Positionen des Ausschusses für Medien- und Filmwirtschaft

Der Film- und Medienausschuss hat in seiner Sitzung vom 18. November 2016 dieses Positionspapier beschlossen. Die in dem Papier enthaltenen Forderungen und Überlegungen zielen auf Verbesserungen der Rahmenbedingungen für die Filmwirtschaft in Baden-Württemberg ab. Diese stellen einen Auftakt für die künftige Ausschussarbeit dar.

Mittelfristig geht es auch darum, ein wacheres Bewusstsein für die Erstellung von Medien in den Köpfen aller zu fördern und beizutragen, dass eine teilweise vorhandene, existenzielle Abhängigkeit der Filmschaffenden von Fördermitteln reduziert wird. Die angestrebten Verbesserungen hätten auch positive Auswirkungen auf etwa 100 Unternehmen aus der Filmwirtschaft in der Region Neckar-Alb. Eine florierende Filmwirtschaft in der Region Neckar-Alb würde sich darüber hinaus positiv auf alle Branchen in der Region auswirken, die zur Herstellung von Bewegtbild notwendig sind. Das betrifft alles, was im Film zu sehen ist (zum Beispiel Requisiten, Kulissen und Drehorte und Visualeffects), aber auch die Organisation hinter den Kulissen (unter anderem Unterkunft, Verpflegung, Technik, Bürobedarf, IT, Autovermietung). Eine stärkere Präsenz der Region Neckar-Alb in den Medien könnte sich außerdem positiv auf den Tourismus oder die Möglichkeit, Fachkräfte zu gewinnen, auswirken.

Der Ausschuss strebt an:

  • Eine Kooperation der für den Filmstandort zuständigen Ministerien, also dem Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau, das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst sowie das Staatsministerium.
  • Die Umsetzung der Filmkonzeption II (von 2008) im Bereich der Auftragssituation für Produzenten, Dienstleister, Bindung von Kreativen an den Standort, Platzierung von Fernsehserien
  • Einen Ausbau der MFG Filmförderung Baden-Württemberg
  • Eine Stärkung des Film- und Medienstandortes in der öffentlichen Wahrnehmung

Dies bedeutet aus Sicht des Ausschusses im Einzelnen:

Kooperation der für den Filmstandort zuständigen Ministerien

Für die Medienunternehmen im Land sind das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau, das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst sowie das Staatsministerium (wegen Rundfunkstaatsverträge) von Bedeutung. Diese haben teilweise unterschiedliche Zuständigkeiten und Ziele. Deswegen ist es aus Sicht des Ausschusses notwendig, gemeinsam mit Branche und Ministerien festzulegen, wie sich der Film- und Medienstandort entwickeln sollte. Das Ziel des Ausschusses ist ein starker Film- und Medienstandort unter den ersten fünf Plätzen nach Umsatzvolumen in Deutschland. Aus diesem Grund bedarf es übergreifender und aufeinander abgestimmte Strukturen: In diesen müssen sich private wie öffentlich-rechtliche Rundfunkunternehmen (TV, Radio und Online), Filmproduzenten, Dienstleister, Filmschaffende und die Kinobranche wiederfinden. Hohe Investitionen auch seitens des Landes in die Ausbildung müssen sich langfristig in einer hervorragenden inhaltlichen Qualität der Programme und wirtschaftlichen Niederschlag über vor Ort ansässige Firmen/Filmschaffende wiederfinden. Die Ausbildungsstätten sollten ausbilden, was und wieviele Absolventen der Markt pro Jahr braucht. Den Sendern muss das Potential der hiesigen Filmszene erkennbar gemacht werden und sie müssen in die Lage versetzt werden, diese im Sinne der Medienvielfalt einbinden zu können. Der Wirtschaft sollten die Möglichkeiten und deren kreativen Ressourcen im Werbe- und Imagefilmbereich bekannt sein. Nur eine starke MFG Filmförderung Baden-Württemberg ist in der Lage, auf aktuelle Entwicklungen zu reagieren und im nationalen und internationalen Wettbewerb bestehen zu können. Andere Länder rüsten ihre Volumina massiv auf, während Deutschland nur versucht den Status quo zu halten. Dabei ist erwiesen dass zum Beispiel bei hier geförderten, internationalen Projekten wie „Game of Thrones“ oder „Independence Day 2“ Effekte von 120 bis zu 500 Prozent für jeden eingesetzten Euro erzielt werden. (Bei 500.000 Euro baden-württembergischer Fördersumme landen 2.500.000 Euro in Baden-Württemberg). Dies zeigt, dass die Produktionsunternehmen in einem internationalen Wettbewerb stehen, wo zusätzlich bestimmte ausländische Rahmenbedingungen deutsche Unternehmen benachteiligen. Während ein deutsches Produktionsunternehmen in Frankreich aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen auf jeden Fall eine französische Koproduktionsbeteiligung braucht, kann ein französisches Unternehmen problemlos ohne deutschen Produzenten zum Beispiel mit dem ZDF kooperieren. Aufgrund der Komplexität und Bedeutung des Themas wäre es erforderlich, dass bei der im Koalitionsvertrag verankerten, kurzfristigen Fortschreibung der Filmkonzeption III alle drei Institutionen beteiligt sind und unter allen Gesichtspunkten die aktuelle Lage sorgfältig, mit den unterschiedlichen und bislang teilweise gegensätzlich positionierten Playern evaluieren. Eine klare Strategie mit konkreten Maßnahmen auf Basis eines einheitlichen Budgets, die alle Beteiligten mit Nachdruck verfolgen, wird nach Einschätzung des Ausschusses in kurzer Zeit zu einer spürbaren Verbesserung und Weiterentwicklung der Filmwirtschaft in Baden-Württemberg und der Region Neckar-Alb führen.

Umsetzung der Filmkonzeption II (von 2008) im Bereich der Auftragssituation für Produzenten, Dienstleister, Bindung von Kreativen an den Standort, Platzierung von Fernsehserien

Obwohl Baden-Württemberg eines der bevölkerungsreichsten Bundesländer ist, wird dort im Verhältnis z.B. zum Gebührenbeitragsaufkommen noch zu wenig produziert. Um Absolventen der Hochschulen und Filmschaffende / Dienstleister generell an den Standort zu binden, ist eine Erhöhung und Verbesserung des Auftragsvolumens ganz entscheidend. Dies wurde schon in der 2008 veröffentlichten Filmkonzeption II von der Landesregierung beschlossen aber noch nicht ganzheitlich umgesetzt. Dem SWR kommt hier insbesondere mit der Hauptabteilung Film- und Kultur eine Vorbildfunktion zu. Mit dem „Debüt im Dritten“ oder „Junger Dokumentarfilm“ gibt es etablierte Nachwuchsprogramme, die zum Beispiel auch im Rundfunkstaatsvertrag verankert werden sollten. Der SWR leistet zwar viel freiwillig, dies sollte auch im Fall von Einsparungen gewährleistet sein. Der SWR ist ein wichtiger Türöffner in die ARD und kommt dieser Aufgabe mit erfreulichen Beispielen nach, z.B. mit Beauftragung von regionalen Unternehmen mit Spielfilmen für die verbundene ARD. Darüber hinaus gibt es immer wieder Sonderanstrengungen (zum Beispiel regionale Serien von hiesigen Produzenten wie „Laible und Frisch“, „Pfälzisch im Abgang“, „Tom und das Erdbeermarmeladebrot mit Honig“), um Projekte möglich zu machen. Hierfür braucht es zusätzliche Spielräume, da der Filmstandort erwachsen wird und es weitere Programme zur Fortsetzung der Zusammenarbeit über den Debütbereich hinaus braucht. Zum Beispiel im Animationsserien- und (Animations-)Spielfilmbereich aber auch jeder anderen Sparte (Doku, Serie, Unterhaltung, Show). Hierbei sollte auch eine internationale Verwertbarkeit bedacht und von förderbaren Vertriebsstrategien gestützt werden. In seinem Produzentenbericht 2015 stellt der SWR fest: „Insbesondere die Produzenten aus der Region besitzen das notwendige Gespür und die erforderlichen Kenntnisse, interessante regionale Inhalte und Themen zu entwickeln“. Trotzdem werden nur 1/3 aller externen Aufträge an unabhängige Produzenten im SWR-Sendegebiet vergeben. Dies entspricht maximal nur knapp zwei Prozent des gesamtjährlichen Budgets. Die restlichen Aufträge landen bei Produzenten zum Beispiel in Berlin, Hamburg oder München. Hier sieht der Ausschuss Potential für die hiesige Wirtschaft: Bei einer größeren Sensibilisierung der Redaktionen für in Baden-Württemberg ansässige Unternehmen und möglichen Umschichtung der Aufträge könnte so ohne zusätzliche Belastung des SWR auch der Filmstandort und eine Regionalisierung der Inhalte signifikant profitieren. Des Weiteren sollten das ZDF (neben dem „Kleinen Fernsehspiel“ und den für den Standort wichtigen Bavaria-Serien „Soko Stuttgart“ und „Dr. Klein“ aufgrund der dauerhaften Bindung von Personal) anteilig des Rundfunkbeitragaufkommens stärker in die Pflicht genommen werden. So werden in Baden-Württemberg kaum ZDF-Spielfilme produziert. Gleiches gilt für die bundesweiten, privaten Rundfunkanstalten wie zum Beispiel RTL, SAT1 oder ProSieben. Dazu wurde RTL beispielsweise vor Jahren aus der Verantwortung entlassen, ein regionales, landesweites Programmfenster zu vergeben. Hiesigen, privaten, journalistischen Zulieferern entgehen hier jährlich Aufträge in Höhe von rund 1,5 Millionen und die Möglichkeit, die Bürgerinnen und Bürger auch über diesen Weg mit regionalen, landesweiten Themen zu erreichen.

Ausbau der MFG Filmförderung Baden-Württemberg

Die MFG Filmförderung Baden-Württemberg ist der Motor der noch fragilen Filmwirtschaft. Sie ist Bindeglied zwischen Absolventen der Hochschulen, was die Ansiedlung anbelangt, und leistet einen wichtigen Ausgleich zwischen Start-Ups und kleinen, unabhängigen Filmunternehmen zu den großen Medienunternehmen in Deutschland. So kann die MFG zum Beispiel über die Drehbuchförderung oder Paketentwicklungen für neue Film- und TV-Stoffe mit überschaubarem Investment viel dazu beitragen, Produzenten ins Geschäft zu bringen. Filmförderung ist nicht nur Kunst-, sondern auch Wirtschaftsförderung. Die Unternehmen, die Förderung erhalten, geben wesentlich mehr aus als sie bekommen. Die Animationsszene ist hier bestes Beispiel. Siehe Zahlen unter Punkt eins. Traditionell ist die Förderung ein bedingt rückzahlbares Darlehen, das im Erfolgsfall von den Produzenten wieder zurückgeführt wird. Die neue Line Producer-Förderung (im Animations- und vor allem VFX-Bereich) ist dagegen ein nicht rückzahlbarer Zuschuss, der weitaus höhere Effekte im Land Baden-Württemberg generiert (siehe ebenfalls Punkt eins). Ohne die MFG Filmförderung wäre das Land auch um zahlreiche Kinobetriebe ärmer, welche sonst nicht die Umstellung von analog auf digitale Technik geschafft hätten. Innovationsdarlehen für die Kinos sind auch weiterhin notwendig, um eine flächendeckende Kinolandschaft in Baden-Württemberg und das Gemeinschaftserlebnis Kino zu erhalten und bestenfalls zu erweitern. Daher ist die MFG eine klare Erfolgsgeschichte, die nach Sicht des Ausschusses von der Politik weiter stark unterstützt und bedarfsgerecht ausgebaut werden sollte, um wettbewerbsfähig bleiben zu können. Dabei sieht der Ausschuss Potential, die MFG Filmförderung Baden-Württemberg auch wirtschaftlicher auszurichten (gemeint ist: die Förderung sollte nicht nur kulturelle, sondern auch wirtschaftliche Aspekte beinhalten) und gegenüber privaten, regionalen und landesweiten Rundfunkanbietern zu öffnen.

Stärkung des Film- und Medienstandortes in der öffentlichen Wahrnehmung

Der Film- und Medienstandort Baden-Württemberg braucht eine stärkere, öffentliche Wahrnehmung, damit auch Ausgaben seitens der Politik eine breite Akzeptanz bei der Bevölkerung finden. Dabei begrüßt der Film- und Medienausschuss, dass der SWR zum Beispiel die Spielfilmreihe „Debüt im Dritten“, die vorwiegend mit Filmschaffenden aus dem Land produziert wird, in der Primetime verankert hat. Trotzdem fehlt es beim SWR zum Beispiel an regelmäßigen Sendeplätzen und Budgets für die Kinokoproduktionen. Ebenfalls wichtig für die Wahrnehmung sind Programme der MFG, die dafür sorgen, dass Kinos geförderte Filme langfristig zeigen. Weiter sollte der Nachwuchs an den Standort gebunden werden. Eine wichtige Rolle sieht der Ausschuss in der öffentlichen Wahrnehmung insbesondere für die Filmschau Baden-Württemberg als prominente Leistungsschau (mit Preisverleihungen und den entsprechenden Preisgeldern), die weiterentwickelt und ausgebaut werden sollte. Dabei könnte das Trickfilmfestival als Vorbild dienen. Diese ist eine international beachtete Publikumsmesse aber auch Branchentreff zugleich.

Das Positionspapier des Ausschusses für Medien- und Filmwirtschaft der IHK Reutlingen datiert vom
18. November 2016. Es wurde ergänzt und bestätigt durch Beschluss der IHK-Vollversammlung vom
7. Dezember 2016.

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