Unterstützung von (technologie- und wissensorientierten) Gründungen ausbauen; u.a. Gründerpotenzial an Hochschulen (Spin-Offs) sowie bei Auspendlern
  • Bisherige IHK-Angebote/Dienstleistungen: Campus Startup, Gründerkompass, sukzessive Zusammenarbeit Beispiel: Gründermesse
  • Nächste Schritte: Sondierung Bedarfe und möglicher Lücken hinsichtlich Gründungs-angeboten und Infrastruktur gemeinsam mit Partnern/Hochschulen

5. Tourismus in der Region weiterentwickeln

  • Ausschöpfung der Potenziale in der Region und Modernisierung bestehender Angebote
  • Bisherige IHK-Angebote/Dienstleistungen: Tourismus-Kongress, Weg vom Kirchturmdenken zum Dachmarken-Denken
  • Nächste Schritte: Aufstellen einer regionalen Tourismuskonzeption unter Einbindung aller relevanten Akteure der Region und Überlegungen hinsichtl. strategischer Maßnahmen (u.a. Zielgruppen, Themen, Destinationen, Vermarktung)

6. Region mit starkem Profil überregional positionieren

  • Gemeinsame Vermarktung der Region unter Berücksichtigung der Besonderheiten
  • Bisherige IHK-Angebote/Dienstleistungen: Standortagentur, Neckar-Alb als Europäische Metropolregion Neckar-Alb
  • Nächste Schritte: Überlegungen hinsichtlich der zukünftigen Ausrichtung sowie der Aktivitäten der Standortagentur; ggf. Einleitung eines Markenbildungsprozesses (Anknüpfungspunkte: u.a. Fachkräftegewinnung, Tourismus)

Ergebnisse der Prognos-Studie als Download

Ihr Ansprechpartner

IHK-Zentrale
IHK Reutlingen Bereich: Standortpolitik
Position: Leiterin Volkswirtschaft und Fachkräftesicherung
Schwerpunkte: Volkswirtschaft (Konjunktur, Arbeitsmarkt, Studien), Regionale Wirtschaftspolitik, Wirtschaftsjunioren, Gesundheitswirtschaft
Telefon: 07121 201-199
Fax: 07121 201-4199
E-Mail schreiben
vCard herunterladen